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Lisa Fitz mit klaren Worten im Eichener Hamer
Ein Plädoyer für den Mut

Lisa Fitz sorgte gewohnt scharfzüngig mit ihrem Programm „Flüsterwitz“ im Eichener Hamer für Begeisterung.
  • Lisa Fitz sorgte gewohnt scharfzüngig mit ihrem Programm „Flüsterwitz“ im Eichener Hamer für Begeisterung.
  • Foto: Bärbel Althaus
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

ba Eichen. Sie ist beileibe keine Leisetreterin. Vielmehr sagt Lisa Fitz, was sie denkt, und das gerne laut und deutlich. Am Samstagabend kam die bayerische Kabarettistin in den Eichener Hamer, um sich in ihrem neuen Programm „Flüsterwitz“ dem zu widmen, was andere hinter vorgehaltener Hand äußern. „Des derfst ja net laut sagen“, hört sie vielerorts.Es wird also wieder geflüstert, aus Sorge, unangenehm aufzufallen. Dabei sind Flüsterwitze politische Witze, die vor allem in einem autoritären System Nährboden finden, in denen freie Meinungsäußerung fatale Folgen haben kann. Doch gibt es hier Diktatoren? „Eine Demokratie produziert keine Flüsterwitze, weil die ganzen Komiker in der Regierung sitzen“, ist sich Lisa Fitz sicher und fordert nachdrücklich auf, Mut zur Meinung zu zeigen.

ba Eichen. Sie ist beileibe keine Leisetreterin. Vielmehr sagt Lisa Fitz, was sie denkt, und das gerne laut und deutlich. Am Samstagabend kam die bayerische Kabarettistin in den Eichener Hamer, um sich in ihrem neuen Programm „Flüsterwitz“ dem zu widmen, was andere hinter vorgehaltener Hand äußern. „Des derfst ja net laut sagen“, hört sie vielerorts.Es wird also wieder geflüstert, aus Sorge, unangenehm aufzufallen. Dabei sind Flüsterwitze politische Witze, die vor allem in einem autoritären System Nährboden finden, in denen freie Meinungsäußerung fatale Folgen haben kann. Doch gibt es hier Diktatoren? „Eine Demokratie produziert keine Flüsterwitze, weil die ganzen Komiker in der Regierung sitzen“, ist sich Lisa Fitz sicher und fordert nachdrücklich auf, Mut zur Meinung zu zeigen. „Doch bitte sagen Sie es laut, das nennt man Diskussionskultur“, widerspricht sie der Auffassung, nichts sagen zu dürfen, und propagiert die „freie Rede, solange es noch geht“.

Das "Ruheregiment" der Angela Merkel

Es ist also an der Zeit, die Streitkultur wieder aufleben zu lassen, „seine Meinung an der Meinung anderer zu überprüfen“.Mit „Lasst es raus!“ fordert Fitz, die deutsche Verkrampfung abzulegen. So ist sie ganz und gar nicht verkrampft, wenn sie Merkels „postheroisches Regieren“ kritisiert und es mit einem „Ruheregiment mit Empörungsverweigerung“ vergleicht. Oder wie der Mainzer sagen würde: „Bevor ich mich uffreesch, isses mir lieber egal!“ Leider seien Frauen entweder unpolitisch oder „keifende Weiber in hässlichen Klamotten“, kritisiert die „demokratisch denkende, liberale Feministin“ ihre Geschlechtsgenossinnen und gibt zu, dass ihr die momentane Entwicklung durchaus Angst mache.
Anlass genug, den rund 650 gelisteten menschlichen Phobien augenzwinkernd auf den Grund zu gehen. Dabei betrifft die Angrophobie, also die Angst, wütend zu werden, vor allem Frauen. Dabei wirke ein „gezielter Anschiss“ manchmal „Wunder“, stellt Fitz fest. Sie hat ihre Ängste offensichtlich im Griff. „Ich muss keine Angst vor dem Islam haben. Im Koran steht, ältere Frauen müssen sich nicht verschleiern“, witzelt die 68-Jährige.

„Regt euch auf, das tut euch gut!“

Dass sie abends beim Einschlafen das Licht anlasse, liege auch eher daran, dass die Dunkelheit Angst vor ihr habe. Leider fehle vielen Frauen der Mut, bemängelt Fitz und zitiert mit den Worten des spanischen Lyrikers Diego Cendoya („Als Frau musst du dich entscheiden, ob du Recht haben oder geliebt werden willst“) gleich einen möglichen Grund dafür. Dabei ist es längst an der Zeit, den zahnlosen Tiger nach Hause zu schicken. „Regt euch auf, das tut euch gut!“, spornt Fitz zur Aktivität an.
Es gilt vor allem, die eigene Unwissenheit zu bekämpfen, die die Kabarettistin mit Blick auf die Worte der Frauenrechtlerin Emma Goldman als „das gewalttätigste Element der Gesellschaft“ bezeichnet, denn „mit unwissendenMenschen kannst du alles machen“. Mit Lisa Fitz allerdings nicht. Ihr Wissensfundus ist schier unerschöpflich, ihre Synapsen glühen, bis es qualmt. Der zunehmenden Verblödung durch das Fernsehprogramm setzt sie den Gebrauch des Gehirns entgegen. „Das Gehirn mag Lernen. Es ist keine Seife, es wird nicht weniger, wenn man es benutzt!“

Lisa Fitz sehnt sich nach Strauß und Wehner

So geht sie dem vielzitierten Populismus auf den Grund, sehnt sich nach Strauß und Wehner zurück, gegen die die „Kabarettisten gar nicht angekommen“ sind, und vermisst Dieter Hildebrandt, der so treffend formulierte: „Die Öffentlich-Rechtlichen haben die Hose gestrichen voll, und die Privaten senden, was drin ist.“ Lisa Fitz streift die Revoluzzer-Jacke über, singt, spielt Gitarre und kommt stets zum selben Ergebnis: „Denken hilft“, denn „wer der Herde folgt, sieht nur Ärsche“.„Die Gedanken sind frei“, sind die passenden Worte dazu, die sie mit dem Publikum gemeinsam singt. Um nach mehr als zwei Stunden dem Gehirn ein bisschen Wellness zu gönnen, lässt sie zur Erheiterung der rund 180 Zuschauerinnen und Zuschauer mit dem „Kamel“ ein „saublödes Lied“ ihres Vaters erklingen. Lang anhaltender Applaus und ein begeistertes Publikum sprechen für sich. Lisa Fitz‘ Plädoyer für den Mut hat in Eichen überzeugt!

Autor:

Bärbel Althaus (Freie Mitarbeiterin) aus Wilnsdorf

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