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Vera Becker öffnet im Kunstsommer ihr Atelier
Schichten und Schauen: „haptische“ Arbeiten

Vera Becker lädt ins offene Atelier ein. Sie zeigt Bilder mit komplex erarbeiteten Schichtungen und aufwendigen Materialeinsätzen.
  • Vera Becker lädt ins offene Atelier ein. Sie zeigt Bilder mit komplex erarbeiteten Schichtungen und aufwendigen Materialeinsätzen.
  • Foto: Peter Barden
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pebe Kreuztal. Der Blick kann, was die Hände aus Respekt vor den Bildern nicht tun: Er tastet über die Oberfläche der Bilder, die oft geradezu filigran scheinen, ganz gleich, wie kräftig oder fein ihre Oberflächen gearbeitet sind. Eine Dynamik wird beim Anschauen spürbar, in der Geduld, Materialkenntnis und Handwerk eine Einheit mit den Fragen eingehen, die Vera Becker, Künstlerin aus Kreuztal, an ihre Bilder stellt. An diesem Wochenende lädt sie im Rahmen des Kunstsommers zum offenen Atelier ein.
Die Frage nach dem, was geschieht, „webt“ Vera Becker ihren aufwendig hergestellten Bildern in vielen Schichten ein.

pebe Kreuztal. Der Blick kann, was die Hände aus Respekt vor den Bildern nicht tun: Er tastet über die Oberfläche der Bilder, die oft geradezu filigran scheinen, ganz gleich, wie kräftig oder fein ihre Oberflächen gearbeitet sind. Eine Dynamik wird beim Anschauen spürbar, in der Geduld, Materialkenntnis und Handwerk eine Einheit mit den Fragen eingehen, die Vera Becker, Künstlerin aus Kreuztal, an ihre Bilder stellt. An diesem Wochenende lädt sie im Rahmen des Kunstsommers zum offenen Atelier ein.
Die Frage nach dem, was geschieht, „webt“ Vera Becker ihren aufwendig hergestellten Bildern in vielen Schichten ein. Nach Arbeiten mit Acryl und Öl sei sie eher zufällig aufs Lasieren gestoßen und habe die Arbeit mit Pigmenten und Gesteinsmehlen kennen gelernt, skizziert sie im Gespräch mit der SZ, wie sie zu ihrer heutigen Bildsprache gekommen ist. Seit etwa sechs Jahren arbeite sie zudem mit der traditionellen Maulbeerseide, aber auch der Eri-Seide, für die die Seidenraupen weiterleben dürfen, deren Kokon erst genutzt wird, wenn aus der Raupe ein Schmetterling geworden ist.

"Bildaufbau" ist wörtlich zu nehmen

Der Begriff des „Bildaufbaus“ ist in Beckers Bildern ganz wörtlich zu nehmen. Schicht um Schicht legt sie auf die Leinwand, kippt mit Acrylbinder angerührte Pigmente darüber, verteilt sie – bis zu 50 Schichten können es sein, in die sie Naturmaterialien einarbeitet, Gräser, aber auch Stoffstücke oder Ähnliches – und lässt geschehen: „Beim Trocknen suchen sich die Pigmente ihren Ort“, erklärt die Künstlerin. Dazu kommt ihre besondere Technik, einzelne Schichten mit Wachs zu arbeiten.

„Fett hat seine eigene Macht und Präsenz“,

meint sie nachdenklich.
Die Materialien begegnen sich und arbeiten. Den Impuls setzt Vera Becker, aber die Begegnung beobachtet sie. „Was haben die Dinge gemacht? Und wie komme ich damit klar? Denn die chemischen Prozesse, die dabei entstehen, die kann ich nicht steuern.“ Ihre Materialpalette ist vielfältig, es kommen neben Gesteinsmehlen auch Quarzmehl, Goldschwefel, Grünspan, Gold, Flammruß, Bernstein oder Schellack zum Einsatz. So hat das kleine, neugierig machende Atelier der Künstlerin auch etwas von einem modernen alchemistischen Labor.

Fragen, Beobachtung und handwerkliches Arbeiten

Die prozessbegleitenden Fragen erfordern Geduld, Beobachtung, Wissen und ein Gefühl fürs Eingreifen. Und Eingreifen heißt: handwerklich arbeiten. „Das ist wichtig“, nickt sie. „Ich mag diesen Einsatz.“ Zugleich sehe sie ihre Bilder auch als skulpturale Arbeiten, denn auch wenn die Schichten dünn, die Materialien fein sind, hebt sich das Bild doch Schicht für Schicht in den Raum. Die Lagen stellen Verbindungen zu Prozessen des Sammelns und Bewahrens her – manchmal ans Hermetische reichend, kaum rational ausdeutbar, aber intuitiv erfassbar. Diesen Prozessen nähert sich Becker neu, indem sie Schichten schmirgelt, anlöst, einritzt und damit in in ihrer Struktur aufbricht, verändert, verletzt – eine „Vertiefung“ der Arbeit.

Dem Material ausgeliefert sein

Dabei erlebt die Künstlerin sich immer wieder als dem Material ausgeliefert. Das führe zu einer gewissen Form der Demut und sei eng verbunden mit elementaren Erlebnissen wie Freude oder Trauer. So habe sie sich in der letzten Zeit stark mit Endlichkeit und Vergänglichkeit auseinandergesetzt, berichtet sie.
„Meine größte Freiheit liegt darin, mit einer leeren Leinwand einfach loszulegen“, erklärt sie. Aber bedingt durch die jeweiligen Anfänge, sage ihr der Bildkörper förmlich, wohin er wolle.

„Irgendwann kommt dann der Zweifel: Ist es gut, weiterzumachen?“

Da verwundert es nicht, dass sie auch mit alten, bereits benutzen Leinwänden arbeitet, wie sie erzählt. Mit solchen Impulsen greift sie radikal in die nur scheinbar abgeschlossenen künstlerischen Prozesse ein, definiert sie erneut als „nicht beendet“ und führt sie ins Unbekannte weiter.

Bildtitel als Wahrnehmungsanker

Alle Arbeiten haben Namen als Wahrnehmungsanker, z. B. „Beginn“, „Mann und Frau“, „Anno 2020“, oder die zwölfteilige, äußerst eigenwillige Serie „Black Forest“. So subjektiv wie die Namen sind auch die Arbeiten, das ist unbezweifelbar. Sie brauchen Ruhe zum Betrachten und Wahrnehmen, aber dabei entsteht eine eigene Bildbeziehung. Ob „die Chemie stimmt“, ob es Resonanzen, Interferenzen zwischen den Bildern, den Betrachtenden und deren Fragen gibt, kann sich nur in der reflektierenden Auseinandersetzung ergeben. Aber genau diese Herausforderung für Augen und Kopf lohnt sich.
Vera Becker, Offenes Atelier,
Kreuztal, Grabenstr. 2a,
Sa. u. So., 17. und 18. Juli, 10 bis 18 Uhr.

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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