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Sandro Abbate aus Kreuztal bloggt zum Deutschen Sachbuchpreis 2021
"Eine andere Form von Literaturkritik"

Seinen Blog versteht Sandro Abbate als Plattform für die Themen Buch, Kultur und Politik. Er ist ein Knoten im Netzwerk der Szene, bloggt seit 2017 offiziell zum Deutschen Buchpreis und aktuell zum Deutschen Sachbuchpreis 2021.
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  • Seinen Blog versteht Sandro Abbate als Plattform für die Themen Buch, Kultur und Politik. Er ist ein Knoten im Netzwerk der Szene, bloggt seit 2017 offiziell zum Deutschen Buchpreis und aktuell zum Deutschen Sachbuchpreis 2021.
  • Foto: Ricarda Müller, Köln
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

zel Kreuztal/Frankfurt. „Och nö“ war Sandro Abbates erste Reaktion auf das Buch „Freiheitsgrade. Elemente einer liberalen politischen Mechanik“ von Christoph Möllers, das ihm das Los beschert hat, um darüber zu bloggen. Nach einem ersten Blick in die Fahnen hat der Kreuztaler Buchblogger jedoch gemerkt, dass er was mit dem Thema Liberalismus anfangen kann – gerade in dieser Corona-Zeit. „Absolute Freiheit gibt es nicht“, sagt der 41-Jährige, „Freiheit konstituiert sich aus der Gesellschaft und muss immer wieder neu ausgehandelt werden.“ Abbate verweist auf das berühmte Zitat „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ von Rosa Luxemburg, der er zum 150. Geburtstag auf seinem Blog novelero.de eine eigene Seite eingerichtet hat.

zel Kreuztal/Frankfurt. „Och nö“ war Sandro Abbates erste Reaktion auf das Buch „Freiheitsgrade. Elemente einer liberalen politischen Mechanik“ von Christoph Möllers, das ihm das Los beschert hat, um darüber zu bloggen. Nach einem ersten Blick in die Fahnen hat der Kreuztaler Buchblogger jedoch gemerkt, dass er was mit dem Thema Liberalismus anfangen kann – gerade in dieser Corona-Zeit. „Absolute Freiheit gibt es nicht“, sagt der 41-Jährige, „Freiheit konstituiert sich aus der Gesellschaft und muss immer wieder neu ausgehandelt werden.“ Abbate verweist auf das berühmte Zitat „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ von Rosa Luxemburg, der er zum 150. Geburtstag auf seinem Blog novelero.de eine eigene Seite eingerichtet hat.

#sachbuchpreisbloggen

Sandro Abbate ist einer von acht Buchbloggern, die eingeladen sind, zum Deutschen Sachbuchpreis zu bloggen, dessen Gewinner oder Gewinnerin am 14. Juni in Berlin verkündet werden soll. Die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels verleiht den mit insgesamt 42 500 Euro dotierten Preis an ein „herausragendes, in deutscher Sprache verfasstes Sachbuch, das Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung gibt“. Um diese bekannter zu machen, haben sich die Veranstalter – wie zuvor schon einige Male beim Deutschen Buchpreis – Blogger dazugeholt, die ihre Beiträge bis Juni veröffentlichen mögen: unter dem Hashtag #sachbuchpreisbloggen auf Instagram, Facebook und Twitter, auf der Website des Deutschen Sachbuchpreises sowie den Kanälen der jeweiligen Blogger.

"Freiheitsgrade" und Liberalismus

Sandro Abbate, hauptberuflich Redakteur in der Pressestelle der Universität Siegen, ist ein politisch interessierter Mensch und will „Freiheitsgrade“ in diesen Tagen erstmal als gedrucktes Buch lesen, sich mit Post-its einige Thesen Möllers’ markieren, die ihm erwähnenswert erscheinen, und einen längeren Beitrag dazu verfassen, der „das Thema Liberalismus ein bisschen einordnet“. Seinen Blog versteht er nicht als reinen Literaturblog, er schreibt hier auch zu politischen und gesellschaftskritischen Themen und hat eine Meinung.

"Klassismus" ist ein Thema für ihn

Es ist keineswegs das erste Sachbuch, dem sich Abbate auf novelero.de widmet. Im Bereich Sachbuch hat sich der gebürtige Kreuztaler u. a. mit dem Thema „Klassismus“ befasst, die Anthologie „Klassismus und Wissenschaft“, herausgegeben von Riccardo Altieri und Bernd Hüttner, besprochen, in dem 16 Autor/-innen ihre Erfahrungen als Nicht-Akademikerkinder im universitären Betrieb schildern. Damit konnte Abbate etwas anfangen, denn auch er kennt das Gefühl, „dass man da eigentlich gar nicht hingehört“, das Hochstapler-Syndrom, die Angst, dass irgendwann alles auffliegt, „darin hab’ ich mich sehr wiedergefunden“.

Erstmal BWL - was Bodenständiges

„Ich bin Arbeiterkind aus einer Familie mit Emigrationsgeschichte. Ich arbeite als Redakteur und habe Kulturwissenschaften studiert“: So stellt sich Sandro Abbate auf novelero.de vor. Erstmal Realschule, dann Jung-Stilling-Gymnasium – als einer der Ersten in seiner Familie habe er Abitur gemacht. Er hatte das für sich klar, dass er das Abi machen wollte, aber in seiner Familie – der Vater in Italien geboren, die Mutter aus Ferndorf stammend – war das keine Selbstverständlichkeit. Nach dem Zivildienst in Siegen habe er „sehr pragmatisch“ angefangen, an der Uni Siegen Betriebswirtschaftslehre zu studieren, um einen „bodenständigen“ Job zu bekommen, vielleicht unbewusst den Eltern zuliebe.

Marketing und dann... Kulturwissenschaft

„Das hat schlecht geklappt“, sagt Sandro Abbate im Rückblick, er brach das ungeliebte Studium nach drei Jahren ab. Allein Marketing habe ihn interessiert, und so folgt eine lange Zeit im Bereich der Werbung: ein Praktikum in einer Werbeagentur in Kreuztal, dann eine Ausbildung und Weiterbeschäftigung als Werbekaufmann im Bergischen Land, dann geht es Richtung Köln.
„Das mit dem Studienabbruch hat mich jahrelang nicht losgelassen, mich geärgert“, erinnert sich Abbate. Darum also: berufsbegleitendes Studium der Kulturwissenschaft in Hagen: „Da konnte ich Themen bearbeiten, die mich wirklich interessieren.“ Literatur-Themen zum Beispiel. Nach dem Bachelor-Abschluss 2013 hat er sich in Köln als Texter und Autor selbstständig gemacht, das ging gut, auch noch nach dem Rückzug aus Köln nach Kreuztal 2015, wo er mit seiner Patchwork-Familie lebt.

Acht Titel sind für den Deutschen Sachbuchpreis 2021 nominiert. Das Los hat Buchblogger Sandro Abbate Christoph Möllers' „Freiheitsgrade. Elemente einer liberalen politischen Mechanik“ zugespielt.
  • Acht Titel sind für den Deutschen Sachbuchpreis 2021 nominiert. Das Los hat Buchblogger Sandro Abbate Christoph Möllers' „Freiheitsgrade. Elemente einer liberalen politischen Mechanik“ zugespielt.
  • Foto: Sachbuchpreis
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Seit Oktober in der Pressestelle der Uni Siegen

Mit dem Beginn von Corona seien die Aufträge fast komplett weggebrochen. Seit Oktober 2020 arbeitet Sandro Abbate in der Pressestelle der Uni Siegen: „Eine spannende Stelle“, findet er, hier kommt er mit jeder Fakultät in Berührung, von Soziologie bis Nanotechnologie, und kann mit der Sprache arbeiten, wie gewünscht.

Schnell vernetzt in der Buchblogger-Szene

novelero.de betreibt Sandro Abbate seit 2014, fast gleichzeitig mit dem Selbstständigmachen ist dieser Blog entstanden. „Ich habe relativ unbefangen angefangen“, erinnert sich Abbate, „aber es ging dann auch relativ schnell, dass man sich unter Bloggern vernetzt hat.“ Facebook sei zu der Zeit ganz groß gewesen, es wird geteilt und geliked, werden Kommentare hinterlassen, jemand führt ein Blogverzeichnis.

Schon auch eine Blase...

Die Buchszene ist lebendig, man trifft sich auf Buchmessen und Preisverleihungen, knüpft weiter am Netzwerk. Gefragt nach seinem Publikum sagt Sandro Abbate: „Es liegt mir natürlich am Herzen, Literatur zu vermitteln, eine größere Reichweite zu erzielen“, aber er weiß auch: „In der Bloggerszene und den sozialen Medien spielt sich viel in Blasen ab.“ Aus diesen Verbindungen ist die Anthologie „Warum ich lese“ mit 40 Liebeserklärungen an die Literatur von deutschen Buchbloggern entstanden, die Abbate 2017 im Homunculus-Verlag herausgegeben hat.

novelero.de bringt finanziell gar nichts ein

Spezialthemen Abbates sind Literatur aus Lateinamerika (die Liebe dazu entzündet hat Gabriel García Márquez) und Italien, was in seiner Biografie begründet liegt. Immer wieder stellt er auf seiner Seite nicht nur Bücher vor, sondern auch ihre (idealistischen) Macher in kleinen Verlagen vor, er führt Autoreninterviews, besucht Lesungen – die Darstellungsformen sind abwechslungsreich. „Es gab immer wieder Angriffe aus dem Feuilleton, das sei Laien-Literaturkritik“, sagt der Blogger, aber „das ist eine unnütze Diskussion“, findet er. „Es ist eine andere Form der Literaturkritik.“ Die ihm finanziell gar nichts einbringt, außer vielleicht ein kostenloses Rezensionsexemplar oder die Einladung zu einer Preisverleihung. Klickzahlen haben ihn nur am Anfang interessiert.

Seit 2017 zum Deutschen Buchpreis gebloggt

2017 wurde Sandro Abbate gefragt, ob er zum Deutschen Buchpreis bloggen möchte. Mochte er natürlich, ist ja eine Ehre und Anerkennung. Dreimal war er dabei, kommentiert die Long- und die Shortlist, schreibt Rezensionen. Besonders gern erinnert er sich an Christine Wunnickes „Katie“, 2017 auf der Longlist: ein „gar nicht mal so dicker Roman“, der im viktorianischen England spielt und in dem es um Seancen, Medien und Spiritismus geht. Leseempfehlung!

Meist mehr abseits vom Mainstream

Corona hat natürlich einen Einfluss auf die Literatur-, Verlags- und Bloggerszene. Buchmessen und Lesungen fallen aus und persönliche Kontakte weg. Das Lesen allerdings boomt. Nicht umsonst unterhalten etwa Tennisspielerin Andrea Petcovic und Schauspielerin Reese Witherspoon digitale Buchclubs. Der Bedarf nach Orientierung und Austausch ist da. Zumeist etwas mehr abseits vom Mainstream ist das, was Sandro Abbates auf seiner Literaturseite schlau und übersichtlich vorstellt – und mit der Auswahl auch ein Stück weit sich selbst: „Die Themen spiegeln immer ein bisschen das wider, was einen selbst beschäftigt.“ Dass es beim „Och nö“ zu Möllers’ „Freiheitsgrade“ bleibt, davon ist echt nicht auszugehen.

Seinen Blog versteht Sandro Abbate als Plattform für die Themen Buch, Kultur und Politik. Er ist ein Knoten im Netzwerk der Szene, bloggt seit 2017 offiziell zum Deutschen Buchpreis und aktuell zum Deutschen Sachbuchpreis 2021.
Acht Titel sind für den Deutschen Sachbuchpreis 2021 nominiert. Das Los hat Buchblogger Sandro Abbate Christoph Möllers' „Freiheitsgrade. Elemente einer liberalen politischen Mechanik“ zugespielt.
Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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