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Globetrotterin strandet in der Heimat
Corona durchkreuzt Kathy Völkels Traum vom Schiff

Mit dem Expeditionsschiff „MS Bremen“ ging Kathy Völkel erstmals auf große Fahrt. Mehrfach führte es die Siegerländerin in die Antarktis.
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  • Mit dem Expeditionsschiff „MS Bremen“ ging Kathy Völkel erstmals auf große Fahrt. Mehrfach führte es die Siegerländerin in die Antarktis.
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

js Buschhütten. Gegen das Fernweh hilft kein Impfstoff. Kathy Völkel weiß das nur zu gut. Seit ihrer Jugend zieht es die in Hilchenbach aufgewachsene Globetrotterin hinaus in die weite Welt. Als Schülerin verbrachte sie ein Austauschjahr in den USA, bereiste Nordamerika noch viele weitere Male. Auch beruflich suchte sie stets den Kontakt über Landes- und Kontinentalgrenzen hinaus – als Key Account Managerin im Vertrieb hatte sie es mit Kunden aus aller Herren Länder zu tun. Ihr Heimathafen blieb das Siegerland – bis die Abenteuerlust sie packte, und Kathy Völkel als Volontärin einer Hilfsorganisation ein Jahr lang in einem Slum in Ecuador einen ganz anderen Blickwinkel auf die Welt einnahm.

js Buschhütten. Gegen das Fernweh hilft kein Impfstoff. Kathy Völkel weiß das nur zu gut. Seit ihrer Jugend zieht es die in Hilchenbach aufgewachsene Globetrotterin hinaus in die weite Welt. Als Schülerin verbrachte sie ein Austauschjahr in den USA, bereiste Nordamerika noch viele weitere Male. Auch beruflich suchte sie stets den Kontakt über Landes- und Kontinentalgrenzen hinaus – als Key Account Managerin im Vertrieb hatte sie es mit Kunden aus aller Herren Länder zu tun. Ihr Heimathafen blieb das Siegerland – bis die Abenteuerlust sie packte, und Kathy Völkel als Volontärin einer Hilfsorganisation ein Jahr lang in einem Slum in Ecuador einen ganz anderen Blickwinkel auf die Welt einnahm. Die Rückkehr nach Deutschland sollte nur von kurzer Dauer sein, denn schon bald sollte es hinausgehen auf große See. Und genau da wäre sie wahrscheinlich auch heute – wenn diese verfluchte Pandemie nicht wäre.

Kathy Völkel lernt auch viel über sich selbst

Abermals habe es sie in die Welt hinausgezogen, erinnert sich die 49-Jährige an ihre Motivation, vor fünf Jahren auf einem Kreuzfahrtschiff anzuheuern. Die Reederei Hapag Lloyd suchte Hostessen für ihr Expeditionsschiff „Bremen“. Kurz entschlossen schickte die abenteuerlustige Siegerländerin ihre Bewerbung ab und wurde angeheuert. Nach einer Fortbildung in Rostock bekam sie ihre Seetauglichkeitsbescheinigung, musste dafür u. a. aus viereinhalb Metern Höhe vollbekleidet ins novemberkalte Hafenbecken springen. „Ich habe dabei auch viel über mich selbst gelernt“, erinnert sich Kathy Völkel.

Kathy Völkel geht als letzte Kreuzfahrtdirektorin ins Logbuch der „MS Astor“ ein.

Ihr erster Einsatz begann im Hafen von Dakar. Nach langer Atlantikpassage erreichte die „MS Bremen“ Ushuaia auf Feuerland – und von dort ging es weiter ins Ewige Eis der spektakulären Antarktis. Als Hostess sei sie dafür zuständig gewesen, dass sich die Passagiere an Bord wohlfühlten. Mit Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis habe sie sich den Gästen gewidmet – musste auf dezente Weise herausfinden, ob diese Anschluss suchten oder lieber für sich sein wollten. „Jeder Passagier soll das Beste für sich aus seiner Reise ziehen.“ Genug bezahlt habe er dafür – schließlich sei das recht kleine Expeditionsschiff nicht zu vergleichen mit einem Kreuzfahrtriesen, auf der „Bremen“ wird exklusiv statt extensiv gereist.

Kathy Völkel führte es mehrfach in die Antarktis

Zweieinhalb Jahre begleitete Kathy Völkel Passagiere in die südlichen Polargebiete, dann aber freute sie sich über ein Angebot, das Veränderung verhieß. Die Reederei TransOcean warb sie ab, die reiselustige Siegerländerin begleitete fortan die „Vasco da Gama“– mit 800 Passagieren schon deutlich größer als die „Bremen“. Als deren Kreuzfahrtdirektor unterwegs kurzerhand ausfiel, musste eine Vertretung her. Die Wahl des Hotelmanagers (er gehört neben dem Captain, dem Staff Captain und dem Forst Engineer zum Chefquartett an Bord) fiel auf Kathy Völkel. „Nein“, war deren erste Reaktion auf die Anfrage. Doch schon bald ließ sie sich umstimmen und wurde zur Vorgesetzten der Hostessen und des Entertainmentteams. „Ich war sehr aufgeregt.“ Plötzlich musste sie ein großes Team führen, regelmäßige Durchsagen machen, Events leiten, Feste eröffnen, auf der Bühne stehen, Programme organisieren und als „wandelndes Infobrett“ an Bord agieren. Zwölf bis 16 Stunden lang waren ihre Arbeitstage, Wochenenden gab es nicht. Drei Monate auf See, dann wieder vier bis fünf Wochen zu Hause – das wurde ihr neuer Lebensrhythmus, den sie später auch auf der „MS Astor“ erlebte – dem 1987 in Dienst gestellten und beinahe baugleichen Nachfolger des ursprünglichen „Traumschiffs“, das mit bis zu 460 Passagieren auf Tour ging. In Anlehnung an ihre „Kollegin“ im TV-Klassiker wurde Kathy spaßeshalber oft „Beatrice“ gerufen.

Als beinahe baugleicher Nachfolger des ersten ZDF-„Traumschiffs“ hatte die 1987 in Betrieb genommene „MS Astor“ ihre treue Fangemeinde.
  • Als beinahe baugleicher Nachfolger des ersten ZDF-„Traumschiffs“ hatte die 1987 in Betrieb genommene „MS Astor“ ihre treue Fangemeinde.
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Corona durchkreuzt alle Pläne

Das ist nun vorbei, sie sollte die letzte Kreuzfahrtdirektorin des Schiffes werden. Corona wurde zum Eisberg der „Astor – und das kurz nachdem sie für ihre erste Weltreise seit Jahren wieder aufgemöbelt worden war. Von Dezember 2019 bis April 2020 war die exklusive Tour angelegt, nur wer von Anfang bis Ende buchte, durfte überhaupt mit an Bord. In Hamburg ging es los, das Silvesterfeuerwerk in Rio de Janeiro war ein unvergessliches, noch völlig unbeschwertes Erlebnis. Weiter führte die Reise durch die Südsee, nach Australien und Südafrika – bis das Virus die Welt eroberte und auch die „Astor“ vom Kurs abweichen musste und zurückgepfiffen wurde in die Hansestadt.
Kathy Völkel war es, die den Passagieren den Abbruch der Reise verkünden musste. „Da hatte ich Tränen in den Augen“, erinnert sie sich an den Bühnenauftritt, auf den sie gern verzichtet hätte. Es folgte 30 Tage an Bord – eine Ewigkeit im Vergleich zu üblichen Fahrplänen mit berechtigter Sorge, dass die Stimmung kippen könnte – und die Rückkehr in eine Welt, die so anders war als die, die das Schiff Monate zuvor verlassen hatte.

Kathy Völkel wohnt seit April in Buschhütten

Kathy Völkel war gezwungen, ihren Anker zu werfen. Seit April wohnt sie in Buschhütten, arbeitet beim Siegener Gesundheitsamt gegen die Ausbreitung des Virus an, das sie den Traumjob gekostet hat. Die Reederei hat die Pandemie nicht überlebt, die „Astor“ kam unter den Hammer. „Niemand hätte es für möglich gehalten, dass sie nicht gerettet würde.“ Dennoch kam es so: In der Türkei wird das einstige Traumschiff verschrottet.
Die Siegerländer „Beatrice“ mag unverschuldet gestrandet sein; das Thema Kreuzfahrt ist für sie aber noch lange nicht vom Tisch. Eines Tages wird sie wieder auf große Fahrt gehen, da ist sie sich sicher. „Die See ruft schon“, schmunzelt sie. „Und ich kann sie deutlich hören.“

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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