Auf der Suche nach dem verlorenen See

Siegerländer Biker begaben sich auf eine abenteuerliche Tour in Tunesien / Ein Unfall und unwegsames Gelände erschwerten Weiterkommen

sz Krombach. Erst im Jahre 2000 entdeckten Nomaden inmitten der riesigen Sanddünen des Grand Erg Orientale den roten See Richet Huaret. Fernab der Touristen- und Rallyerouten ist das tunesische Gewässer in einer einzigartigen Landschaft aus hohen Dünen und faszinierenden Felsformationen eingeschlossen. Den See zu erreichen war das Ziel einer Siegerländer Expedition rund um den Krombacher Motorradhändler und »Wüstenfuchs« Jörg Sturm sowie den Cheforganisator Frank Höfer. Zwei Wochen Zeit hatten sie für die Reise nach Nordafrika, und die hatten es in sich.

Nach ausführlichen Recherchen und Kontakten zu erfahrenen Wüstenfahrern planten die Siegerländer mögliche Routen, werteten Satellitenbilder aus und übertrugen diese in die mitgeführten GPS- Geräte. Als all diese Vorarbeiten erledigt waren, konnte es losgehen. Der Trupp startete mit einem geländegängigen Berliet-Lkw, auf dem Motorräder, Ersatzteile, Benzin- und Wasserkanister Platz fanden. In Douz trafen dann die per Flugzeug nachgereisten Siegerländer Teilnehmer ein, um sich mit der Wüste vertraut zu machen. Touren durch Dünenfelder und über Pisten waren ein gutes Training für die anstehende Expedition.

Erstes Ziel war die Oase Ksar Ghilane. »Hier wurden die Motorräder überholt und die Vorbereitungen für den härtesten Teil der Tour getroffen«, heißt es in einer Mitteilung. Schlechtes Wetter mit Regenfällen und ungewöhnlicher Kälte verzögerten die Weiterfahrt. Bereits am zweiten Tag kam es zu einem folgenschweren Unfall: Dirk Höfer übersah einen Graben und sprang mit seinem Motorrad hinein. Durch den harten Aufprall brach er sich ein Bein und einen Fuß. Für ihn war die Reise sofort beendet. Nachdem er im 80 Kilometer entfernten Douz ärztlich versorgt worden war, musste er in die Heimat ausgeflogen werden.

Nach einem weiteren Tag in Ksar Ghilane wurde die Tour fortgesetzt. Über die Pipeline-Piste ging es weiter in Richtung Süden. »Die Pisten waren ausgefahren und von wellblechartigen Querrillen überzogen. Im Lkw rissen durch die Erschütterungen alle eingebauten Schränke aus ihren Verankerungen, und auch die Motorräder wurden aufs Äußerste gefordert. Reifenpannen und durch Vibrationen gelockerte Schrauben kosteten wertvolle Zeit«, berichten die Motorradfahrer.

In Karuna fuhr der Siegerländer Treck in ein militärisches Sperrgebiet an der Grenze zu Algerien ein. Nun galt es, möglichst nah an den roten See heranzukommen. Durch weite karge Landschaften, durch Dünenfelder und vom Wind geformte Berge arbeiteten sich die abenteuerlustigen Siegerländer in Richtung See voran. »Dabei konnte uns selbst die in der Wüste schlagartig einsetzende Dunkelheit nicht stoppen«, erinnern sich die Motorradfahrer. »Rund 26 Kilometer vor dem See schlugen wir dann aber doch unser Lager auf.«

Am nächsten Morgen wurden schnell alle Vorbereitungen getroffen, die Tanks und Wasserrucksäcke gefüllt und eine Lebensmittelration für den Tag eingepackt: Mit zehn Motorrädern wollten die Abenteurer nun ihr Ziel erreichen.

»Schon nach wenigen Kilometern wurde klar, was uns erwartete«, erinnern sie sich. Der See ist von hohen Dünenkämmen umschlossen, weicher Sand machte ein Vorankommen fast unmöglich. Dazu erforderte die Überwindung der bis zu 150 Meter hohen und zum Teil steil abfallenden Dünen sehr viel Kraft, Energie und Erfahrung. »Mit den schweren Motorrädern ist das nicht zu schaffen.« So gaben schließlich die ersten auf und kehrten mit ihren Maschinen um.

Mit ihren leichten Sport-Enduros wollten es Jan Hagedorn, Alex Schönborn, Jörg Sturm und Sascha Klaus aber dennoch wissen. Sie kämpften sich Dünenkamm für Dünenkamm voran. Nach einer vier Stunden langen Fahrt haben sie gerade einmal 7 Kilometer bewältigen können. Gegen Mittag mussten daher auch sie umkehren, der See Richet Huaret blieb in unerreichbarer Ferne.

Für einen weiteren Versuch reichte die Zeit nicht mehr. Die Fähre für den Rücktransport war gebucht, und so mussten sich die Siegerländer unverrichteter Dinge auf den Rückweg machen. Über Ksar Ghilane ging es in Richtung Djerba und von dort für den Großteil der Teilnehmer per Flugzeug zurück.

Doch so schnell geben die Abenteurer nicht auf: »Wir werden einen neuen Versuch starten«, versichert Jörg Sturm im Reisebericht. Und schon jetzt gilt als sicher, dass einige der jetzigen Teilnehmer wieder dabei sein werden. Der rote See behält seine Faszination...

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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