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Zwei Baujahre - ein Haus
Das Haus Stöcker steht jetzt im Museum

Ein emotionaler Tag für Jutta Fick aus Littfeld. Sie wurde 1950 im „Haus Stöcker“ geboren und hat dort ihre ersten knapp neun Lebensjahre verbracht. „Da oben war mein Zimmer“, erinnert sie sich. Das 1797 erbaute Fachwerkhaus ist nunmehr im Siegerland-Weiler des Detmolder Freilichtmuseums zu bestaunen.
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  • Ein emotionaler Tag für Jutta Fick aus Littfeld. Sie wurde 1950 im „Haus Stöcker“ geboren und hat dort ihre ersten knapp neun Lebensjahre verbracht. „Da oben war mein Zimmer“, erinnert sie sich. Das 1797 erbaute Fachwerkhaus ist nunmehr im Siegerland-Weiler des Detmolder Freilichtmuseums zu bestaunen.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Christian Völkel

nja  Burgholdinghausen. „Da oben wurde ich 1950 geboren und hinter dem Fenster links war mein Zimmer“, sagt Jutta Fick, zeigt auf die Fachwerkfassade eines stattlichen Hauses, das nun gewissermaßen zwei „Baujahre“ hat – 1797 und 2021. Die Littfelderin ist gerührt und aufgeregt. Wer hätte das gedacht, dass sie ihr Zuhause, in dem sie die ersten Lebensjahre in Burgholdinghausen verbracht hat, mehr als ein halbes Jahrhundert später noch einmal betreten würde – im fernen Detmold. Noch dazu in fast dem gleichen Zustand wie damals. Das Freilichtmuseum Detmold des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) hat dies möglich gemacht. Die Feier zu seinem 50. Geburtstag wurde am Sonntag mit der Eröffnung von „Haus Stöcker“ verknüpft: Großer Bahnhof für den Siegerland-Weiler in Ostwestfalen.

nja  Burgholdinghausen. „Da oben wurde ich 1950 geboren und hinter dem Fenster links war mein Zimmer“, sagt Jutta Fick, zeigt auf die Fachwerkfassade eines stattlichen Hauses, das nun gewissermaßen zwei „Baujahre“ hat – 1797 und 2021. Die Littfelderin ist gerührt und aufgeregt. Wer hätte das gedacht, dass sie ihr Zuhause, in dem sie die ersten Lebensjahre in Burgholdinghausen verbracht hat, mehr als ein halbes Jahrhundert später noch einmal betreten würde – im fernen Detmold. Noch dazu in fast dem gleichen Zustand wie damals. Das Freilichtmuseum Detmold des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) hat dies möglich gemacht. Die Feier zu seinem 50. Geburtstag wurde am Sonntag mit der Eröffnung von „Haus Stöcker“ verknüpft: Großer Bahnhof für den Siegerland-Weiler in Ostwestfalen.
Begleitet wird Jutta Fick an diesem bedeutenden Tag von der Familie, darunter auch Cousine Ursula Becker geborene Schmidt, die 1945 für zwei Jahre in Haus Stöcker gelebt hat. „Das macht mich schon ein bisschen fertig“, beschreibt diese ihre Gefühle nach dem ersten Gang durch ihr früheres Zuhause. „Was mir fehlt, sind die dicken Spinnen in den Ecken.“

Gang durch das frühere Zuhause

Ein Film läuft im Eingangsbereich, Jutta Fick sieht Fotos aus ihrer Kindheit und hört, wie ihre im vergangenen Oktober verstorbene Mutter vom Leben in jenem Haus erzählt, das der Kaufmann und Viehhändler Benjamin Moses 1797 am Burgholdinghausener Weiher auf einem vor Bodennässe schützenden Bruchsteinsockel gebaut hatte. Dr. Hubertus Michels, Bauhistoriker des LWL-Museums, hebt die Bedeutung hervor: Gilt „Haus Stöcker“ doch als der erste nachweisbare Hausbau eines Juden im Gebiet des heutigen Kreises Siegen-Wittgenstein, Benjamin Moses zudem als der erste Mensch jüdischen Glaubens, der sich nach den mittelalterlichen Vertreibungen im Fürstentum Nassau-Siegen niederließ (die SZ berichtete).

Holztreppe im Original erhalten

Die Holztreppe ins Obergeschoss ist im Original erhalten.
„Wer hier im Haus gewohnt hat seit 1797, der ist über diese Stufen gegangen“, sagt Dr. Michels. Von 1860 bis 1958 lebten Generationen der Familie Stöcker in dem Gebäude. Die heute 71-jährige Littfelderin Jutta Fick verbrachte hier ihre ersten knapp neun Lebensjahre mit Mutter Annette, Vater Herbert und Oma Pauline. Der Vater war Postschaffner, Mutter und Oma sorgten sich um die Nebenerwerbslandwirtschaft, um Acker, Grünland, Wirtschaftsgarten und das Vieh – letzteres „in Stallungen mit im Haus untergebracht“, so Dr. Michsel. Mit ihrem Auszug endet die Ära der Stöckers in dem Fachwerkbau.

Wer hier im Haus gewohnt hat, ist über diese Holztreppe ins Obergeschoss gegangen.
Dr. Hubertus Michels
LWL-Bauhistoriker

Die Inneneinrichtung – wie sie nun zu sehen ist – zeugt von der harten Arbeit, aber auch den kleinen Freuden, die sich die Familie leistet. Dazu zählen ein Röhrenfernseher – damals keine Selbstverständlichkeit – und elektrische Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Kühlschrank und Herd. Erzählt wird in der (auch multimedialen) Ausstellung auch von der Dynamik des ländlichen Südwestfalen.
Stein für Stein, Balken für Balken wurde das Haus 1963 von den Detmolder Experten zerlegt, damit für die Nachwelt gesichert und ab 2018 akribisch restauriert und wieder aufgebaut. Dabei wurden auch Spuren von Mesusa-Kapseln entdeckt – Schriftkapseln, die an den rechten Türpfosten eines jeden Zimmers angebracht werden. Auf Pergament enthielten sie Verse aus der hebräischen Thora – eine Art Segenswunsch.

Zerlegt und wieder aufgebaut

Wie war der Kontakt damals eigentlich zustandegekommen? Die Tochter des Heimatdichters Adolf Wurmbach arbeitete im Museum und brachte den Stein ins Rollen.
Dass Jutta Ficks Eltern leidenschaftliche Fotografen waren, erwies sich als Glück für die Historiker, die so auf einen reichen Bilder-Fundus zurückgreifen konnten, um Wohnstuben, Küche, Stall, Waschküche und Estrichkammer für die Vorräte möglichst detailgetreu im Stile der 1950er- und -60er-Jahre einzurichten. Zum Teil mit Deko und Mobiliar der Familie. Das hölzerne Plumpsklo muss aber wohl noch einmal „angepackt“ werden.
„Wir hatten einen Porzellantrichter“, erinnert sich Jutta Fick, die mindestens fünf Runden durch ihr früheres Zuhause dreht: „Das alles weckt nicht nur Erinnerungen, sondern auch Emotionen.“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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