Bissige und skurrile Nessie Tausendschön

Nessie Tausendschön schlüpfte in die unterschiedlichsten Rollen und begeisterte ihr Publikum.  Foto: anne

anne Kreuztal. Das Licht wurde gedämmt, die Gespräche des auf Stühlen und in Fensternischen sitzenden Publikums verstummten, aber auf der Bühne tat sich erst einmal nichts. Und dann kam sie doch, die Frau mit dem unglaublichen „Organ“, mit dem sie mal ein bisschen hysterisch, dann bissig sarkastisch, einfach frei nach Schnauze daherkommt. Ihr Publikum in der ausverkauften Weißen Villa Kreuztal hatte die Kabarettistin und Sängerin Nessie Tausendschön am Freitagabend dabei absolut im Griff.

Manchem war das geballte Temperament wohl zuviel, aber der Großteil der Zuschauer dürfte begeistert gewesen sein. Kein Wunder, denn zusammen mit dem Pianisten Marcus Schinkel – oder eher Scharcus Minkel, wie er liebevoll von seiner Kollegin genannt wird – brachte Nessie ein im wahrsten Sinne des Wortes krachendes Programm mit dem Titel „Perlen und Säue“ auf die Bühne. Dabei gab sie Einblicke in ihr Künstlerleben, mit denen sie „Freude in die verschrumpelten Kreuztaler Herzchen“ brachte.

So bissig der Humor auch zuweilen war, ihre Stimme war im Gegensatz dazu seltsam weich, schmeichelnd und absolut beeindruckend. Das hat sie wohl ihrer Ausbildung als „Extremsängerin“ zu verdanken. Unterstützt wurde das Ganze vom Ausdruckstanz mit schlangenartigen Bewegungen oder auch mal der singenden Säge, mit der Nessie ihren Gesang begleitete. Und so erfuhr das Publikum, wie aus dem „krächzenden Wurm“ die Kabarettistin mit einer „Mischung aus Anmut und Größenwahn“ wurde.

Direkte Einblicke in das „Divenhirn“ gab es mit der eigenwilligen Biographie der Frau Tausendschön. Kuriose Lyrik und gar ein Stummfilm mit Blitzlicht und Klavieruntermalung rundeten das Programm ab, bevor im zweiten Teil Nessies Schutzengel seinen Auftritt hatte.

Mit ordentlichem Schwips kam der „blaue“ Engel auf die Bühne. Denn Menschen mit charakterlichen Schwächen bekommen Schutzengel mit „kleinen Fehlern“. So durfte man erfahren, dass der Schutzengel der SPD amputiert wurde, und zwar am linken Flügel. Nessie hat andere Probleme, wenn sie auf Friedhöfe geht, um probezuliegen. Ihr graduierter Engel hat es da mit seiner „Schabracke“ gar nicht so einfach.Zum Abschluss durfte man auch noch Gabi Pawelka kennenlernen, die dank Motivationsseminar nicht mehr suizidgefährdet ist. Ihre wertvollen Tipps gab sie nur allzu gerne an das Publikum weiter: „Raucht eure Gestecke“, dieser Rat soll das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken, zumindest in Frauengruppen. Eines fehlt ihr aber zu ihrem Glück noch, und so begab sie sich in der Weißen Villa auch noch auf die Suche nach einem Gatten. Allerdings könnte ihr Zukünftiger vom „Eisprung-Lied“ oder den „Petitessen“ ein wenig eingeschüchtert worden sein.Fast drei Stunden sorgte Nessie Tausendschön mit skurriler Mimik, komischer Gestik und ihrer tollen Stimme für krachende Unterhaltung, die nicht selten unter die Gürtellinie ging. Abgerundet wurde die Bühnenshow von dem genialen Pianisten Marcus Schinkel, der von Jazz über Chanson bis zur Atonalität improvisierte und begleitete.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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