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Belastetes Material in Krombach
Brauerei will Erdwall entsorgen

Zwei Drittel der in Krombach gelagerten mineralischen Abfälle sind mit grundwassergefährdenden Schadstoffen belastet.
  • Zwei Drittel der in Krombach gelagerten mineralischen Abfälle sind mit grundwassergefährdenden Schadstoffen belastet.
  • Foto: bjö
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sz/cs Kreuztal/Krombach. Der 15. Juni ist der Stichtag. Wie berichtet, hat die Stadt Kreuztal die Krombacher Brauerei per Bescheid dazu aufgefordert, das umstrittene Erdaushubzwischenlager in Krombach zu entfernen – zumindest jene Teile, die mit Schadstoffen belastet sind. Auf Anfrage der Siegener Zeitung teilt das Unternehmen mit, der Anordnung Folge leisten zu wollen: „Selbstverständlich werden wir die angesprochenen Materialien schnellstmöglich entfernen.“ Entsprechende Maßnahmen seien bereits in Planung und würden mit dem Rathaus der Kindelsbergkommune besprochen. Diesen Gesprächen wolle man nicht vorgreifen. Die Nachfrage, wie die Brauerei die gewaltigen Erdmassen innerhalb kürzester Zeit abzutransportieren gedenkt, bleibt unbeantwortet.

sz/cs Kreuztal/Krombach. Der 15. Juni ist der Stichtag. Wie berichtet, hat die Stadt Kreuztal die Krombacher Brauerei per Bescheid dazu aufgefordert, das umstrittene Erdaushubzwischenlager in Krombach zu entfernen – zumindest jene Teile, die mit Schadstoffen belastet sind. Auf Anfrage der Siegener Zeitung teilt das Unternehmen mit, der Anordnung Folge leisten zu wollen: „Selbstverständlich werden wir die angesprochenen Materialien schnellstmöglich entfernen.“ Entsprechende Maßnahmen seien bereits in Planung und würden mit dem Rathaus der Kindelsbergkommune besprochen. Diesen Gesprächen wolle man nicht vorgreifen. Die Nachfrage, wie die Brauerei die gewaltigen Erdmassen innerhalb kürzester Zeit abzutransportieren gedenkt, bleibt unbeantwortet.

NI mit "wichtigem Teilerfolg"

Auskunftsfreudiger zeigt sich – wenig überraschend – die Naturschutzinitiative (NI), die sich am Montag zu Wort meldet. Die Organisation stellt fest, „leider“ Recht behalten zu haben: „Zwei Drittel der in Krombach gelagerten mineralischen Abfälle sind mit grundwassergefährdenden Schadstoffen belastet. Es handelt sich entgegen den früheren Behauptungen der Krombacher Brauerei, der Stadt Kreuztal und des Kreises Siegen-Wittgenstein nicht um ,reinen unbelasteten’ Bodenaushub.“ Trotz des „wichtigen Teilerfolges“ herrsche kein Grund zur Freude. Denn es sei „völlig unrealistisch“, innerhalb von zwei Wochen über 51 000 Tonnen Bodenmaterial mit Lkw abzufahren.

Jahrelanger Stillstand befürchtet

Der Umweltverband befürchtet vielmehr einen jahrelangen Rechtsstreit: Bis zu einer endgültigen Entscheidung werde die Brauerei vor Ort „keinen Krümel des Abfalls beseitigen müssen, obwohl dieser unzweifelhaft umweltgefährdend ist“.
Noch nicht einmal sei die Krombacher angewiesen worden, die Mieten mit den schadstoffbelasteten Aushubmassen unverzüglich, das heißt innerhalb von zwei Tagen, mit Kunststoffplanen abzudecken, um so wenigstens wirksam zu verhindern, dass bis zur Abfuhr des Materials weiter belastetes Sickerwasser entstehen und in den ungeschützten Boden eindringen könne. Das sei „ein Zeichen für die Überforderung oder die Willfährigkeit des Bauamtes der Stadt Kreuztal“. An dem Bescheid der Stadt Kreuztal kritisiert die NI weiter, dass er von der für das Abfalllager in jeder Hinsicht unzuständigen Behörde erlassen worden sei. Diese habe keinerlei Kompetenz, über den Verbleib oder die Beseitigung der gelagerten Abfälle zu entscheiden. Die ohnehin unzuständige Stadt – so die NI – sei angesichts des skandalösen Umweltverhaltens der Brauerei mangels eigener Umweltexpertise erkennbar nicht zu fachlich angemessenen Reaktionen in der Lage.

Kreisverwaltung laut NI in der Pflicht

Immerhin habe die Brauerei in den Antragsunterlagen für die Zwischenlagerung im vergangenen Jahr behauptet, bei dem gelagerten Aushub handele es sich um „unbelastete Erdmassen“, die im Jahr 2017 von der Firma Baugrund ständig beprobt und untersucht worden seien. Die NI sieht die Umweltverwaltung des Kreises Siegen-Wittgenstein spätestens jetzt in der Pflicht, für den vorübergehenden Grundwasserschutz zu sorgen und die von Anfang an sachlich unzuständige Bauaufsichtsbehörde der Stadt Kreuztal nicht weiter gewähren zu lassen. Der Umweltdezernent des Kreises, Arno Wied, habe mit Schreiben an die NI angekündigt, selbst die notwendigen Schritte einzuleiten, wenn sich anhand der nachträglichen Untersuchungen ergebe, dass die bisherigen Entscheidungen der Stadt Kreuztal auf „Fehleinschätzungen“ bezüglich des Erdaushubs beruhen. Es sei daher unverständlich, dass der Kreis in Kenntnis der Untersuchungsergebnisse den Fall immer noch nicht an sich gezogen habe.

"Keine rechtswidrige Entscheidung"

Nachfrage im Kreishaus: Dort geht man weiter davon aus, dass die Angelegenheit in der Zuständigkeit der unteren Bauaufsichtsbehörde der Stadt Kreuztal liegt. „Wir gehen auch weiterhin davon aus, dass die Untere Bauaufsichtsbehörde der Stadt Kreuztal keine rechtswidrige Entscheidung getroffen hat“, teilt ein Sprecher mit. Schließlich sei nicht ersichtlich gewesen, dass es sich bei dem Material um Abfall handele. Und weiter: „Unabhängig davon ist darauf hinzuweisen, dass nach den von der Unteren Bauaufsichtsbehörde der Stadt Kreuztal erteilten Genehmigungen im Zuge der Baumaßnahme nur unbelasteter Erdaushub verwendet werden durfte.“ Durch Proben sei nachgewiesen worden, dass das abgelagerte Erdmaterial nicht durchgängig den in der Baugenehmigung gemachten Vorgaben entspreche, daher müsse es zumindest teilweise entsorgt werden. „Hierzu steht die Stadt Kreuztal mit dem Bauherrn in Kontakt.“ Die Stadtverwaltung ließ eine Anfrage der Siegener Zeitung am Montag mit Verweis auf eine Rückmeldung am Dienstag zunächst unbeantwortet.

Autor:

Christian Schwermer (Redakteur) aus Siegen

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