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Stadt Kreuztal fördert Praxismodell
Ausweg aus dem Ärztemangel

Zukunftsmodell: Die Stadt Kreuztal subventioniert die Gemeinschaftspraxis „Familydocs“, die einen eigenen Weg gegen den Ärztemangel eingeschlagen hat. Die Kommune stellt u. a. zwei Elektro-Autos zur Verfügung.
  • Zukunftsmodell: Die Stadt Kreuztal subventioniert die Gemeinschaftspraxis „Familydocs“, die einen eigenen Weg gegen den Ärztemangel eingeschlagen hat. Die Kommune stellt u. a. zwei Elektro-Autos zur Verfügung.
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js Kreuztal. Der Mangel an hausärztlicher Versorgung in ländlichen Gebieten ist ein Problem. Die Stadt Kreuztal ist davon besonders betroffen, auf dem Papier ist sie das Schlusslicht im Kreis Siegen-Wittgenstein. Der Versorgungsgrad pro Einwohner, der im Idealfall bei 100 Prozent liegen würde, kam im Jahr 2015 noch auf 94 Prozent. Inzwischen ist er auf 74 Prozent gefallen. Entsprechend laut haben die Alarmglocken im Rathaus geläutet – und dazu geführt, dass die Verwaltung die Initiative ergriffen hat.

Das über Jahrzehnte bewährte Modell der Hausarztpraxis hat an Attraktivität verloren. Es wird zunehmend schwierig, Nachfolger für niedergelassene Ärzte zu finden. In den vergangenen drei Jahren haben in der Kindelsbergkommune drei Praxen geschlossen;

js Kreuztal. Der Mangel an hausärztlicher Versorgung in ländlichen Gebieten ist ein Problem. Die Stadt Kreuztal ist davon besonders betroffen, auf dem Papier ist sie das Schlusslicht im Kreis Siegen-Wittgenstein. Der Versorgungsgrad pro Einwohner, der im Idealfall bei 100 Prozent liegen würde, kam im Jahr 2015 noch auf 94 Prozent. Inzwischen ist er auf 74 Prozent gefallen. Entsprechend laut haben die Alarmglocken im Rathaus geläutet – und dazu geführt, dass die Verwaltung die Initiative ergriffen hat.

Das über Jahrzehnte bewährte Modell der Hausarztpraxis hat an Attraktivität verloren. Es wird zunehmend schwierig, Nachfolger für niedergelassene Ärzte zu finden. In den vergangenen drei Jahren haben in der Kindelsbergkommune drei Praxen geschlossen; weitere dürften in absehbarer Zeit folgen. Das von den beiden Kreuztaler Ärzten Klaus Mertens und Dr. Dr. Charles Christian Adarkwah entwickelte Praxismodell „Familydocs“ hat sich aus Sicht der Stadt als geeignet herausgestellt, die dauerhafte wohnortnahe hausärztliche Versorgung sicherzustellen.

Das innovative Konzept wird von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe unterstützt und basiert auf einer Filialstruktur. Derzeit bietet das insgesamt 19-köpfige Team um Mertens und Adarkwah an zwei Standorten in Eichen und Fellinghausen das hausärztliche Versorgungspaket an. Die Standorte sind vernetzt und bieten Synergien, die angestellten Ärzte werden von den Bürden der Bürokratie entlastet. Planbare Arbeitszeiten, flexible Teilzeitmodelle seien auf diese Weise weitaus besser umsetzbar als in herkömmlichen Praxen, berichten die beiden Mediziner. Eine drohende und eine tatsächliche Praxisschließung konnten auf diese Weise bereits kompensiert werden. In Fellinghausen entstand eine gleichwertig wie die „Zentrale“ ausgestattete Zweigstelle, in der die „Docs“ rollierend Sprechstunden abhalten. Mit Einstellung einer zusätzlichen Ärztin können die Patienten einer kürzlich in Buschhütten geschlossenen Praxis aufgefangen werden; damit sind neben den beiden Inhabern nunmehr fünf angestellte Ärzte mit an Bord. Zwei Mitarbeiterinnen der Praxis haben sich zu entlastenden Versorgungsassistentinnen (kurz: EVAs) weiterbilden lassen – sie übernehmen nun im gesamten Stadtgebiet Hausbesuche, vor allem bei älteren, immobilen Menschen.

Möglichst bald soll noch ein dritter Standort eingerichtet werden. Im ehemaligen Kredenbacher Krankenhaus wird Filiale Nummer 3 eingerichtet – sobald die Klinik nicht mehr als Behelfskrankenhaus vorgehalten werden muss. Wie berichtet, halten die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe noch an der bislang nicht benötigten Ausweichklinik fest.

Die Stadt Kreuztal, die am Montag die Kooperation mit den Medizinern vorstellte, steht hinter dem Konzept und hilft den „Familydocs“ mit anfänglicher Subventionierung aus. Die besteht vor allem darin, dass sie das Gebäude des Standorts Fellinghausen gekauft hat und mit einer Mietpreisstaffelung Kosten abfedert. Derzeit werden die Praxisräume im Haus erweitert auf eine zweite Etage. Auch bei der Bereitstellung der EDV-technischen und telefonischen Verknüpfung der Stadtorte gibt es einen monatlichen Zuschuss aus dem Stadtsäckel. Darüber hinaus fahren die beiden EVAs jetzt mit zwei E-Autos zu den Patienten raus – die Stadt hat diese Fahrzeuge „unter Inanspruchnahme der aktuellen Fördermöglichkeiten“ beschafft und stellt sie zur Verfügung. Die Dosis der kommunalen Finanzspritze liegt laut Bürgermeister Walter Kiß in einem „gut fünfstelligen Euro-Bereich“.

Völlig ausgemerzt ist der Kreuztaler Ärztemangel mit dem neuen Praxiskonzept nicht. Dr. Dr. Adarkwah und Mertens sind aber zuversichtlich, dass sie gemeinsam mit ihrem wachsenden Team, der Digitalisierung (Stichwort: Videosprechstunde) und dem Delegationsmodell (die EVAs entlasten die Arbeit der „Docs“ entscheidend) die Versorgungslücke minimieren können. Von den 20 KV-Sitzen in Kreuztal seien sieben vakant.

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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