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Littfelder Ehepaar Reinders bangt um Leben der Freunde in Myanmar
"Das ist alles so schrecklich"

Ein Bild aus glücklicheren Zeiten: Wolfram und Doris Reinders reisten regelmäßig nach Myanmar, um den Kontakt mit den Ordensschwestern, Heimen, Klinik, Schule und Leprastation zu halten und Spenden  auch aus der heimischen Region persönlich zu übergeben. Das Foto zeigt sie mit Schwester Moni Oo aus dem Behindertenheim in Taunggyi.
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  • Ein Bild aus glücklicheren Zeiten: Wolfram und Doris Reinders reisten regelmäßig nach Myanmar, um den Kontakt mit den Ordensschwestern, Heimen, Klinik, Schule und Leprastation zu halten und Spenden auch aus der heimischen Region persönlich zu übergeben. Das Foto zeigt sie mit Schwester Moni Oo aus dem Behindertenheim in Taunggyi.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

nja Littfeld. „Wir sind sehr traurig, Das ist alles so schrecklich. Die Nachrichten vom Militärputsch in Myanmar gehen uns an die Seele! Wir sind in großer Sorge um unsere Freunde und die Kinder in den Heimen, die Menschen der Leprastation und Patienten im Krankenhaus. Wir haben zum Teil seit 14 Tagen keinen Kontakt mehr“: Doris und Wolfram Reinders sind erschüttert. Der Putsch am 1. Februar, eskalierende Polizeigewalt und Massendemonstrationen – weltweit wird die sehr instabile Lage des südostasiatischen Staates mit Besorgnis beobachtet. Meist aus der Ferne, mit Distanz. Für das Littfelder Ehepaar aber rücken die Not und Angst vieler Menschen dort ganz nah an ihr Leben heran.

nja Littfeld. „Wir sind sehr traurig, Das ist alles so schrecklich. Die Nachrichten vom Militärputsch in Myanmar gehen uns an die Seele! Wir sind in großer Sorge um unsere Freunde und die Kinder in den Heimen, die Menschen der Leprastation und Patienten im Krankenhaus. Wir haben zum Teil seit 14 Tagen keinen Kontakt mehr“: Doris und Wolfram Reinders sind erschüttert. Der Putsch am 1. Februar, eskalierende Polizeigewalt und Massendemonstrationen – weltweit wird die sehr instabile Lage des südostasiatischen Staates mit Besorgnis beobachtet. Meist aus der Ferne, mit Distanz. Für das Littfelder Ehepaar aber rücken die Not und Angst vieler Menschen dort ganz nah an ihr Leben heran. Seit elf Jahren – die SZ berichtete immer wieder darüber – unterstützen sie Kinder, Kranke und behinderte Menschen.
„Wir haben in der ersten Woche noch per Messenger-Dienst von Facebook Winterbilder und kleine, wirklich unverfängliche Texte schicken können. Ob sie noch angekommen sind, wissen wir nicht. Nun hatte eine der Ordens-Schwestern Geburtstag. Sie hat sich nach sechs Tagen – völlig unüblich – noch nicht gemeldet“. Doris Reinders feierte diese Woche ihren „70.“. „Normalerweise bekommen wir von ihr zu unseren Geburtstagen ein Foto samt Glückwünschen via Facebook: Sie zündet dann immer die Caritas-Kerzen an, die wir ihnen mitgebracht haben. In diesem Jahr: Funkstille!“

Am Mittwoch kam die erste SMS

Ehepaar Reinders unterstützt ein christlich geführtes Heim für schwerst-mehrfachbehinderte Menschen in Taunggyi auf 1800 Metern Höhe, eine buddhistische Mittelpunktschule für 1000 Kinder aus der Umgebung von Taunggyi samt Internat, ein buddhistisches Heim für Aids-Waisen in Kyaikhami, ein christliches Heim für 35 Waisenkinder im Delta-Überschwemmungsgebiet, eine Krankenstation für Arme in Yangon und auch eine Leprastation für 85 Erkrankte und deren Angehörige in Loilem. Diese Häuser erhalten sehr wenige Spenden aus der Bevölkerung, wissen sie. Wie es den Menschen jetzt geht – darüber können sie seit Wochen nur spekulieren.

Das Littfelder Ehepaar Reinders (rechts im Bild Wolfram Reinders) steht eigentlich in engem Kontakt zu den Hilfsprojekten, die es  unterstützt und auch regelmäßig besucht hat. Viele Freundschaften sind entstanden. Nun bangen die Littfelder um das Wohl der Menschen dort.
  • Das Littfelder Ehepaar Reinders (rechts im Bild Wolfram Reinders) steht eigentlich in engem Kontakt zu den Hilfsprojekten, die es unterstützt und auch regelmäßig besucht hat. Viele Freundschaften sind entstanden. Nun bangen die Littfelder um das Wohl der Menschen dort.
  • Foto: privat
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Kurz vor dem SZ-Anruf am Mittwochmittag war – endlich – eine SMS in Myanmar und eine Rückmeldung angekommen. „Unsere Kontaktperson versucht nun, im Behindertenheim vorbeizuschauen – zu prüfen, ob die Kinder genug zu essen haben. Wir haben noch genug Geld vor Ort, um ihre Ernährung bis auf Weiteres zu sichern.“ Die Bewohner könnten zwar vorerst über einen kleinen Gemüsegarten mit dem Notwendigsten versorgt werden – aber nicht auf Dauer. „Es fehlen aber Eiweiß, Reis, Öl ...“ Ob die Freundin zu ihnen vordringen kann? Wolfram Reinders: „Direkt gegenüber liegt ein großes Militärlager. Das kann also schwierig werden.“

An einen Militärputsch dachte in diesen - noch glücklichen  - Zeiten noch niemand.

Die vom Militär verhängten Ausgangssperren in Yangon bereiten ebenfalls große Bauchschmerzen; dort unterstützen sie eine Klinik: „Um Medikamente zu bekommen, müssen die Menschen in die Stadt. Und dazu haben sie jetzt keine Chance“, sorgt sich Ehepaar Reinders. Das Leprahaus sei Gott sei Dank weit ab „vom Schuss“, wobei dieser Begriff auf traurige Weise eine ganz neue Bedeutung erhalten hat: „Die können sich selbst versorgen. Von der Schule wissen wir auch gar nichts. Sie liegt im Sperrgebiet. Dort traut sich niemand hin.“

Kaum verlässliche Informationen

Die engagierten Littfelder versuchen immer wieder, über viele unterschiedliche Quellen an verlässliche Informationen über die Lage in Myanmar zu gelangen. In der Kurznachricht einer ihrer Kontaktpersonen vom Mittwochmittag war von großer Verzweiflung zu lesen. Sie wisse von 50 Kindern, die getötet worden seien. Am Wochenende hätten sich junge Demonstranten vor dem Militär in einer katholischen Kirche in Sicherheit gebracht. „Die Soldaten brachen die Türschlösser auf und verhafteten sie.“ Die Menschen bastelten sich Schutzwesten aus Autoreifen, Schutzschilde aus Fässern ...

Doris Reinders bastelt unermüdlich, um Spenden für Myanmar zu erhalten. Heiß begehrt sind z. B. ihre individuellen Glückwunschkarten.
  • Doris Reinders bastelt unermüdlich, um Spenden für Myanmar zu erhalten. Heiß begehrt sind z. B. ihre individuellen Glückwunschkarten.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

Spenden statt Geschenke – dies ist seit elf Jahren der Appell von Doris und Wolfram Reinders an ihre Freunde und Verwandten. Auch in diesem Jahr wurde er erhört. Die Littfelder sehnen den Tag herbei, an dem das Scheitern des Militärputschs und die Wiedereinsetzung der zuvor demokratisch gewählten Regierung verkündet wird. Die Nachrichten, die derzeit das Licht der Weltöffentlichkeit erreichen, sprechen aber leider noch eine andere Sprache.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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