SZ

Umweltservice Lindenschmidt führt Sechs-Augen-Prinzip ein
1000 Liter Säure landen in falschem Tank

Menschliches Versagen ist die Ursache für einen mehrstündigen Feuerwehreinsatz mit 100 Einsatzkräften, bei dem niemand zu Schaden gekommen ist.
  • Menschliches Versagen ist die Ursache für einen mehrstündigen Feuerwehreinsatz mit 100 Einsatzkräften, bei dem niemand zu Schaden gekommen ist.
  • Foto: bjö
  • hochgeladen von Marc Thomas

bjö Krombach. Das Befüllen eines bereits Säure enthaltenden Tanks mit zu hoch konzentrierter Beize war die Ursache für den Störfall, bei dem am Dienstagabend in Krombach eine Wolke mit nitrosen Gasen (giftige Stickoxide) über dem Gelände der Firma Umweltservice Lindenschmidt aufstieg (die SZ berichtete). Nach Aussagen des Geschäftsleiters Christoph Lindenschmidt habe ein Mitarbeiter 1000 Liter der Säure aus einem IBC-Behälter fälschlicherweise in einen großen, fest installierten Tank befüllt, in dem sich anschließend eine heftige chemische Reaktion vollzog.

bjö Krombach. Das Befüllen eines bereits Säure enthaltenden Tanks mit zu hoch konzentrierter Beize war die Ursache für den Störfall, bei dem am Dienstagabend in Krombach eine Wolke mit nitrosen Gasen (giftige Stickoxide) über dem Gelände der Firma Umweltservice Lindenschmidt aufstieg (die SZ berichtete). Nach Aussagen des Geschäftsleiters Christoph Lindenschmidt habe ein Mitarbeiter 1000 Liter der Säure aus einem IBC-Behälter fälschlicherweise in einen großen, fest installierten Tank befüllt, in dem sich anschließend eine heftige chemische Reaktion vollzog.

Dass die Beize zuvor hätte verdünnt werden müssen, „ist nicht richtig erkannt worden“, umschrieb Lindenschmidt den Augenblick des menschlichen Versagens als Ursache für einen mehrstündigen Feuerwehreinsatz mit 100 Einsatzkräften, bei dem aber glücklicherweise niemand zu Schaden gekommen ist.

"Eigentlich sind unsere Schutzvorkehrungen,
besonders durch die Zusammenarbeit mit den Behörden,
besser geworden und nicht schlechter."

Christoph Lindenschmidt
zu den immer wieder notwendigen
Großeinsätzen der Feuerwehr

Der Betrieb im Unternehmen sei seit dem Störfall gegen 18.45 Uhr am Dienstagabend bis Mittwochmittag mehr oder weniger lahmgelegt gewesen – letztlich auch durch Aufräumarbeiten und eine umfassende Ursachenforschung. Eine Fehlbefüllung durch mangelnde Aufmerksamkeit möchte der Entsorgungsbetrieb nach dem jüngsten Vorfall noch strikter vermeiden: „Wir haben schon wieder Schlüsse daraus gezogen und Prozesse angepasst, um auch diese Eventualität zu vermeiden“, so Christoph Lindenschmidt.

Sechs-Augen-Prinzip langfristig mehr Aufwand

Konkret: Fortan soll erst nach Freigabe durch den Abteilungsleiter eine solche Entleerung angelieferter Behältnisse mit Abfällen erfolgen – so gelte fortan das Sechs-Augen-Prinzip mit drei Personen statt bisher zwei. „Die Konsequenz, die wir daraus ziehen, bedeutet für uns natürlich auch langfristig mehr Aufwand“, stellt Christoph Lindenschmidt klar.

Eine große Herausforderung im Umgang mit zu entsorgenden Abfallstoffen sei die Tatsache, dass Abfälle eben keiner Qualitätsnorm unterlägen und die Zusammensetzung angelieferter Stoffe so unterschiedlich sein könne wie bei der Restmülltonne zu Hause – allerdings mit deutlich höherem Gefahrenpotenzial. Eben deshalb praktiziere das Unternehmen „jede Menge Sicherheitsvorkehrungen, falls mal was durch das Netz hindurch schlüpft“.

Investition in Abluftanlagen der Infrastruktur

Dazu gehört auch die sogenannte „Eingangsbeprobung“ der Abfallstoffe, die im betriebseigenen Labor ausgewertet wird. Viel investiert habe die Firma zudem in Abluftanlagen der Infrastruktur, von der ein großer Teil nun auch „eingehaust“ und damit nochmals sicherer geworden sei.

Anders als am Dienstagabend waren in der Vergangenheit „Fehlwürfe“ für ähnliche Störfälle bei Lindenschmidts verantwortlich: Dabei handelte es sich also um vom Kunden nicht ordnungsgemäß deklarierte Abfälle, die bei der Entsorgung eine ungewollte Durchmischung verschiedener Stoffe zur Folge hatten. Selbst bei einer engmaschigen Beprobung lasse sich solch ein Fehlwurf leider nicht zu 100 Prozent ausschließen. Dass gerade in den letzten Jahren mehrere Großeinsätze der Feuerwehr auf dem Gelände von Umweltservice Lindenschmidt wegen ähnlicher Störfälle stattfinden mussten, macht auch Christoph Lindenschmidt nachdenklich: „Eigentlich sind unsere Schutzvorkehrungen, besonders durch die Zusammenarbeit mit den Behörden, besser geworden und nicht schlechter. Von daher fällt es uns wirklich schwer zu erkennen, wo der Unterschied herkommt. Es kann nicht einfach nur Pech sein, wir müssen verstärkt nach Ursachen suchen.“

Autor:

Björn Hadem aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen