Bombendrohung: Schulen erlebten bange Stunden

Gymnasium und Gesamtschule gestern Morgen evakuiert

bjö Kreuztal. Drei telefonische Bombendrohungen sorgten gestern Morgen für Aufregung, Tränen und Angst im Schulzentrum: 1500 Schüler und Lehrer mussten den Gebäudekomplex von Friedrich-Flick-Gymnasium und Clara-Schumann-Gesamtschule räumen, nachdem eine unbekannte Anruferin in den Sekretariaten die Explosion von Sprengsätzen angekündigt hatte. Die Drohungen erwiesen sich glücklicherweise als eine »Ente«.

»Ich vermutete, jetzt käme eine Krankmeldung oder Kartenvorbestellung fürs Schultheater«, erinnert sich Ingeborg Berns an den Augenblick, als sie gegen 8.20 Uhr den Hörer im Sekretariat des Gymnasiums abnahm und eine Frauenstimme fragte, ob sie mit dem Friedrich-Flick-Gymnasium verbunden sei. »Zwischen 9 und 10 Uhr geht bei Ihnen was hoch, das ist keine leere Drohung«, habe die Anruferin mit erwachsen klingender Stimme in akzentfreiem Deutsch gesagt.

Die Sekretärin informierte sofort Schulleiter Herbert Hoß, der blitzschnell Rücksprache mit dem Schulamt und der Polizei nahm. Wenige Minuten später der zweite Anruf auf der gleichen Leitung: Diesmal bekräftigte die gleiche Frauenstimme, dass man die Drohung ernst nehmen solle. »Ich war selbst der Meinung, dass es ein blinder Alarm ist«, ahnte Ingeborg Berns bereits beim ersten Telefongespräch. Gefälschte Anrufe kennt sie, wenn überhaupt, höchstens von Pennälern, die sich am Telefon als deren Eltern ausgeben, um sich krank zu melden, um unverdiente Freistunden zu erhaschen.

Die Polizei klärte, ob mögliche Tatmotive bestünden. Hoß beteuerte gegenüber der SZ, dass die Schule »mit niemand in Unfrieden lebt«. Außerdem war auch in der benachbarten Gesamtschule ein Anruf eingegangen, dass mehrere Sprengsätze in der Schule hochgehen würden. Sowohl Hoß als auch der stellv. Leiter der Gesamtschule, Christian Scheerer, entschieden sich, die Gebäude zu räumen.

Während in der Gesamtschule die Feuersirene ertönte und die zuvor informierten Lehrer die Schüler ohne weitere Information auf den Schulhof geleiteten, informierte Herbert Hoß die Gymnasiasten über Schullautsprecher, dass nun eine »unangekündigte Alarmübung« stattfinde und das Gebäude geräumt werden solle. Sekretärin Berns griff noch schnell zum Schulsiegel, zur wertvollen Schulchronik und zu den Geldbeständen, die sich im Sekretariat befanden, bevor auch sie ihren Arbeitsplatz verließ. »Weil das Wetter so lausig war, habe ich alle in die Dreifachturnhalle verfrachten lassen«, so Hoß. Gemeinsam mit dem Hausmeister und der Polizei durchstreifte er anschließend das menschenleere Schulgebäude, ohne irgendeine Auffälligkeit zu entdecken.

Die Gesamtschüler hatten sich währenddessen in die Zweifachturnhalle begeben. Mit Musik aus dem Lautsprecher hielten die Pädagogen die Schüler bei guter Laune. Als sie den Schülern offenbarten, dass eine Bombendrohung eingegangen sei, fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. Einige nahmen die Sache nicht so ernst. Die 13-jährige Valentina Glorioso blieb wie viele andere weniger gelassen: Sie wurde von diffuser Angst und zugleich Tränen übermannt. Schüler lagen sich in den Armen, einige weinten, andere griffen zu ihren Handys, um daheim anzurufen.

Trotz der Erleichterung, dass sich jemand lediglich einen bösen Scherz erlaubt hatte, ließen sich einige Fünftklässler von ihren Eltern abholen und nach Hause fahren – zu tief saß ihnen der Schreck in den Gliedern. Gesamtschüler, deren Klausuren durch die üblen Drohungen für eine Stunde unterbrochen werden mussten, blieben vom Arbeitsstress im Laufe des Tages dann doch nicht verschont: Spätestens zu Beginn der 4. Schulstunde lief der Unterricht normal weiter.

Fakt ist auch: Sollte die Polizei der Anruferin habhaft werden, droht eine deftige Anzeige.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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