125 Jahre ev. Gemeinschaft Kredenbach
Bänkemarsch nicht mehr nötig

Vor 125 Jahren wurde die ev. Gemeinschaft Kredenbach gegründet:  Ein Grund zum Feiern. Das Vereinshaus entstand 1909 und wurde sukzessiv erweitert.
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  • Vor 125 Jahren wurde die ev. Gemeinschaft Kredenbach gegründet: Ein Grund zum Feiern. Das Vereinshaus entstand 1909 und wurde sukzessiv erweitert.
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nja Kredenbach. Gläubige Frauen waren es, die im 19. Jahrhundert die Grundlage dafür schufen, dass die ev. Gemeinschaft Kredenbach anno domini 2020 ihr 125-jähriges Bestehen feiern kann. Sie beteten mit Inbrunst dafür, dass der Glaube in Kredenbach Einzug halte, ruft Gemeinschaftsleiter Gerd Klein im Jubiläumsjahr in Erinnerung. Eine von ihnen: Die Mutter von Friedrich Langenbach, der als Gründer und langjähriger Leiter in die Annalen der Gemeinschaft eingegangen ist.

Der Anfang sei schwierig, Kredenbach ein „Bollwerk“ gewesen, das dem „Eingang der christlichen Versammlungen widerstanden“ habe, ist der Festschrift zum 90-Jährigen zu entnehmen. 1872 habe eine erste öffentliche Versammmlung stattgefunden, die aber „sehr gestört“ worden sei. Zwei Jahrzehnte sollten ins Land ziehen, bis ein neuer ernsthafter Versuch gestartet wurde. Alkoholmissbrauch und Raufereien müssen damals ein beachtliches Problem gewesen sein. „Nicht nur in Kredenbach, sondern im ganzen Ferndorftal“, erzählt Christoph Blanke, Vorstandsmitglied der Kredenbacher Gemeinschaft. Arbeitgeber hätten sich bei den Müttern gemeldet, der Tenor: „Schaut mal bei eure Kinder. Da scheint etwas aus dem Ruder zu laufen.“ Das erreichte auch die Ohren des damaligen Landrats Keil – ein Freund der Gemeinschaftsbewegung. Er regte die Gründung einer Kredenbacher Versammlung an. Friedrich Langenbach galt damals als Führungsperson unter den jungen Kredenbachern, auch er sagte dem Alkohol gern und ausdauernd zu, konnte mit frommen Vereinshausgängern so gar nichts anfangen – bis ihn nach einer Zeit der Krankheit der Ruf Christi erreichte. Jahrelang, so schrieb er einst, sei er der einzige Mann aus Kredenbach gewesen, der die Versammlung besuchte – mal in Ernsdorf, mal in Unglinghausen, mal in Dahlbruch. Eine solche Zusammenkunft im Heimatort zu gründen – davor fürchtete er sich. Und doch war er es, der diesen Schritt schlussendlich ging und zu einemVersammlungsabend einlud: Dieser Mittwochabend gilt als Geburtsstunde der ev. Gemeinschaft.

Die ersten Jahre fand das Lobpreis Gottes in privatem Ambiente der Wohnzimmmer statt. Der Begriff des „Bänkemarschs“ wird bis heute damit in Verbindung gebracht: Die Gläubigen brachten nämlich ihre eigenen Sitzgelegenheiten mit. Das Wort Gottes wurde vor allem „von den Brüdern vor Ort verkündet“ – ohne theologische Ausbildung also, aber nach intensivem Studium der Bibel. Bis heute gibt es die Form der Laienpredigt – auch in Kredenbach.

1909 wurde das Vereinshaus gebaut

Die Gemeinschaft wuchs und gedieh, so dass anno 1909 das eigene Domizil – das Vereinshaus – gebaut wurde: zentral an der Kredenbacher Straße gelegen. Die Indienststellung erfolgte im August 1909, Ende Oktober wurde mit 17 Mitgliedern die Vereinshausgesellschaft gegründet. Finanziert wurde der Bau über Beiträge der Gläubigen und Spenden. Viel Geld besaßen die Familien nicht, es waren meist Kleinstbeträge, die man sich vom Mund absparte. Einnahmen bescherte laut Chronik auch eine „Rasierkasse“. Es sollte bis 1921 dauern, bis die Darlehen zurückgezahlt waren. 1965, 1970 und 1981 wurde angebaut. Seit etwa 1909 sind auch die Kindergottesdienste verbrieft, die es aber schon früher gegeben hat: Die sogenannte „Sonntagsschule“ ist bis heute fest im Gemeinschaftsgeschehen etabliert und findet zur gleichen Zeit wie die Gottesdienste statt.

Räumungen im Zuge der Weltkriege

In der heutigen vom Coronavirus geprägten Zeit sticht ein Eintrag aus dem Jahr 1910 ganz besonders ins Auge: In Kredenbach war Typhus ausgebrochen: „Chorübungen und Sonntagsschule wurden ausgesetzt.“ Die beiden Weltkriege führten zu vorübergehenden Ausquartierungen: 1918 wurde das Vereinshaus für zurückkehrende Soldaten frei gemacht, 1944 „musste das Haus geräumt werden für die Belegschaft der Fa. Daimler-Benz, die Wehrmachtsfahrzeuge reparierte. Im Vereinshaus wurden Küche und Eßraum eingerichtet, in dem Deutsche und Gefangene essen konnten. Die Versammlungen wurden in der weißen Schule durchgeführt“, so die Chronik. 1918 wurde auch schon die Gebetswoche – heute mit dem Zusatz „Allianz“ versehen – erstmals erwähnt, der Missionsgedanke zieht sich durch das Eineinvierteljahrhundert bis ins Hier und Jetzt. So weilt eine Kredenbacher Schwester seit 20 Jahren in Slowenien, um dort beim Gemeindeaufbau mitzuarbeiten.

Generationswechsel geglückt

Momentan zählt die ev. Gemeinschaft Kredenbach 66 Mitglieder, bis zu 80 finden im Vereinshaus Platz. „Man muss nicht Mitglied sein, um zu uns zu kommen“, betonen Gerd Klein und Christoph Blanke. Chor und Zithergruppe gibt es nicht mehr, wohl aber einen Posaunenchor und ein Singteam. Gut gelungen sei die rechtzeitige Einbindung junger Leute in das Gemeinschaftsleben: „Wir sind die ältesten im Vorstand“, so die Männer in den 50ern. „Wir sehen aber auch zu, dass pro Gottesdienst zumindest ein altes Lied im Repertoire ist.“ Die meisten Predigten und Wortauslegungen würden eigenverantwortlich gestaltet, es schauen aber auch Gemeinschaftspastoren des Verbands (ev. Gemeinschaftsverband Siegerland-Wittgenstein) vorbei.

Lebendiges Gemeindeleben

Es gibt Frauen- und Männerabende, eine zusätzliche Gebetsstunde, einen Kreis junger Erwachsener, Jugend- und Krabbelgruppen sowie die Jungschar für Mädchen und Jungen: Die Gemeinschaft lebt! 
„Wir wollen weiterhin Jesus die Ehre geben, den Glauben stärken und andere zum Glauben einladen – auch in Zusammenarbeit mit dem CVJM“, sagt Gemeinschaftsleiter Gerd Klein. Um mit den Gottesdiensten der ev. Kirchengemeinde nicht zu konkurrieren, werden übrigens im Vereinshaus jeweils alternative Zeiten gewählt: So wird alle 14 Tage nicht morgens um 10 Uhr, sondern erst um 14.15 Uhr zum Lobpreis eingeladen. Schon die „Väter“ der ev. Gemeinschaft Kredenbach gehörten weiterhin der Kirche an. Sie will heute wie damals für alle Menschen offen und da sein, die an Jesus Christus glauben.

Jubiläum wurde schon gefeiert

Die Hauptveranstaltung zum Jubiläum – eine Bibelwoche für Erwachsene und Kinder – fand wie berichtet vor Ausbruch der Coronakrise statt. Zusammenkünfte im Vereinshaus sind derzeit natürlich nicht möglich. Auf der Homepage – www.gemeinschaft-kredenbach.de – ist zusätzlich zur monatlichen Kurzandacht jetzt mindestens einmal pro Woche ein Infobrief online: Mit einem Kurzimpuls, Gebetsanliegen, Angeboten für Kinder und Jugendliche und Predigtvorschlägen. Auch die Informationen rund um die ev. Gemeinschaft werden auf diesem Wege geteilt. Die Besucher der Gemeinschaft ohne Onlinezugang bekommen den Brief ausgedruckt.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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