Ehepaar Reinders unterstützt seit zehn Jahren
Das Elend in Myanmar lindern

Nicht alle Eltern können sich Gemüse leisten. Viele Kinder müssen den Reis pur essen. Dieses Erlebnis war der Anlass für die Littfelder, Hilfsangebote in die Wege zu leiten.
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  • Nicht alle Eltern können sich Gemüse leisten. Viele Kinder müssen den Reis pur essen. Dieses Erlebnis war der Anlass für die Littfelder, Hilfsangebote in die Wege zu leiten.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

nja Littfeld. Als Doris und Wolfram Reinders während ihres ersten Urlaubs in Myanmar, vormals Burma, eine Gruppe kleiner Kinder sahen, die sich allein von Reis ernährten, weil ihre Eltern sich kein Gemüse leisten konnten, waren sie tief berührt. „Das war ein Schlüsselerlebnis. Wir wussten ziemlich schnell: Hier möchten wir helfen“, sagt die heute 69-Jährige. Zehn Jahre ist diese Begegnung nun her. Aus einer anfänglich sporadischen Unterstützung wurde eine verlässliche Hilfe für Kinder, Kranke und behinderte Menschen des südostasiatischen Staats, die immer weitere Kreise zog. Auch die Corona-Pandemie bringt das ehrenamtliche Engagement nicht zum Erliegen.

Gestrickte Socken sorgen für warme Füße

Das Virus hat aber Auswirkungen. Im Littfelder Eigenheim des Rentnerpaars stapeln sich derzeit über 300 handgestrickte Sockenpaare („Wir brauchen noch etwa 80 Paar in den Größen 30 bis 38“) – Spenden der vielen Unterstützer aus der Region und darüber hinaus. Sie werden von ihrer Freundin Ei aus Myanmar, die mittlerweile in Hannover lebt, beim nächsten Heimatbesuch mitgenommen – und bescheren den kälteempfindlichen Burmesen nachts warme Füße. Grußkarten für die Osterzeit, zu Konfirmation und Kommunion – alles kreativ gestaltete Unikate aus dem Hause Reinders – fanden wegen der Pandemie keine Abnehmer, da Basare und Vortragsabende ausfielen, und füllen nun viele Kartons: „Wir freuen uns, wenn es endlich wieder losgeht und wir den Menschen von unseren Projekten in Myanmar berichten können: Auch, um den Spendern zu zeigen, was mit ihren Gaben geschafft wurde“, sagen die Littfelder, die den Spendennachweis sehr genau nehmen. Wolfram Reinders (77) ist gewissermaßen vom Fach: Bis zum Ruhestand leitete er das Marketing der damals noch eigenständigen Stadtsparkasse Kreuztal.

Paar unterstützt etliche Projekte in Myanmar

58 000 Euro hat das Ehepaar in der vergangenen Dekade in Myanmar ausgegeben – ohne die Gastgeschenke, die auf ihren Reisen gerne mal die Koffer komplett füllten. Die Projekte wurden im Laufe der Jahre immer zahlreicher: Unterstützt werden mittlerweile das christlich geführte Heim für schwerst-mehrfachbehinderte Menschen in Taunggyi auf 1800 Metern Höhe, die buddhistische Mittelpunktschule für 1000 Kinder aus der Umgebung von Taunggyi samt Internat, ein christliches Heim für Aids-Waisen an der Küste in Kyaikhami, ein christliches Heim für 35 Waisenkinder im Delta-Überschwemmungsgebiet, eine Krankenstation für Arme in Yangon und seit vergangenem Jahr auch eine Leprastation für 85 Erkrankte und deren Angehörige in Loilem. Ruhestand sieht anders aus …

Corona verhindert Reise

2016 berichtete die SZ das bislang letzte Mal über die Projekte. Einiges von dem, was sich seither getan hat, fassten die Littfelder nun zusammen – zumal ja nun in diesem Jahr so gut wie keine Vorträge stattgefunden haben und ihnen Transparenz am Herzen liegt. Das letzte Mal vor Ort waren Reinders’ im Februar 2019; für diesen Herbst war eigentlich der nächste Flug gebucht. Aber das Virus lässt diesen Traum platzen.

Brunnen, Medizin, Bastelmaterialien

Das Behindertenheim bekam eine Brunnenanlage samt Verteilersystem, einen Dentalstuhl und 2019 nach einem starken Monsunregen ein neues Dach. Die Krankenstation erhielt vor allem immer wieder Medizin, aber auch Kleidung und Bastelmaterialien. Letztere beglücken auch regelmäßig die Jungen und Mädchen im HIV-Kinderheim, die sich zudem über Briefe und Geschenke ihrer Paten freuen.
Die Leprastation wurde im Vorjahr erstmals besucht. Im Gepäck: u. a. 85 warme Anoraks, 50 Paar Socken, zwölf Sack Reis. 2020 gab es Geld für eine neue Toilettenanlage der Krankenstation. All dies wurde über Spenden ermöglicht.

"1000 Bäume für 1000 Kinder"

Aus Anlass ihrer Silberhochzeit in diesem Jahr haben sich Doris und Wolfram Reinders für die Mittelpunktschule etwas Besonderes einfallen lassen: „1000 Bäume für 1000 Kinder“, lautet das Projekt. Nachhaltigkeit liegt ihnen am Herzen, und so überzeugten sie den Abt, der regelmäßig um Milchpulver bat, stattdessen auf frisches Obst aus eigener Ernte zu setzen. Ob Jackfrucht, Avocado, Lychee oder Mango: Jedes Kind umsorgt nun sein eigenes Pflänzchen. „Wir haben jeweils Größen besorgt, die schon heute oder zumindest recht bald Früchte tragen.“

Geben beschert viel Freude

Früchte trägt das Engagement der Littfelder auch im übertragenen Sinn: „Wir haben erlebt, wie Menschen in schlimmer Armut, jetzt aber in würdigen Umständen leben. Wie aus ausgesetzten Säuglingen mit HIV quirlige und fröhliche Kinder werden. Wie junge Leute eine berufliche Chance erhalten, zu studieren beginnen. Das ist schön anzusehen. Es bereitet immer noch viel Freude!“ Dank sozialer Medien stehe man auch in pandemischen Zeiten in regem Austausch – so gut wie täglich. Anja Bieler-Barth

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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