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„Zwischen Gestern und Heute“
Bruno Obermann: ein Kopf-Arbeiter im Kulturbahnhof

Jetzt neu: Der Deuzer Maler Bruno Obermann zeigt aktuelle Kopf-Arbeiten im Kulturbahnhof in Kreuztal. Hier steht er zwischen seinen Gemälden „Querdenker-Denkmal“ (l.), angelehnt an Edvard Munchs „Schrei“, und „Sunny Side of Schatten“.
  • Jetzt neu: Der Deuzer Maler Bruno Obermann zeigt aktuelle Kopf-Arbeiten im Kulturbahnhof in Kreuztal. Hier steht er zwischen seinen Gemälden „Querdenker-Denkmal“ (l.), angelehnt an Edvard Munchs „Schrei“, und „Sunny Side of Schatten“.
  • Foto: Regine Wenzel
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

zel Kreuztal. „Für mich gibt es eigentlich nicht Gestern und Heute“, sagt Bruno Obermann – und doch hat der Deuzer Künstler sich über beides Gedanken gemacht und beides gemalt. Das zentrale Bild, „Zwischen Gestern und Heute“, das seiner Ausstellung im Kulturbahnhof Kreuztal ihren Namen gibt, hat er (ungerecht, wenn man so will) aufgeteilt: unten zwei Drittel Gestern, dort wo die erschreckten Augen sind: „Da ist was so gelaufen, wie ich’s eigentlich nicht haben wollte.“ Hoffnungslos. Aussichtslos? Im oberen Drittel eröffnet sich ein Himmel mit Vögeln darin. Im Heute-Himmel liegt für Obermann die Hoffnung. Jede Nacht schlägt da was um. Jeder Tag ist wieder neu.

zel Kreuztal. „Für mich gibt es eigentlich nicht Gestern und Heute“, sagt Bruno Obermann – und doch hat der Deuzer Künstler sich über beides Gedanken gemacht und beides gemalt. Das zentrale Bild, „Zwischen Gestern und Heute“, das seiner Ausstellung im Kulturbahnhof Kreuztal ihren Namen gibt, hat er (ungerecht, wenn man so will) aufgeteilt: unten zwei Drittel Gestern, dort wo die erschreckten Augen sind: „Da ist was so gelaufen, wie ich’s eigentlich nicht haben wollte.“ Hoffnungslos. Aussichtslos? Im oberen Drittel eröffnet sich ein Himmel mit Vögeln darin. Im Heute-Himmel liegt für Obermann die Hoffnung. Jede Nacht schlägt da was um. Jeder Tag ist wieder neu. Und wird wieder zum Gestern …

Erste Ausstellung zum ASK-Jubiläum

Die aktuelle Ausstellung Obermanns ist eine, die schon zweimal hätte stattfinden sollen, aber aus Pandemie-Gründen nicht stattfinden konnte. Trotzdem sind seine Arbeiten aktuell, denn sie sind in den vergangenen beiden Jahren entstanden und noch nicht gezeigt worden. Gleichzeitig ist der 53. „Szenenwechsel“ – so heißt die Ausstellungsreihe, die das Kulturamt Kreuztal in der langen, schmalen Vitrine mit der großen Glasfront im Bahnhof organisiert – höchst aktuell: Sie ist die erste von etwa 40 Kunstschauen, die die Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstlerinnen und Künstler (ASK) aus Anlass ihres 100-jährigen Bestehens in diesem Jahr auf die Beine stellt. Obermann ist Mitglied der ASK und darf den Reigen anführen. Zur Eröffnung an diesem Donnerstag, 19 Uhr, spricht Prof. Dr. Christian W. Thomsen, der den Künstler als einer von sechs Kuratoren für den Kulturbahnhof Kreuztal ausgewählt hat. Kulturamtsleiter Holger Glasmachers weist darauf hin, dass bei der Vernissage die 2-G-Regel und Maskenpflicht gelten.

"Jeder Mensch ist ein bisschen schizophren"

Wer Obermanns Arbeiten seit Längerem kennt, dem fällt auf, wie stark farbig er hier ist. Und dass er, bei anhaltender Abstraktion, viel konkreter ist als früher. Da sind Köpfe. Fast in jedem Bild. Manchmal nur angedeutet, da kann man auf die Suche gehen. Dann ist da ein Doppel-Kopf. „Mr. Schizo“ ist der Kopf ver-rückt, er ist eins und zwei. Bruno Obermann sagt dazu, ganz ruhig, sehr überlegt: „Jeder Mensch ist ein bisschen schizophren. Wir sind arme, erbärmliche Individuen, die versuchen durchzukommen und sich irgendwie treu zu bleiben.“

Corona, Isolation, Sich-Zurückziehen

Da ist der Kopf, der von Form und Ausdruck ganz eindeutig an Edward Munchs „Der Schrei“ erinnert. Hier, bei Obermann, heißt das Bild „Querdenker-Denkmal“. „Denk mal!“, das könnte man auch als Aufforderung verstehen. Und gleich daneben: „Sunny Side of Schatten“ – das ist ein Kopf, der fasziniert ist von den neusten (Corona-)Nachrichten, diese förmlich sucht. Seinen hauchdünnen Gummihandschuh hat er dabei. Corona beschäftige ihn schon, sagt Bruno Obermann, aber eigentlich gehen seine Überlegungen auch einfach nur weiter, sind seine Themen doch seit Längerem der Mensch, die Isolation und das Sich-Zurückziehen.

Einzelausstellung "Kopfsache" in Brühl

Corona-bedingt mussten sich alle und mit ihnen Bruno Obermann in der vergangenen Zeit zurückziehen. Er konnte nur zwei Mal sein Atelier öffnen in zwei Jahren und an zwei, drei Gemeinschaftsausstellungen teilnehmen. Aber jetzt kehrt er zurück: Neben der Kreuztaler soll am 28. Januar in der Villa Meixner im badischen Brühl eine Einzelausstellung von ihm eröffnet werden. Ihr Titel: „Kopfsache“. Diese Bilder sollen jetzt an die Luft und Öffentlichkeit – denn mit Köpfen ist Obermann fürs Erste fertig. Ihm schwebt schon etwas vor, „nicht gegenständlich, vielleicht auch weniger farbig“ – oder was ganz anderes. „Erstmal ein bisschen Ruhe reinbringen“ will er, hat tatsächlich drei Wochen lang nicht gemalt.

Spuren von Schrift

Obermann, seit 2021 im Ruhestand, arbeitet in seinem Deuzer Atelier immer auf dem Boden, wie der große Action Painter Jackson Pollock. Seine neuesten Gemälde in Mischtechnik – Acryl, Ölkreiden und Öl – sind manchmal, wie die älteren, in Schichten gearbeitet und mit Spuren und Symbolen versehen. Auffällig jetzt: die Schrift, die häufiger vorkommt. Aber kann ich das wirklich lesen? Clown? Wasser? Was soll das heißen? Vielleicht steht die „Schrift“ auch „nur“ als Symbol da – so wie die Vögel am blauen Himmel der Hoffnung. Besucher und Passantinnen sind zum Sehen, Ent-Rätseln und Verstehen eingeladen. Nicht-Verstehen ist aber auch okay.

Bruno Obermann: „Zwischen Gestern und Heute“.
ernissage an diesem Donnerstag, 19 Uhr.
Bis 25. März, Kulturbahnhof, Kreuztal.

Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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