Was ist noch „normal“?
Maxi Gstettenbauer macht sich so seine Gedanken

Maxi Gstettenbauer ist Vater geworden. Vom Drumherum war nicht zu wenig zu erfahren beim Auftritt des Stand-up-Comedians in der Weißen Villa in Kreuztal.
  • Maxi Gstettenbauer ist Vater geworden. Vom Drumherum war nicht zu wenig zu erfahren beim Auftritt des Stand-up-Comedians in der Weißen Villa in Kreuztal.
  • Foto: Johanna Schirmacher
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

jon Kreuztal. Was sich eigentlich hinter dem Wort „normal“ verbirgt, konnten die Zuschauer letzten Samstagabend in der Kreuztaler Weißen Villa lernen. Stand-up-Comedian Maxi Gstettenbauer, gebürtiger Straubinger und Wahl-Kölner, verschaffte dem Publikum einen umfassenden Einblick in seine Gedankengänge, und „normal“ war der rote Faden im Programm. 
Es sei nichts mehr normal, dafür habe die Pandemie gesorgt. Wie er denn die Lockdown-Phase genutzt habe, sei er gefragt worden. Rückfrage: Bei welcher anderen Naturkatastrophe man das gefragt würde? Etwa bei einer Flutkatastrophe?

Publikum (fast) mit im Kreißsaal

Der zweite Grund, warum bei ihm nichts mehr normal sei: Er sei Vater geworden. Die vorwiegend jüngeren Zuschauer um die 30 bekamen einen umfassenden Bericht des etwa gleichaltrigen Fernseh- und Bühnenstars, wie man Vater wird. Auf seine Nachfrage hin outete sich niemand im Publikum, ein Vater zu sein, also hatten diejenigen, die eine Elternschaft in Erwägung ziehen, hier das leibhaftige Vorbild.
Gstettenbauer scheute sich nicht, einen tiefen Einblick in sehr private Dinge zu gewähren. Ob wahr oder comedymäßig erfunden – es mag jedem überlassen bleiben, dies zu beurteilen. Zum Beispiel berichtete er, wie er seine Frau zum Frauenarzt begleitete und zwei Arten von Ultraschallgeräten entdeckte – und sie hintergründig beschrieb. Bei der Beschreibung der Spermauntersuchung und wie es dazu kam wähnte man sich live dabei, und das Ergebnis bewog das Paar, eine künstliche Befruchtung in Angriff zu nehmen – echt mutig! Bis hin zum Ablauf eines Kaiserschnitts – der Sani für den werdenden Vater wartete in der Kreißsaalecke – wurde wirklich alles beleuchtet.

Teurer Kinderwagen "ohne Inhalt"

Das Thema Kinderkriegen ist ja derzeit wieder sehr populär, die steigenden Geburtenzahlen sprechen für sich. Paare mit Kinderwunsch sollten sich auf jeden Fall klarmachen: Das Frühgeborene im Brutkasten hatte noch nicht alle Körperfunktionen am Start, aber bereits eine Steuernummer vom Finanzamt. O-Ton Gstettenbauer. Liegt der Fokus auf Geldverdienen, kann es nicht schnell genug gehen, liegt er auf dem Menschen, ist kein Geld da.
Kinder zu haben, ist teuer. Gstettenbauer habe seine Altersvorsorge im Babymarkt investiert, wo man einen Kinderwagen für mittlere vierstellige Summen aufgeschwatzt bekommt, wenn man nicht aufpasst, und dann auch noch „ohne Inhalt“! Das Humorniveau sei auf der Bühne „böser“ als im Fernsehen, kokettierte der Künstler mit seinen manchmal derben Witzen, und machte sich über die Pandemie her. Zu Comedy und Gastronomie wolle keiner, aber die Psychotherapeutenwarteliste sei mittlerweile ellenlang. Im Lockdown habe er viel Zeit gehabt, und was macht ein Comedian? Er hat Zeit genug, um Emojis (für die Älteren: Smileys) endlich mal auszuschreiben.

"Bavarian Belly" statt "Brazilian Butt"

Was ist noch normal? Wie werden die Menschen in 200 Jahren auf uns zurückblicken? So wie wir auf unsere Vorfahren zurückblicken, die, dem Zeitgeist entsprechend, auch schon mal Frauen verbrannten. Maxi Gstettenbauer greift Trends auf: Neuerdings ist es in gewissen Kreisen „hip“, sich einen „Brazilian Butt“ modellieren zu lassen – Gstettenbauer streicht genüsslich über seinen „Bavarian Belly“, die Frontseite des gebotoxten Popos sozusagen.

Her mit den DNA-verändernden Substanzen!

Lieferdienste seien heutzutage schneller als der Rettungswagen bei einem Notfall, und auch das Impfen war Thema. Er habe es aufgegeben, seine beiden Querdenker-Freunde umstimmen zu wollen, das ruiniere nur die Freundschaft. Die Querdenker würden das Thema aber nicht ruhen lassen. Gstettenbauer hatte im Gegensatz zu den Impfgegnern gar nicht mal was dagegen, sich DNA-verändernde Substanzen injizieren zu lassen, da eröffneten sich doch tolle Möglichkeiten!

Jede Zeit hat ihre Qualität

Das Publikum goutierte seine Scherze zwischen tiefgründig und derber Zote mit permanentem Kichern, und in der zweiten Programmhälfte gab es vermehrt Zwischenapplaus. Gstettenbauers Philosophie über „normal“ kulminierte in der Feststellung, es habe noch nie ein „Normal“ gegeben und es werde nie wieder „wie vorher“ sein. Jede Zeit habe eben ihre Qualität, und da müssen wir jetzt durch – jeder auf seine Weise.

Autor:

Redaktion Kultur

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