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Kunst von Kai Gieseler im Kulturbahnhof Kreuztal
"Wo die Ferne planlos ist"

Kai Gieseler zeigt im Kulturbahnhof Kreuztal ihre Arbeit „Wo die Ferne planlos ist“. Ihre wie Malerei anmutenden kleinformatigen Fotografien mit Details aus Wandertafeln ergeben in der Reihung einen neuen Weg, den der Betrachter gut mit den Augen abgehen kann.
  • Kai Gieseler zeigt im Kulturbahnhof Kreuztal ihre Arbeit „Wo die Ferne planlos ist“. Ihre wie Malerei anmutenden kleinformatigen Fotografien mit Details aus Wandertafeln ergeben in der Reihung einen neuen Weg, den der Betrachter gut mit den Augen abgehen kann.
  • Foto: Alexander Kiß
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

zel Kreuztal. „Wo sind wir?“, fragen sich oft Landschafts- oder Stadtwanderer, und dann tippt jemand aus der Reisegruppe auf die aufgestellte Wanderkarte oder den Stadtplan und sagt: „Wir sind hier.“ Vom vielen Drauftippen ist der Punkt nicht mehr rot, die Farbe verschwindet – und damit auch das, was mal eine Sicherheit war: „Sie sind hier“, „you are here“, „vous êtes ici“.
Diese ehemalige sichere Verortung, den verschwundenen Standpunkt auf einer Wanderkarte, hat Kai Gieseler zum Ausgangspunkt für ihre Kunst gemacht – auch wenn er unauffällig und leicht zu übersehen ist (links oben!). „Wo die Ferne planlos ist“ heißt ihre Ausstellung, die an diesem Mittwochabend um 19 Uhr im Kulturbahnhof Kreuztal eröffnet wird und bis zum 3. Januar 2020 läuft.

zel Kreuztal. „Wo sind wir?“, fragen sich oft Landschafts- oder Stadtwanderer, und dann tippt jemand aus der Reisegruppe auf die aufgestellte Wanderkarte oder den Stadtplan und sagt: „Wir sind hier.“ Vom vielen Drauftippen ist der Punkt nicht mehr rot, die Farbe verschwindet – und damit auch das, was mal eine Sicherheit war: „Sie sind hier“, „you are here“, „vous êtes ici“.
Diese ehemalige sichere Verortung, den verschwundenen Standpunkt auf einer Wanderkarte, hat Kai Gieseler zum Ausgangspunkt für ihre Kunst gemacht – auch wenn er unauffällig und leicht zu übersehen ist (links oben!). „Wo die Ferne planlos ist“ heißt ihre Ausstellung, die an diesem Mittwochabend um 19 Uhr im Kulturbahnhof Kreuztal eröffnet wird und bis zum 3. Januar 2020 läuft.

Ulrich Langenbach hat Gieseler importiert

Es ist der 46. Szenenwechsel im Kulturbahnhof und Kai Gieselers erstes Mal dort. Der Künstler Ulrich Langenbach, der im gleichen Gebäude sein Atelier hat und zum sechsköpfigen Kuratorenteam für die Kunstausstellungen in dem langen Schaufenster gehört, hat die Künstlerin bei ihrer Ausstellung „Stumme Narrative II“ im Milchhof in Geisweid entdeckt und nach Kreuztal importiert, weil er so fasziniert war von Gieselers Abschlussarbeit über die Künstlerpersönlichkeit Ulrich Bossmann.

Geschichte fällt herab

Wir nutzen "artifizielle Krücken" zur Orientierung

Zurück zum Standpunkt. Wie komme ich da hin, wo ich hin will? Der Weg auf der Karte und der reale Weg sind miteinander in Einklang zu bringen, 2-D muss 3-D werden. Kai Gieseler hat erfahren, dass wir heutzutage verlernt hätten, uns an Himmelsrichtungen, Sonne oder höheren Gebäuden zu orientieren. Stattdessen verlassen wir uns auf „artifizielle Krücken“ wie Pläne, Karten, Navis oder Apps – und wenn die versagen, die Landschaft im Nebel liegt, sind wir verloren, verirrt, verwirrt. Und gerade darin sieht die 1971 geborene, in Freudenberg lebende Künstlerin eine Chance: einfach mal losgehen, planlos, sich der „Poesie der Desorientierung“ zu überlassen – „das machen wir viel zu selten“.

Mitglied der Gruppe 3/55 hat neuen Weg gefunden

Kai Gieseler, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kunstpädagogik an der Uni Siegen und Mitglied der Künstlergruppe 3/55, ist viel gewandert. Sie hat Hinweistafeln fotografiert, 20 an der Zahl. Diese Fotografien hat sie sich im Computer angeschaut, hat Ausschnitte ausgewählt und rangezoomt. So sind 80 kleinformatige Bilder entstanden, die wie Malerei wirken, aber Fotografie sind. Eine Auswahl hat Kai Gieseler erst vor Ort getroffen – und festgestellt: „Es ist wieder ein Weg entstanden.“

Formen, Linien oder Farben auf den unscharfen Bildern korrespondieren miteinander, eins geht meist sinnvoll ins andere über. Es ist ein Weg, keine Landschaft, denn es gibt kein Auf und Ab. Die Fotografien hängen oben schnurgerade horizontal, nur nach unten bringen Hoch- und Querformate in der Reihung Bewegung ins Spiel. Die Bildergeschichte auf Augenhöhe lädt ein zum Augenwandern, in aller Ruhe. Ein Text zum Konzept wird angeboten, die Nutzung freigestellt. Die Kunst wirkt auch für sich allein. Hier könnte man das Verlorengehen auf sicherem Terrain schon mal üben.

Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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