125 Jahre Genossenschaftsgeschichte

Volksbank Littfeld feierte Jubiläum / Heimatverein empfing Spende / Zahlreiche Jubilare

sib Krombach. Geprägt von ruhiger und freudiger Rückschau war die Generalversammlung der Volksbank Littfeld, zu der sie in ihrem 125. Bestehensjahr in die Krombachhalle eingeladen hatte. Nach den Stürmen der Vergangenheit ließ der Bericht des Vorstandsmitgliedes Dietmar Kuschel erkennen, dass das Jahr 2001 für die Bank und ihre Mitglieder ohne einschneidende Vorkommnisse verlaufen ist, sieht man von der Einführung des Euro zu Jahresbeginn, der in Littfeld reibungslos verlief, einmal ab.

In seinem Bericht ging Kuschel auf die »Fusionsgläubigkeit« nicht nur im Bankgewerbe ein – ein Schritt, der sich keineswegs immer als Allheilmittel herausgestellt habe und der vor nicht allzu langer Zeit auch für das Littfelder Kreditinstitut in der Diskussion war (wir berichteten). »Aber: Größere Einheiten verursachen auch größere Schäden bei Pleiten«, stellte Kuschel klar. Der Erfolg der Volksbank zeigt sich beispielsweise an einer für 2001 um 2,2 Prozent auf 66263639DM gestiegenen Bilanzsumme. Die deutlich höheren Barreserven am Jahresschluss hatten vor allem mit der DM-Euro-Umstellung zu tun. In Zeiten großer Verunsicherung bei den Kunden sind deren Einlagen um 4,3 Prozent im Vergleich zu 2000 gestiegen. Einen deutlichen Zuwachs (satte 9,3 Prozent) gibt es auch im Kreditgeschäft. Die Risiken in diesem Bereich konnten durch Wertberichtigungen weitestgehend abgeschirmt werden, hieß es.

Als unbefriedigend bezeichnete Kuschel dennoch die Ertragslage, die natürlich wichtig für die Vorsorge sei, aufgrund hoher Personal- und Sachkosten. Diese Tendenz werde auch 2002 noch spürbar sein. Generell müsse für die Zukunft von einer niedrigeren Dividendenausschüttung ausgegangen werden. Diese wurde für 2001 von der Versammlung mit sechs statt wie bisher acht Prozent verabschiedet. Ausnahmsweise gibt es im Jubiläumsjahr einen einmaligen Bonus von zwei Prozent. Eine »Bonus« gab es auch für den Heimatverein Littfeld-Burgholdinghausen, dessen Vorsitzender Bruno Steuber von den Vorstandsmitgliedern Dietmar Kuschel und Ulrich Wendt einen Scheck über 2500e entgegennehmen konnte. Mit Wohlwollen verfolge die Bank die Aktivitäten des Heimatvereins, besonders dessen Engagement für den Bürgertreff Kapellenschule. Deshalb sei das Geld hier in der Nachbarschaft wohl investiert. Auf die gute Nachbarschaft und den genossenschaftlichen Gedanken zielte auch die Festrede von Prof. Dr. Rainer Elkar ab. Der Historiker äußerte sich humorvoll, kurzweilig und genau beobachtend zum Thema »Die Nachbarschaft der Bank – Gedanken über 125 Jahre Genossenschaftsgeschichte im nördlichen Siegerland«. Als bekennender »Genosse«, also Anteilseigner einer Genossenschaftsbank, setzte sich Elkar mit der historischen Herkunft und der Bedeutung des genossenschaftlichen Gedankens sowie der Nachbarschaftshilfe auseinander, entspringend aus der gegenseitigen Hilfe mit dem Hintergrund des Selbstschutzes. Eigennutz, aus vernünftigen Gründen sinnvoll eingesetzt, führe zum Gemeinnutz, frei nach Adam Smith. Auch Genossenschaftsbanken seien sicher keine mildtätigen Einrichtungen, würden aber immer mit und für Menschen arbeiten, die hoffen, ihre kleinen und mittleren Einkommen durch Einlage zu sichern und zu mehren. Vor diesem Hintergrund sei auch die Volksbank in Littfeld zu sehen. »Wer über die kleine Brücke zur Bank geht, betritt sicher keine Seufzerbrücke, sondern wählt den Weg zum Nachbarn, wo klare, vernünftige Worte gesprochen werden«, schloss der Historiker. Auch im Jubiläumsjahr wurden zahlreiche Ehrungen vorgenommen. Für 50 Jahre Mitgliedschaft wurden Wilhelmine Reis und Adalbert Junk geehrt. Auszeichnungen für 40-jährige Mitgliedschaft gingen an Manfred Hoffmann, Hans Freise, Günter Welzel, Lothar Haas, Günter Kruse, Walter Gruchalski, Helene Rohsmanith, Eduard Jana, Grete Jochum, Ernst Holdinghausen, Jürgen Hohberger, Fritz Langenbach, Johann Lenz, Eberhard Schreiber, Herbert Gattwinkel und Hermann Schumacher. Ein Genossenschaftsmitglied schenkte der Bank ein altes »Dorfkassen«-Schild, das vermutlich noch aus der Zeit vor der Gründung der Volksbank stammt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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