Wohngebiet statt Landwirtschaft?
Aufstellung des Bebauungsplans "Zimmerseifen" beschlossen

Diese landwirtschaftlich genutzte Fläche zwischen Ferndorf und Kreuztal soll teilweise in ein Wohngebiet umgewandelt werden: Der Kreuztaler Rat gab grünes Licht für die Aufstellung des Bebauungsplans „Zimmerseifen“. Foto: Jan Schäfer
  • Diese landwirtschaftlich genutzte Fläche zwischen Ferndorf und Kreuztal soll teilweise in ein Wohngebiet umgewandelt werden: Der Kreuztaler Rat gab grünes Licht für die Aufstellung des Bebauungsplans „Zimmerseifen“. Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sos/js Kreuztal/Ferndorf. Ob in Kreuztal ein „Grundstücknotstand“ (Michael Bald, Grüne) herrscht oder ob Bauherren ausreichend Flächen im Stadtgebiet finden können, darüber herrschte gestern während der Ratssitzung Uneinigkeit. Ausgangspunkt der Diskussion war die Aufstellung des Bebauungsplans „Zimmerseifen“, der im Grunde nur an die heutige Rechtslage angepasst werden sollte, wie Bürgermeister Walter Kiß erklärte.

"Unglücklich": Landwirte noch nicht informiert

Dieter Gebauer (Grüne) verwies darauf, dass noch gar nicht mit den Landwirten, die die Fläche zwischen Ferndorf und Kreuztal nutzen, gesprochen worden sei. Es sei „unglücklich“, dass dies erst zu einem späteren Zeitpunkt passiere. Außerdem gebe es seiner Meinung nach beispielsweise mit dem Bender-Areal oder mit dem Buschhüttener Sportplatz, auf dem laut Wohnraumkonzept bis zu 60 Wohnungen entstehen könnten, genügend Platz für potenzielle Bauherren. Und in diesen Bereichen seien die Verfahren schon viel weiter fortgeschritten.

"Dinge im Fluss erst einmal zu Ende führen"

Ähnlich sah das Christdemokrat Arne Siebel. Auf der einen Seite beschließe der Rat ein Wohnraumkonzept, auf der anderen Seite nenne Kreuztal sich „insektenfreundliche Stadt. Es sei doch zielführender, „wenn die Dinge, die im Fluss sind“, erst einmal zu Ende geführt würden. Man solle die laufenden Verfahren zunächst vorantreiben und diese Grundstücke vermarkten. Mit dem Aufstellungsbeschluss „Zimmerseifen“ zeigte er sich dennoch einverstanden.

Frank Frisch (FDP) fand, dass die Begrenzung des Bereichs in nordwestlicher Richtung doch noch etwas weiter gefasst werden sollte, und zwar bis zum Zimmerseifenbach. Hier könnten weitere Ausgleichsflächen abgedeckt werden. Die Anregung nehme die Verwaltung in die Planung auf, so Kiß.

Grundstücksnotstand

Sicher sei es schade um die landwirtschaftlichen Flächen, die verloren gingen, stellte Michael Bald fest. „Aber wir machen Politik für Menschen und müssen den Grundstücksnotstand berücksichtigen“, sagte er und betonte gleichzeitig, dass es innerhalb seiner Fraktion durchaus andere Meinungen gebe.

Die schwierige Situation der Landwirte hob Uwe Saßmannshausen (fraktionslos) hervor: Hinter ihren Betrieben stecke ein ausgeklügeltes System, bei dem alles genau aufeinander abgestimmt sei. „Wenn man da Flächen wegnimmt, bricht die Systematik zusammen; dann geht die Rechnung am Ende nicht mehr auf.“ Einen Notstand, wie Bald ihn erkannt haben wollte, sah er nicht. Es gebe zahlreiche Leerstände; außerdem sei das Bauen in zweiter Reihe eine Möglichkeit. Und man könne ältere Menschen ansprechen, die vielleicht ohnehin in kleinere Wohnungen ziehen möchten. „Ich schließe mich dem Beschluss nicht an.“

Bloß alten Bebauungsplan aktualisieren

Letztendlich gehe es zu diesem Zeitpunkt doch nicht darum, Landwirten ihre Flächen wegzunehmen, sondern darum, den über 20 Jahre alten Bebauungsplan auf den neuesten Stand zu bringen, erinnerte Jochen Schreiber (SPD). Und Fraktionskollege Andreas Müller wies darauf hin, dass der Bedarf nun mal jetzt da sei. „Wir müssen schnell etwas tun, damit wir handlungsfähig bleiben.“ Man könne es ohnehin nicht allen Recht machen, fand Reinhard Lange (UWG); seine Fraktion stimmte dem Beschluss ebenfalls zu.

Einstimmiger Beschluss bei fünf Enthaltungen

Letztendlich wurde der alte Aufstellungsbeschluss bei fünf Enthaltungen einstimmig aufgehoben, und der neue soll nun gefasst werden (drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen).

Wie das mögliche Wohngebiet erschlossen werden könnte, ist noch offen. 1998, beim ersten Anlauf, wurden bereits mehrere Alternativen zur Diskussion gestellt, wie Stadtplanerin Petra Kramer auf SZ-Anfrage erklärte. Da das neue Verfahren noch ganz am Anfang stehe mit dem jetzigen Ratsbeschluss, werde ergebnisoffen geplant. „Grundsätzlich werden wir neben den gestalterischen und finanziellen Aspekten beispielsweise auch naturschutzfachliche und artenschutzrechtliche Belange berücksichtigen müssen, und das kann zu Einschränkungen führen.“ Die entsprechenden Untersuchungen müssen noch durchgeführt werden, 1998 waren diese nicht erforderlich.

Der aktuelle Geltungsbereich ist beinahe identisch mit dem aus den Neunzigern. Er umfasst auch Flächen nördlich eines kleinen Teils der vorhandenen Bebauung am Rotdornweg. Deren künftige Nutzung werde im Laufe des Bebauungsplanverfahrens ermittelt. „Diese Flächen wären beispielsweise für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in Form einer Ortsrandeingrünung gut geeignet“, verdeutlichte Kramer. Der Geltungsbereich des Bebauungsplans könne sich im Laufe des Verfahrens aber auch noch etwas ändern. „Es kann beispielsweise sein, dass wir Flächen zurücknehmen müssen. Es kann aber auch sein, dass wir zusätzliche Flächen benötigen, z. B. für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen.“ Erst nach den anstehenden Untersuchungen sei dies vollständig zu klären.

Ein Drittel im Besitz Kreuztals

Die Stadt hat inzwischen etwa ein Drittel der freien Flächen im Geltungsbereich erworben – verteilt über das gesamte Gelände. Wie viele Wohneinheiten im „Zimmerseifen“ entstehen könnten, hänge u. a. von der Bauweise ab, so Petra Kramer. „Der Vorentwurf aus dem Jahr 1998 sah rund 50 bis 55 Ein- bis Zweifamilienhäuser in dem freien Bereich nordwestlich der Ortslage vor. Einige zusätzliche Gebäude sollten nach dieser Planung auf den freien Grundstücken innerhalb der Ortslage möglich sein.“

An diesen Zielen habe sich im Grundsatz nicht viel geändert – wenn auch der Anteil von Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern zum jetzigen Planungsstand noch nicht bekannt sei. „Wir brauchen dort möglichst viel und möglichst attraktiven Wohnraum, der überdies bezahlbar sein muss.“ Die Stadtplaner müssten aber auch die vorhandene Bebauung und die vorhandenen Straßen berücksichtigen.

Autor:

Sonja Schweisfurth (Redakteurin) aus Siegen

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