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Liedermacher Stefan Stoppok am Freitag in Kreuztal
„Ich will die Leute erreichen“

Stoppok & Band kommen am Freitag mit Corona-Verspätung nach Kreuztal, entgegen den Planungen nicht in den Eichener Hamer, sondern in die Otto-Flick-Halle.
  • Stoppok & Band kommen am Freitag mit Corona-Verspätung nach Kreuztal, entgegen den Planungen nicht in den Eichener Hamer, sondern in die Otto-Flick-Halle.
  • Foto: Robert Grischek
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

sz Kreuztal. Eigentlich sollte und wollte Stefan Stoppok sein Gastspiel in Kreuztal schon im März absolvieren. Sein Album „Jubel“ war gerade frisch erschienen und gab mit Chart-Platz 4 auch kommerziell reichlich Anlass zum Jubeln. Doch dann grätschte Corona jäh dazwischen und schickte auch den sympathischen Liedermacher zurück in sein Hamburger Homeoffice. Fast ein halbes Jahr später ist es jetzt doch so weit, dass der 64-Jährige sein Konzert in Kreuztal am Freitag, 4. September, doch noch absolvieren kann. Allerdings findet das Konzert nicht mehr wie geplant im Eichener Hamer, sondern ab 20  Uhr in der Otto-Flick-Halle statt.

sz Kreuztal. Eigentlich sollte und wollte Stefan Stoppok sein Gastspiel in Kreuztal schon im März absolvieren. Sein Album „Jubel“ war gerade frisch erschienen und gab mit Chart-Platz 4 auch kommerziell reichlich Anlass zum Jubeln. Doch dann grätschte Corona jäh dazwischen und schickte auch den sympathischen Liedermacher zurück in sein Hamburger Homeoffice. Fast ein halbes Jahr später ist es jetzt doch so weit, dass der 64-Jährige sein Konzert in Kreuztal am Freitag, 4. September, doch noch absolvieren kann. Allerdings findet das Konzert nicht mehr wie geplant im Eichener Hamer, sondern ab 20  Uhr in der Otto-Flick-Halle statt. Thorsten Hengst hat Stefan Stoppok vorab gefragt, ob ihm noch zum Jubeln zumute ist und wie er als selbständiger Künstler mit der Ausnahmesituation zurechtgekommen ist.
Herr Stoppok, wie haben Sie persönlich den Lockdown erlebt?
Wir waren im März auf Bandtournee zu unserem neuen Album „Jubel“, und es war vom ersten Konzert an wackelig und unsicher, wie lange es laufen würde. Wir hatten uns jeden Tag erst einmal kundig machen müssen, ob die Veranstaltung am Abend auch stattfindet. Immerhin fanden noch sieben von insgesamt 21 geplanten Konzerten statt. Das achte Konzert hätte am 13. März in München sein sollen, und morgens hieß es noch von den Veranstaltern, dass das Konzert auch stattfinden könne. Am Ende hätten wir uns aber die Fahrt von Stuttgart nach München sparen können, denn am Nachmittag kam dann doch die verbindliche Absage.
Was haben Sie dann gemacht?
Nach dem ersten Frust über die abgesagten Konzerte habe ich geguckt, was noch so ansteht, und mir einige Projekte herausgekramt, die ich aus Zeitgründen bisher nach hinten geschoben hatte.
Zum Beispiel?
Mein Heimstudio wieder auf Vordermann bringen, um dort die nächsten Monate in Ruhe arbeiten zu können. Ansonsten viel Büroarbeit, das Bühnenequipment einmotten, Rasen mähen, etc ... Unser Hammond-Spieler Sebel war darüber hinaus schwer mit seinem Song „Zusammenstehen“ beschäftigt. Das Lied hatte er nach der Münchener Konzertabsage geschrieben, ins Netz gestellt und schon in kürzester Zeit über 2 Millionen Aufrufe bei YouTube gehabt. Mittlerweile ist der Song in mehrere Sprachen übersetzt worden. Ich habe zum Beispiel mit der Sängerin Aino Löwenmark (Fjarill), die bei mir in Hamburg um die Ecke wohnt, eine schwedische Version aufgenommen.
Wie bewerten Sie die finanziellen Hilfen vom Staat für Kulturschaffende?
Generell erst einmal gut, und vor allem ging es wohl bei einigen auch sehr schnell. Es wird aber vielen Veranstaltern, Musikern, Ton- und Lichtfirmen samt Personal nicht groß über den Sommer helfen. Da muss noch mehr passieren, sonst rasseln viele in die Pleite.
Und machen Sie sich auch Sorgen über Ihre weitere Zukunft?
Über meine persönliche Zukunft habe ich mir noch nie Sorgen gemacht, da ich es seit 40 Jahren gewohnt bin, in unsicheren Verhältnissen zu leben. Sorgen mache ich mir aber um unsere bunte Kulturlandschaft. Es könnte sein, dass da einiges auf der Strecke bleibt. Das wäre grausam, denn völlig normalisieren wird sich die Situation sicher nicht so schnell.
Lassen sich Ihrer Meinung nach aus der gegenwärtigen Krise auch Chancen auf eine bessere Zukunft ableiten?
Ich würde es mir wünschen, denke aber, dass dieser Hammerschlag für wirkliche Veränderungen noch nicht heftig genug war. Trotzdem spült die Corona-Krise auch viele gute Sachen wie z. B. viel Solidarität und gegenseitige Unterstützung an Land. Kann sein, dass einiges von dem übrig bleibt und in Zukunft ganz neue Sachen in Gang setzt.
Ihr neues Album „Jubel“ ist kurz vor dem Lockdown auf Platz 4 der deutschen Album-Charts eingestiegen. Haben Sie sich über Ihre erste Top-10-Platzierung gefreut?
Ja, es ist schon ein Grund zur Freude, weil wir das im Gegensatz zu den anderen Künstlern dort ohne großen Werbeaufwand geschafft haben. Das freut einen hundertprozentigen Independent-Künstler wie mich natürlich.
Ihr erstes Album haben Sie 1980 noch gemeinsam mit der Stender Band veröffentlicht. Wie bewerten Sie heute rückblickend die letzten 40 Jahre?
Durchweg positiv! Ich kann sagen, dass ich mir einen besseren Verlauf meines Lebens nicht vorstellen kann – und das in jeder Hinsicht …
Die aktuelle Single „Lass sie rein“ setzt sich kritisch mit der aktuellen Flüchtlingsthematik auseinander. Tut die Politik in Europa hier genug?
Nein, die Politik in Europa versagt in dieser Hinsicht komplett! Da wird nichts mit Weitsicht oder einem Funken Zukunftssicherung unternommen. Stattdessen fließen Millionen von Euro, um uns Europäern das Flüchtlingsproblem vom Hals zu halten, obwohl jeder sehen kann, dass das nie funktionieren wird – von der Unmenschlichkeit eines solchen Handelns ganz zu schweigen. Dabei sieht man anhand privater Hilfsorganisationen und deren Engagement, dass so viele Menschen in unserem Land das ebenfalls so sehen und es nicht ertragen können, wie dumm und kaltherzig damit umgegangen wird. Natürlich ist das Thema noch viel komplexer, aber das würde hier den Rahmen sprengen, nämlich wie naiv in früheren Jahren mit der Integration in unserem Land umgegangen wurde.
Der letzte Song des Albums heißt „Morgen kommt die Müllabfuhr“ und klingt wie eine lässige Variation von „Der Letzte macht das Licht aus“. Haben Sie das Lied bewusst als Schlusspunkt gewählt?
Nein, der Song steht am Schluss, weil er etwas aus dem Rahmen fällt. Die Idee dafür kam mir schon vor Jahren, als ich noch im Künstlerdorf Worpswede (bei Bremen) wohnte. Immer wenn ich dort die Mülltonne die rund 100 Meter zur Straße zog, sang ich diese Melodie, weil meine Tonne anscheinend viel zu groß oder mein Müll einfach zu wenig war. Es ist einfach ein sehr persönliches Lied.
Herr Stoppok, vielen Dank für das Gespräch.

Autor:

Redaktion Kultur

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