SZ

Rüdiger Bräm hat Siegerländer Anekdoten festgehalten
Der Mäckes ist nicht immer ein Kännchen

Heidi und Rüdiger Bräm genießen die sommerliche Abendsonne auf ihrer Terrasse in Kredenbach.
  • Heidi und Rüdiger Bräm genießen die sommerliche Abendsonne auf ihrer Terrasse in Kredenbach.
  • Foto: Peter Helmes
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

ph Kredenbach. Mit Brame (Plural: Bräme) bezeichnete man einst einen Rand. Das aus dem Mittelhochdeutschen hervorgegangene Verb „verbrämen“ bedeutet zum einen, den Rand eines Kleidungsstücks zu verzieren. Zum anderen verbirgt sich hinter einer Verbrämung eine beschönigende, abgeschwächte Darstellung von etwas Negativem.
Trotz seines Nachnamens ist Rüdiger Bräm keineswegs ein Schönfärber, vielmehr zeitlebens ein Mann der klaren Worte und Posaunenklänge – und ein waschechtes Siegerländer Original dazu. Verbrämen und vergrämen (vergraulen) sind nicht sein Stil.
Familie aus der SchweizBräms Vorfahren stammen aus der Baseler Gegend in der Schweiz. Dort ist der Name geläufig.

ph Kredenbach. Mit Brame (Plural: Bräme) bezeichnete man einst einen Rand. Das aus dem Mittelhochdeutschen hervorgegangene Verb „verbrämen“ bedeutet zum einen, den Rand eines Kleidungsstücks zu verzieren. Zum anderen verbirgt sich hinter einer Verbrämung eine beschönigende, abgeschwächte Darstellung von etwas Negativem.
Trotz seines Nachnamens ist Rüdiger Bräm keineswegs ein Schönfärber, vielmehr zeitlebens ein Mann der klaren Worte und Posaunenklänge – und ein waschechtes Siegerländer Original dazu. Verbrämen und vergrämen (vergraulen) sind nicht sein Stil.

Familie aus der Schweiz

Bräms Vorfahren stammen aus der Baseler Gegend in der Schweiz. Dort ist der Name geläufig. Einen Platz in der Ahnentafel nimmt der evangelische Pfarrer Andreas Bräm aus Basel ein, 1845 Gründer des Neukirchener Erziehungsvereins mit Sitz in Neukirchen-Vluyn in der niederrheinischen Tiefebene.
Um den heißen Brei herumzureden ist nicht Rüdiger Bräms Ding – selbst dann nicht, wenn er auf persönliche Schicksalsschläge zu sprechen kommt, wie etwa ein unlängst festgestelltes Mantelzell-Lymphom. „Ich trage noch kein Schwarz“, lautet Bräms launiger Kommentar mit Blick auf einen hoffnungsvoll stimmenden Therapiebeginn.

Die heitere Note überwiegt

Schwarz ist indes mitunter der Humor des 81-Jährigen. Eher selten schimmert dieser in seinen Erinnerungen an die Kinder- und Jugendzeit im Siegerland „und rondsrömm“ durch. In einem Büchlein mit dem Titel „Aufgeschnappt ... Das Siegerland erlebt, beobachtet und niedergeschrieben“ hat er sie für die Nachwelt festgehalten und liebevoll bebildert. Äußerst tragische und persönlich belastende Sachen hat er ausgespart. Die heitere Note überwiegt, wenngleich Schilderungen über die Kriegs- und Nachkriegsjahre durchaus eine Ahnung vermitteln, wie es tief im Inneren der Kämpfernatur bisweilen aussieht.

57 Posaunenjahre im Musikverein

Geboren am 27. Januar 1940, in der Siegener Parkstraße (Hammerhütte), befindet sich Rüdiger Bräm in illustrer Gesellschaft. Auch Wolfgang Amadeus Mozart und Kaiser Wilhelm II. erblickten an diesem Datum das Licht der Welt, wenngleich in anderen Jahren, nämlich 1756 bzw. 1859.
Bräms Bindungen nach Müsen sind zweifellos enger als die zum benachbarten Kredenbach, wo er seit dem Hitzesommer 1959 im neu erbauten Haus Am Freibad lebt. Seine Oma, Martha Nies (Hoppe), stammt aus dem alten Bergmannsdorf. Dort lernte er seine künftige Frau Heidi aus Kreuztal kennen. Dort erteilte ihnen Pastor Stephan Debreczeni am 27. Dezember 1968 in der Kirche den Hochzeitssegen. Und dort verkündete Pastor Andreas Weiß Heiligabend 2019 Bräms Abschied nach 57 Posaunenjahren aus dem örtlichen Musikverein.

Aus Wuppertal zurück ins Siegerland

Bräms Großvater – gebürtig aus Anholt (Kreis Borken) – war bei der Firma MAN Nürnberg im hessischen Werk Gustavsburg beschäftigt. „Während seiner Montagezeit bei der Firma Gebr. Klein (später Siemag) in Dahlbruch“, erzählt der Enkel, „logierte er im Kredenbacher Gasthof Geisdörfer (später Hahn), wo er meine Oma kennenlernte, die dort im Haushalt beschäftigt war.“ Später heirateten sie und zogen nach Wuppertal, wo der Großvater unter anderem am Bau der Wuppertaler Schwebebahn mitwirkte, bei der er später als Oberconducteur beschäftigt war. Bräms Oma, ab 1904 verwitwet, kehrte mit ihren drei Söhnen ins Siegerland zurück – nach Siegen.

1962 in Hamburg bei der Flutkatastrophe

Generell hängt Bräm, der 1962 als Bundeswehr-Pionier bei der Flutkatastrophe in Hamburg im Einsatz war und dafür ein Ehrenzeichen erhielt, „unwahrscheinlich am Siegerland“. Sein Feldwebel hat ihm einst mit auf den Weg gegeben: „Wenn du im Leben weiterkommen willst, so merk dir dreimal halten: ranhalten, durchhalten, Maul halten.“ Letzteres war nie so recht Bräms Stärke. Da hält er es eher wie Martin Luther: „Wes Herz voll ist, dem fließt der Mund über.“
Der gelernte Maschinenschlosser war in seinem 47-jährigen Berufsleben, davon 33 Jahre bei der Hilma in Hilchenbach, viel im In- und Ausland unterwegs: „Da lernt man Land und Leute kennen.“
Die Bindung zur Heimat, deren lange Geschichte sowie deren Menschen, Persönlichkeiten und Figuren – und Sohn Markus – haben den belesenen und beredten Posaunisten im Ruhestand letztendlich bereits 2009 bewogen, erstmals seine gesammelten Erinnerungen, Erkenntnisse und Erfahrungen gebündelt zu Papier zu bringen.
Wobei der der einleitende Satz seines Vorworts eine maßlose Untertreibung darstellt, die der Senior bei Plaudereien in geselliger Runde locker widerlegt. „In meinem doch schon recht langen Leben“, heißt es dort, „hat sich eigentlich nicht viel Außergewöhnliches zugetragen.“ Immerhin so viel, räumt er anschließend ein, dass es sich lohnt aufzuschreiben, um es vor der Vergessenheit zu bewahren.

"Es geht weiter – wie auch immer“

Neben dem seinerzeit im Eigenverlag erschienenen Band und einer 2019 erweiterten Ausgabe existiert noch ein Arbeitsexemplar. Gut möglich, dass darin noch die eine oder andere Anekdote ihren Eintrag findet. Selbst in den überschaubaren zwölf Jahren seit der Ersterscheinung des Büchleins hat sich viel ereignet. Die Zeit überdauert hat Bräms Weisheit letzter Schluss im Epilog: „Was auch immer kommen mag, es geht weiter – wie auch immer.“ Diese wird nur noch getoppt vom Spruch auf der Rückseite des Einbands: „Der Mäckes“, ist dort über einem Abbild des gleichnamigen Gefäßes zu erfahren, „ist nicht immer ein Kaffeekännchen ...“

Autor:

Peter Helmes (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen