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Kreuztal-Kultur: Kommende Spielzeit wegen Corona mit vielen Fragezeichen versehen
Mutterseelenallein

Vermutlich wird die norwegische Sängerin Rebekka Bakken, deren Kreuztaler Konzert kurz vor Weihnachten von der Siegener Zeitung präsentiert wird, genau so hoffnungsvoll wie auch unsicher der Zukunft der globalen Kulturszene entgegenblicken wie die Macher und Unterstützer von Kreuztal-Kultur der mit vielen Fragezeichen versehenen kommenden Spielzeit 2020/2021 (v. l.): Christoph Brombach vom Sponsor innogy, Kulturamts-Chef Holger Glasmachers, Stefanie Schierling von der Sparkasse Siegen, Kulturausschuss-Vorsitzender Jochen Schreiber und Bürgermeister Walter Kiß. Bei alledem gilt: Nicht das Lächeln verlernen!
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  • Vermutlich wird die norwegische Sängerin Rebekka Bakken, deren Kreuztaler Konzert kurz vor Weihnachten von der Siegener Zeitung präsentiert wird, genau so hoffnungsvoll wie auch unsicher der Zukunft der globalen Kulturszene entgegenblicken wie die Macher und Unterstützer von Kreuztal-Kultur der mit vielen Fragezeichen versehenen kommenden Spielzeit 2020/2021 (v. l.): Christoph Brombach vom Sponsor innogy, Kulturamts-Chef Holger Glasmachers, Stefanie Schierling von der Sparkasse Siegen, Kulturausschuss-Vorsitzender Jochen Schreiber und Bürgermeister Walter Kiß. Bei alledem gilt: Nicht das Lächeln verlernen!
  • Foto: Alexander W. Weiß
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww – Kreuztal-Kultur stellt eine prallvolle Spielzeit vor. Doch es gibt viele Wenn und Aber. Kulturamts-Chef Holger Glasmachers: „Kommt eine zweite Welle, werden wir vermutlich alles eintüten können.“

aww Kreuztal. Während viele Aussagen bei der traditionellen jährlichen Pressekonferenz zur Programmvorstellung von Kreuztal-Kultur am Freitag mit einem hohen Unsicherheitsfaktor versehen sind, trifft Holger Glasmachers am Schluss eine Feststellung, deren Aussage in ihrer Klarheit und Unmissverständlichkeit Eindruck hinterlässt. Dabei sagt er nichts, was den Beobachter der Kulturszene in Pandemie-Zeiten noch groß in Erstaunen versetzen würde, weil das, was er sagt, oft genug gehört und gelesen ist.

aww – Kreuztal-Kultur stellt eine prallvolle Spielzeit vor. Doch es gibt viele Wenn und Aber. Kulturamts-Chef Holger Glasmachers: „Kommt eine zweite Welle, werden wir vermutlich alles eintüten können.“

aww Kreuztal. Während viele Aussagen bei der traditionellen jährlichen Pressekonferenz zur Programmvorstellung von Kreuztal-Kultur am Freitag mit einem hohen Unsicherheitsfaktor versehen sind, trifft Holger Glasmachers am Schluss eine Feststellung, deren Aussage in ihrer Klarheit und Unmissverständlichkeit Eindruck hinterlässt. Dabei sagt er nichts, was den Beobachter der Kulturszene in Pandemie-Zeiten noch groß in Erstaunen versetzen würde, weil das, was er sagt, oft genug gehört und gelesen ist. Doch aus dem Mund eines lokalen, heimischen Kulturamts-Chefs, der von Berufs wegen normalerweise die positiven Aspekte seines Metiers „verkauft“, wirkt es dann doch noch mal eine Spur dramatischer: „Der Branche steht das Wasser bis zum Hals, das muss man ganz klar sagen.“

Spielzeit „nicht ganz vorhersehbar“

Dennoch ist den Machern und Verantwortlichen von Kreuztal-Kultur daran gelegen, Optimismus zu verbreiten, wie Bürgermeister Walter Kiß deutlich macht – wenn ihnen auch bewusst sei, dass das jetzt geplante Programm für die Spielzeit 2020/2021 „den Idealfall darstellt“; dass sicher noch die eine oder andere Veranstaltung den Verhältnissen entsprechend verändert und der dynamischen Entwicklung der Pandemie angepasst werden muss – am Ende vielleicht sogar abgesagt werden muss. Aber, so Kiß mit Verweis darauf, wie sehr die Kulturbranche unter der Krise gelitten habe und weiter leidet: „Es muss irgendwie weitergehen!“ Auch wenn die Spielzeit über ihre lange Dauer (September 2020 bis April 2021) mit Unwägbarkeiten verbunden und „nicht ganz vorhersehbar“ sei.
„Corona und der Konjunktiv“ liest der Kulturfreund folgerichtig als Vorwort-Überschrift im neuen Programmheft, das übrigens trotz Pandemie keineswegs dünner erscheint als sonst (und dieses Jahr erstmals klimaneutral produziert wurde). Die 31. Spielzeit bietet 37 (bzw. 38) Eigenveranstaltungen von Kreuztal-Kultur an – und damit mehr als zunächst gedacht. Ursprünglich hatte Glasmachers in der ersten kompletten Spielzeit ohne Stadthalle lediglich 32 Termine geplant – im Hinblick auf die Vorbereitung zur übernächsten Saison mit der Eröffnung des Bürgerforums in der umgestalteten Stadthalle. Da aber coronabedingt in diesem Frühjahr sechs Veranstaltungen abgesagt werden mussten, von denen fünf auf die nun bevorstehende Spielzeit verschoben werden konnten, ist das Programm unbeabsichtigt wieder angeschwollen.

Mut und Verantwortungsbewusstsein gefordert

Auf die „etwas abgehackte“ zurückliegende Spielzeit ohne den angestammten (und größten) Veranstaltungssaal schaut Glasmachers mit großer Genugtuung: Mit gut 8500 Besuchern bei 28 durchgeführten Veranstaltungen (von 34 geplanten) und einem Schnitt von 305 Gästen sind die Kreuztaler Kulturmacher auch mit Blick auf die verringerten Publikumskapazitäten „hochzufrieden“. Die Zuschauer hätten die veränderte Situation mit den Ausweichspielorten angenommen.
Nun steht also die nächste Spielzeit bevor, die eine sein wird, die Mut, großes Verantwortungsbewusstsein, eine Menge Organisationstalent und sicherlich auch ein Quäntchen Glück erfordern wird. In seiner Funktion als Vorsitzender des Kulturrings Siegerland-Wittgenstein, so Glasmachers, habe er mit vielen Kollegen gesprochen. Und kam zu dem Schluss: „Jeder ist mutterseelenallein mit der Entscheidung“, ob er ein Programm auf die Beine stellt oder nicht. „Oder mache ich ein Notprogramm? Für wen mache ich das Programm? Werden die Menschen kommen?“ Fragen über Fragen.

Infektionen wären „verbrannte Erde“

In Kreuztal hat man sich für das volle Programm entschieden. Ziel sei, den Leuten „ein Stück Normalität und etwas Vertrautes zurückzugeben, aber“, und das betont Glasmachers mit viel Nachdruck, „unter strengster Beachtung der Corona-Schutzverordnung“. Angesichts der in der NRW-Verordnung definierten „besonderen Rückverfolgbarkeit“ sei der Mindestabstand (rechtlich) sogar verzichtbar, da alle Kontakte genau verfolgbar seien. Die Kreuztaler jedenfalls planen derzeit damit, den Mindestabstand nach vorne und hinten einzuhalten, nicht aber zur Seite.
Risiken will indes niemand eingehen, ein Corona-Hotspot mit dem Stempel „Kreuztal-Kultur“ wäre eine Katastrophe. „Wenn ein Infizierter nach Hause geht, dann ist das verbrannte Erde“, sagt Glasmachers. „Das darf nicht passieren.“ Deshalb sind die gesetzlichen Vorgaben für Walter Kiß auch nur das „Mindestmaß“, an das sich in Kreuztal gehalten werden soll. „Wenn wir ein schlechtes Gefühl haben“, sagt der Bürgermeister mit Blick auf einzelne Veranstaltungen, „dann machen wir das nicht – oder wir gehen über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus.“

Kein Risiko für Ticketkäufer

Dennoch bleiben viele Wenn und Aber und Vielleicht. Glasmachers weiß: Das Publikum müsse hochflexibel bleiben – „wie wir auch“. Bei Veranstaltungen, deren Vorverkauf bereits im vergangenen Herbst startete und bei denen schon viele Karten abgesetzt wurden, wie im Falle von Herbert Knebels Affentheater, stehe jetzt schon fest: „Wenn nicht weitere Lockerungen kommen, werden wir das so nicht durchführen können.“ Alle neuen Veranstaltungen, für die der Ticketabsatz gerade angelaufen ist, „verkaufen wir sehr defensiv, um variabel zu bleiben“. Manche Angebote wären bei den derzeit gültigen Beschränkungen auch aus rein wirtschaftlicher Sicht nicht durchführbar.
Ticketkäufer gehen nach den Worten von Glasmachers keinerlei Risiko ein – bis hin zur kompletten Kaufpreiserstattung gibt es diverse Optionen bei der Verlegung oder schlimmstenfalls Absage einer Veranstaltung. Und was ist im Angebot? Nun, selbstredend die Programmfarben, die Kreuztal-Kultur schon seit vielen Jahren ein scharfes Profil geben. Hier einige Schlaglichter: Siebenmal gibt es Comedy (u. a. Pawel Popolski, Maxi Gstettenbauer, René Steinberg, Konrad Stöckel …), sechsmal Kabarett (Martina Schwarzmann, Christian Ehring, Horst Schroth, Jürgen Becker, Hagen Rether …), 14 Konzerte (darunter die von der SZ präsentierten mit Rebekka Bakken, Werner Schmidbauer und Peirani & Parisien) und vieles mehr. Eine weitere Veranstaltung, die 38., ist noch nach Drucklegung des Programmheftes dazugekommen, wie Glasmachers mitteilte: Konstantin Wecker gastiert mit der Lesung „Aus dem schrecklich schönen Leben“ am 3. März 2021 im Eichener Hamer. Alle Veranstaltungen im Überblick gibt es unter www.kreuztal-kultur.de.
Auf eine ausführliche Programmvorstellung soll angesichts der immer noch herrschenden Pandemie-Lage an dieser Stelle verzichtet werden. Denn, so Glasmachers: „Kommt eine zweite Welle, werden wir vermutlich alles eintüten können.“

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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