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Zu hohe Fehlerquote
Bobbycar gehört nicht in den Biomüll

Keine große Mühe, den Abfallfrevel zu
verstecken, machte sich dieser Kreuztaler Haushalt.
  • Keine große Mühe, den Abfallfrevel zu
    verstecken, machte sich dieser Kreuztaler Haushalt.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

nja Siegen/Olpe. Ein kaputter Handmixer, Plastiktüten, randvoll mit Restabfall, einmal ragte in Kreuztal sogar das Hinterteil eines Bobbycar unter dem Deckel einer braunen Tonne hervor: Der einzig und allein für die Entsorgung von verrottbarem Biomüll gedachte Behälter wird nicht selten zweckentfremdet befüllt. Sogar die Hinterachse eines Fahrzeugs landete schon im Olper Entsorgungszentrum, beim dortigen Kompostwerk. Im Jahr 2019 wurden im Kreis Siegen-Wittgenstein insgesamt 27 647 Tonnen Bioabfall „produziert“: Das sind knapp 100 Kilo pro Einwohner.

nja Siegen/Olpe. Ein kaputter Handmixer, Plastiktüten, randvoll mit Restabfall, einmal ragte in Kreuztal sogar das Hinterteil eines Bobbycar unter dem Deckel einer braunen Tonne hervor: Der einzig und allein für die Entsorgung von verrottbarem Biomüll gedachte Behälter wird nicht selten zweckentfremdet befüllt. Sogar die Hinterachse eines Fahrzeugs landete schon im Olper Entsorgungszentrum, beim dortigen Kompostwerk. Im Jahr 2019 wurden im Kreis Siegen-Wittgenstein insgesamt 27 647 Tonnen Bioabfall „produziert“: Das sind knapp 100 Kilo pro Einwohner.

Zu hohe Fehlerquote

12 Prozent Fehlerquote, also 120 Kilogramm pro Tonne (gemeint ist diesmal das Gewichtsmaß) – das ist zu viel, fand der Kreis Siegen-Wittgenstein Ende vergangenen Jahres und startete in Kooperation mit den Kommunen eine Aufklärungskampagne: Auf der Homepage und auch mit einem Informations-Flyer, der an die Haushalte verteilt wurde. Hat dies gefruchtet, fragte die SZ nun nach?

Leichter, positiver Effekt

Ja, aber nur zaghaft, lässt sich die Antwort aus dem Kreishaus zusammenfassen: „Nach ersten Kontrollen des angelieferten Bioabfalls auf den Deponien sowie nach Rücksprache mit dem Olper Entsorgungszentrum ist zum jetzigen Zeitpunkt ein leichter, positiver Effekt zu erkennen. Ob sich dies in der Zukunft weiter so entwickelt, wird vom Umweltamt weiter beobachtet.“ Erklärtes Ziel ist eine Störquote von unter 5 Prozent.

Materialien verrotten nicht

Bei besagten 12 Prozent handelt es sich um Materialien, die gar nicht oder aber zu langsam verrotten – und das behindert den natürlichen Prozess der Kompostierung erheblich. Das Herausfischen der Störstoffe verursacht zusätzliche Kosten. Eine konkrete Bezifferung des Mehraufwands ist laut Kreis zurzeit nicht möglich. Wenn sich in absehbarer Zeit nichts ändere, hieß es im Vorjahr schon, müssten die Mehrkosten von der Allgemeinheit in Form von höheren Abfallgebühren getragen werden. „Im Verarbeitungsprozess geschieht die Störstoffabtrennung erst nach einer ca. vierwöchigen Kompostierung. Dies geschieht ausschließlich über Maschinentechniken wie Siebe, Magneten, Windsichtungen und Infrarottechniken, bei denen über das Lichtreflexionsverhalten verschiedener Stoffgruppen Störstoffe erkannt und ausgeschleust werden.“ Das teilt Klaus Remm, Betriebsleiter des Olper Entsorgungszentrums, auf Anfrage mit: „In Summe also sehr aufwändige und damit auch teure Prozesse, die dazu dienen, einen weitestgehend störstofffreien Kompost zu erzeugen.“

Gemüseabfälle, Blumenerde, Grasschnitt

In die Biotonne gehört nur ursprünglich biologisches Material, damit daraus hochwertiger Kompost werden kann: Obst und Gemüseabfälle, Speisereste und Lebensmittel, Eierschalen, Kaffeefilter und Teebeutel, Bananenschalen und Reste von Zitrusfrüchten, Schnittblumen, Grasschnitt (wohl dem, der einen Komposthaufen besitzt), Unkraut, Laub und Äste, Topf- und Zimmerpflanzen, Blumenerde und Fallobst zählt der Kreis beispielhaft auf.

Zitrusfrüchte sind in Ordnung

Nachfrage: Gehören Zitrusfrüchte wegen der mutmaßlich „gespritzen“ Schale nicht in die graue Tonne? Kreis-Pressesprecher Torsten Manges räumt mit diesem Trugschluss auf: „Schalen von Obst und hier auch die manchmal chemisch behandelten Schalen von Zitrusfrüchten dürfen in die Biotonne. Die Behandlung der Schalen ist im Rahmen des Erlaubten in Ordnung. Anders ist dies nur, wenn die jeweilige Kommune dies explizit durch Satzung verbietet.“
Auch die Aufzählung dessen, was nicht in der braunen Tonne landen darf, birgt durchaus Überraschendes. Klar: Glasflaschen und Plastiktüten, Dosen, Kronkorken, Milch- und Getränkekartons, Zigarettenkippen, Batterien, Akkus und Elektrogeräte, Windeln und Hygieneartikel, Hochglanz- und Illustriertenpapier sowie Katzenstreu sind tabu. Aber Asche aus dem Ofen oder aus Grillkohle ist ebenfalls verboten? Sie landet mancherorts sogar auf dem heimischen Beet …

Keine Holzasche in den Biomüll

„Normalerweise sind Holzaschen als gute Dünger bekannt. Allerdings nehmen Bäume Schadstoffe wie z. B. Schwermetalle aus dem Boden auf, die beim Verbrennungsvorgang in der Asche konzentriert zurückbleiben“, klärt die Kreisverwaltung auf. „Das von den Kompostwerken aus den Bioabfällen hergestellte und vermarktete Material ist güteüberwacht und unterliegt der Düngemittelverordnung.“ Zur Einhaltung der darin definierten Grenzwerte seien alle potenziellen Störstoffe auszuschließen. Dazu zählten auch Holzaschen, insbesondere wegen der vermehrt in Baumrinden angereicherten Cadmiumanteile. Warum stehen auch sogenannte kompostierbare Plastiktüten, die es im Supermarkt gibt, auf der roten Liste der Biotonne? „Es wird nicht bestritten, dass diese Tüten tatsächlich biologisch abbaubar sind – allerdings liegt der Zeitbedarf hierfür bei rund zwölf Wochen. Das Olper Entsorgungszentrum arbeitet allerdings mit einemsogenannten Rotteverfahren, das eine Gesamtdauer von ca. drei bis vier Wochen hat.“ Das bedeutet, dass diese Tüten unzersetzt den Rottetunnel verlassen. Deswegen gibt es bislang die dringliche Bitte, auf die Verwendung zu verzichten. Verboten ist ihre Benutzung also nicht – noch nicht.

Kontrolle und Sanktionen

Es gibt keine kommunalen Schwerpunkte, wo die Befüllung der Biotonne besonders fehlerhaft ist, sagt der Kreis, denn: „Es gibt keine an der Größe der Kommunen oder der Siedlungsstruktur festzumachenden signifikanten Unterschiede in der Qualität des Sammlungsergebnisses.“ Die SZ fragte exemplarisch in zwei Städten nach, wie kontrolliert und wie sanktioniert wird.

  • Stadt Siegen: Es erfolgt eine flächendeckende Sichtkontrolle durch die Mitarbeiter der Stadtreinigung. Etwa 25 Prozent der Tonnen sind offensichtlich fehlbefüllt und werden deshalb stehen gelassen. Sanktionen wurden bisher nicht verhängt. Die Bürger wurden bei Rückfragen gebeten, die Fremdstoffe zu entfernen. Dann wird die Tonne bei der nächsten Abfuhr auch geleert.
  • Stadt Kreuztal: Die Überprüfungen werden vom Personal des Entsorgungsunternehmens Remondis stichprobenhaft durchgeführt. Bisher wurden noch keine Tonnen stehen gelassen. Sollte die Informationskampagne von Kreis und Kommunen nicht erfolgreich sein, stehen Tonnenkontrollen und das gezielte Informieren jener Haushalte an, die mit Fehlbefüllungen auffallen. Erst dann blieben diese Tonnen auch ungeleert stehen. Sanktionen gab es bisher auch hier noch nicht.
Mülltrennung Nach den Bestimmungen des NRW-Landesabfallgesetzes gibt es für den Bereich der häuslichen Siedlungsabfälle eine zweigeteilte Zuständigkeitsregelung: Die kreisangehörigen Städte und Gemeinden haben als öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger die in ihrem Gebiet anfallenden und ihnen zu überlassenden Abfälle einzusammeln und zu den vom Kreis betriebenen Abfallentsorgungsanlagen bzw. Müllumladestationen zu befördern. Das bedeutet, dass jede Kommune im Kreis Siegen-Wittgenstein auch in eigener Zuständigkeit und Verantwortung regelt, wie zum Beispiel der in den privaten Haushalten anfallende Bioabfall eingesammelt wird. Sie müssen den Abfall dann zu den vom Kreis betriebenen Umladestationen transportieren, und der Kreis ist für den Weitertransport und für eine ordnungsgemäße Entsorgung oder Behandlung zuständig.
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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