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Hainchensiedlung Fellinghausen feierte Jubiläum / Siedler der ersten Stunde geehrt

alex Fellinghausen. Sehr feucht, aber trotzdem fröhlich startete am frühen Samstagabend das Straßenfest der Anwohner der Waldheimstraße in Fellinghausen. Öffnete doch der Himmel seine Schleusen und sorgte zum Festauftakt mit Musik und Tanz auf dem Gelände der Waldheimhütte für kräftigen Regen. Zwei Tage lang feierte man das Goldjubiläum der Hainchensiedlung, denn am Sonntagmorgen setzten sich die Festlichkeiten mit einem Frühschoppen fort, bevor die letzten 18 noch lebenden Siedler der ersten Stunde feierlich geehrt wurden.

Dabei überreichte der Vorsitzende des Siedler-Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein, Rainer Schmidt als Vertreter des Deutschen Siedlerbundes, jedem Jubilaren eine Urkunde nebst Ehrennadel. Kreuztals stellv. Bürgermeisterin Elfrun Bernshausen wohnte ebenfalls den Feierlichkeiten bei, um jedem der rüstigen Jubilare persönlich zu gratulieren.

Das Straßenfest wurde, wie in den Jahren zuvor, von den Anwohnern in Eigenregie organisiert und mit viel Engagement durchgeführt. Jedoch bildete man ob des besonderen Anlasses dieses Mal eigens einen Festausschuss. Auch die Kleinen wurden bei der Planung bedacht. Eine Kinderrallye, Torwandschießen und andere Kinderbelustigungen ließen keine Langeweile aufkommen.

Der erste Spatenstich zum Bau der Hainchensiedlung erfolgte am 25. Mai 1954. Knappe zwei Jahre brauchte es, bis die 39 Ein- und acht Zweifamilienhäuser für die 55 Siedler fertiggestellt wurden. Unterstützt wurde der Bau damals von der Westfälischen Wohnungsbaugesellschaft und der Hüttenwerke Siegerland (heute ThyssenKrupp Stahl AG). Die Häuser selbst waren für Angehörige des Werkes Eichen bestimmt, die gemeinsam die Häuser bauten. Nach Feierabend, im Anschluss an ihre teils schwere Arbeit in den Stahlwerken.

Da der Bau so vieler Häusern auch organisatorische Aufgaben aufwarf, musste jeder Siedler die von den Hüttenwerken aufgestellte Siedlerordnung anerkennen. Damit schlossen sie sich der Selbsthilfesiedlung Fellinghausen an, »um in gemeinschaftlicher Selbsthilfe mit den anderen Mitgliedern Kleinsiedlerstellen zu erbauen, und einander bis zur Fertigstellung der letzten Siedlerstelle nicht zu verlassen«. Diesem Gedanken der Gemeinnützigkeit und Selbsthilfe habe sich der Deutsche Siedlerbund, der bundesweit 330000 Mitgliedschaften zählt, bis heute verschrieben, erläuterte Rainer Schmidt. Die Arbeitsordnung schloss auch die Familie mit ein. Arbeitsfähige Söhne sollten vom Vater angehalten werden mitzuarbeiten. Ebenso wurde »Frauenarbeit« befürwortet, wenn die Siedler dafür eintraten.

Gearbeitet wurde laut Satzung an vier Tagen in der Woche wenigstens vier Stunden lang. Die Siedler mussten sich auch bereithalten länger zu arbeiten, bis das gesteckte Tagesziel erreicht war, solange die Berufsarbeit nicht darunter litt. Tatsächlich war die Arbeit hart und zeitintensiv. Zum Beispiel wurden die Arbeiten des Ausschachtens zum größten Teil von Hand ausgeführt.

Wer letztendlich welches Haus bezog, wusste kein Siedler im Vorhinein. Jeder Arbeiter war an verschiedenen Gebäuden tätig, um sicherzustellen, dass die Bauqualität bei allen Häusern gleich war. Erst nach Fertigstellung der Rohbauten erfolgte die Zuteilung über die geleisteten Arbeitsstunden, über die akribisch Buch geführt wurde. So durfte der Siedler mit den meisten Arbeitsstunden als erster sein neues Heim wählen.

Übrigens ging das bewohnte Haus erst nach drei Jahren der »Bewährung« vertraglich ins Eigentum des Siedlers über. Der Kaufpreis betrug damals 30000 DM. Zusätzlich wurde die erbrachte Eigenleistung abgezogen, die mit 1 DM pro Arbeitsstunde vergütet wurde.

Nach der Fertigstellung der Siedlung urteilte die Werkszeitung der Eichener Stahlwerke: »Sie (die Häuser) sind ein Zeichen der Selbsthilfe, ein Beitrag zur Lösung des Wohnraumproblems. Zugleich aber verwirklichen sie auch den Wunsch eines jeden schaffenden Menschen nach dem eigenen Heim.«

Ein Bild der damaligen Situation konnte man sich unter anderem durch die auf dem Fest ausgestellten Stundenbücher machen. Oder man fragte einfach einen der anwesenden 18 Jubilare, wie die 88-jährige Charlotte Menzler, die die älteste noch lebende Siedlerin ist und bis dato in der Waldheimstraße wohnt, denn auch nach der Ehrung wurde kräftig weitergefeiert. Diesmal aber bei strahlendem Sonnenschein und sommerlicher Hitze, bei der sich so mancher den Regen vom Vortag zurück wünschte.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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