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Wenn Eltern lebensbedrohlich erkranken
Ausstellung „Gefühlswelten“ sensibilisiert für Not der Kinder

Gemeinsam auf dem Lastenrad Platz nehmen – ein Bild mit Symbolkraft. Katharina Jung und Iris Dittmann vom Caritasverband hoffen, dass die Kreuztaler Ausstellung nicht nur Geld in die Kasse spült, sondern auch sensibilisiert.
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  • Gemeinsam auf dem Lastenrad Platz nehmen – ein Bild mit Symbolkraft. Katharina Jung und Iris Dittmann vom Caritasverband hoffen, dass die Kreuztaler Ausstellung nicht nur Geld in die Kasse spült, sondern auch sensibilisiert.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
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nja Kreuztal. Angst, Verzweiflung, Wut und Trauer: Wenn Mama oder Papa schwer erkrankt sind, prasselt auf die Kinder einiges ein, startet eine Achterbahn der Gefühle. Veränderte Tagesabläufe zu Hause, eine merkwürdige Stimmung, vielleicht klopft der Tod das erste Mal an die Tür: In diesen Situationen helfen seit 2017 die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Projekts „Hörst Du mich?“ des Caritasverbands Siegen-Wittgenstein. Sie bieten, wie berichtet, Heranwachsenden Unterstützung im Alltag. Denn, so sagt Iris Dittmann, Leiterin der beratenden Dienste: „Die Kinder werden oft nicht gesehen und gehört!“

Von dem Kaleidoskop der menschlichen Emotionen erzählt an diesem Wochenende auch eine Ausstellung in der weißen Villa in Dreslers Park, Kreuztal. „Gefühlswelten“, so lautet der Titel.

nja Kreuztal. Angst, Verzweiflung, Wut und Trauer: Wenn Mama oder Papa schwer erkrankt sind, prasselt auf die Kinder einiges ein, startet eine Achterbahn der Gefühle. Veränderte Tagesabläufe zu Hause, eine merkwürdige Stimmung, vielleicht klopft der Tod das erste Mal an die Tür: In diesen Situationen helfen seit 2017 die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Projekts „Hörst Du mich?“ des Caritasverbands Siegen-Wittgenstein. Sie bieten, wie berichtet, Heranwachsenden Unterstützung im Alltag. Denn, so sagt Iris Dittmann, Leiterin der beratenden Dienste: „Die Kinder werden oft nicht gesehen und gehört!“

Von dem Kaleidoskop der menschlichen Emotionen erzählt an diesem Wochenende auch eine Ausstellung in der weißen Villa in Dreslers Park, Kreuztal. „Gefühlswelten“, so lautet der Titel. Zu sehen und vor allem auch zu erwerben sind ganz unterschiedliche Unikate – kreiert von namhaften Künstlern wie Thomas Keller, aber auch Kita-Kindern, Besuchern der Jugendkunstschule und des Caritas-Projekts sowie Senioren. Der Erlös kommt „Hörst Du mich?“ zugute.

Finanzierung auf solide Beine stellen

Katharina Jung hat die Leitung des Projekts inne und war bis jetzt die einzige fest Angestellte, mit einer halben Stelle. Dies wird nun anders: Dank einer Förderzusage der St.-Kilian-Stiftung des Erzbistümlichen Stuhls Paderborns in Höhe von über 600.000 Euro. Das Team wächst damit auf drei Vollzeitstellen – fünf Frauen und einen Mann – an. Die Finanzierung steht bis August 2024. Ein zehnprozentiger Eigenanteil muss allerdings aufgebracht werden: Nicht nur deshalb setzt die Caritas nun Hoffnungen auf Fundraising-Aktionen wie diese Ausstellung.

Die Kinder werden oft nicht gesehen und gehört.
Iris Dittmann
Caritasverband 

Auch nach Ende der Förderung, so betont Iris Dittmann, möchte man den jetzigen Status quo erhalten und etablierte Hilfen nicht wieder herunterfahren müssen.
„56 Familien, 92 Kinder und Jugendliche haben wir bisher erreicht. Allein in diesem Jahr werden 13 Familien mit 22 Kindern betreut“, so Dittmann. 18 ehrenamtliche Familienbegleiter wurden ausgebildet, zwölf von ihnen sind derzeit aktiv.

Umzug an die Numbachstraße 30

Ab Dezember läuft das Projekt unter dem Arbeitstitel „Beratungszentrum 2.0“ – samt Umzug in neue, größere Räume an der Numbachstraße 30. „Wir können die Trauerbegleitung und die Beratung von Familien ausbauen, noch stärker Netzwerke schaffen“, so Dittmann. Das pädagogische Personal in Kitas und Schulen z. B. möchte das Team schulen, angemessen auf die betroffenen Kinder zuzugehen.
Wer sich das bunte Sammelsurium der Ausstellung ansieht, erlebt eine breite Palette an Gefühlswelten.

 Das Ohr ist ein wichtiges Organ – Gehörtwerden ein hohes Gut.
  • Das Ohr ist ein wichtiges Organ – Gehörtwerden ein hohes Gut.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Michael Sauer

Jung und Alt, Laie und Künstler erzählen persönliche Geschichten über sich widersprechende und doch auch ergänzende Emotionen. Über gute und schlechte Tage. Hier schreit den Betrachter eine abstrakte Wutexplosion an, dort erstarrt ein Kind in Traurigkeit. Es wird gelacht und geweint, geschrien – und einem Organ der rote Teppich ausgebreitet: dem Ohr. Wird Kindern in Situationen des Abschiednehmens und Trauerns nicht zugehört und geholfen, kann dies zu schlimmen Entwicklungsstörungen führen, sagt Iris Dittmann. Bis hin zum Suizid.

Samstag und Sonntag: 10 bis 17 Uhr

Unter Corona-Bedingungen (es gilt die 3-G-Regel bei begrenzter Gästezahl im Saal) sind die Exponate auch am Samstag und Sonntag noch von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Matthias Vitt, Vorsitzender des Caritasverbands, dankte am Freitag den vielen Unterstützern des Projekts – und auch den Künstlern, die ihre Werke kostenfrei zur Verfügung stellen. „In Zeiten der Pandemie, in denen es auch der Kunstszene nicht gut geht, ist dies keine Selbstverständlichkeit“, findet auch Iris Dittmann.

Ruthe-Cartoon wird wieder versteigert

Ein weiterer Höhepunkt mit wunderbarer Vorgeschichte, der am Montag über die Bühne gehen sollte, muss Pandemie-bedingt vertagt werden. Eigentlich sollte dann jener Cartoon des Kultzeichners Ralph Ruthe versteigert werden, der dieses schöne Schicksal schon einmal erlebt hat: Vor ziemlich genau einem Jahr ging die witzige Zeichnung bei einer Ebay-Auktion in den Besitz von Hanna Schäfer über, die die Rekordsumme von 40.050 Euro geboten hatte. Das Geld kam dem Caritas-Projekt zugute. Die Feuersbacherin stellt das Unikat nun wieder zur Verfügung – es wird im Februar 2022 also einmal mehr zugunsten von „Hörst du mich?“ versteigert. Auch Ruthes „Drei-Hörnchen“ sind in Kreuztal zu sehen.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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