Dem Wortwitz auf der Spur

Jugendbuchautor Noack las in Stadtbücherei und Realschule

Kreuztal. Ein begeisterter Geschichtenerzähler war in der Stadtbibliothek in der Gelben Villa zu Gast: Kinder- und Jugendbuchautor Hans-Georg Noack las aus seinen Werken. Auf Einladung von Stadtbibliothekarin Kirstin Krässel und der Ernst-Moritz-Arndt-Realschule Kreuztal war der gebürtige Magdeburger, Jahrgang 1926, hergekommen. Er hat bereits 28 Bücher geschrieben, schaffte schon in den 60ern seinen schriftstellerischen Durchbruch mit „Hautfarbe Nebensache” und zählt mit seinem Jugenddrama „Rolltreppe abwärts” über das Scheidungskind Jochen zu den beliebtesten Autoren im Deutschunterricht der Mittelstufen. Noack ist viel herumgekommen, hat eine Menge zu erzählen. Und das macht er so spannend und einnehmend, dass eine Stunde wie im Flug vergeht, bevor er überhaupt mit der eigentlichen Lesung beginnt. Zunächst erklärte er den Zuhörern, nachdem ihn Michael Jung als Fachvorsitzender Deutsch der Realschule begrüßt hatte, mit welchem Hintergrund er seine Bücher schreibt. „Wenn ein Buch jemanden ein bisschen schlauer oder nachdenklicher macht, dann hat es seinen Zweck erfüllt”, sann er über den pädagogischen Stellenwert von Literatur nach. Er halte die Mär von den lesefaulen Jugendlichen für Blödsinn, seine Nachfragen in den Schulen vermittelten ihm ein anderes Bild, trotz Computer und Handy.

Durch Literatur lernen

„Wir brauchen keinen pädagogischen Zeigefinger, wenn wir Bücher verfassen”, meinte Noack, wohl wissend, dass eine ganze Reihe deutscher Kinder- und Jugendbuchautoren von Haus aus Lehrer sind. Durch Literatur könnten junge Menschen lernen, wie man an eine Sache herangehen kann, auch wenn sie nicht demonstrativ mit dem erzieherischen Mahnfinger winke. Weit mehr als die Schule könne das Elternhaus darauf hinwirken, das Medium Buch als eine Selbstverständlichkeit im Tagesablauf erscheinen zu lassen, etwa durch abendliches Vorlesen oder Geschichten erzählen. Um den Umgang mit Büchern ging es auch in jenem kurzen Abschnitt, den das Ehrenmitglied der Schülermannschaft im Ost-Berliner Eishockeyclub aus „Rolltreppe abwärts” vorlas. Der abendlichen Lesung folgte anderntags ein Besuch der Realschule mit Vorlese-Stunde in der Jahrgangsstufe 7. Der leidenschaftliche Schriftsteller mit Sinn für Wortwitz und Statistiken präsentierte ferner Szenen aus seinen „Lesungen”, darunter „Mit Malzbonbons und Rohrstock”. Hierin erinnerte er an seine eigene Grundschulzeit. Dem Ich-Erzähler obliegt die Aufgabe, seine 35 Mitschüler bis zum Eintreffen des Lehrers in Schach zu halten und per Kreidestrich jeden zu vermelden, der nicht still gewesen ist. Dieses Machtspiel wird ihm zum Verhängnis, als er es übertreibt, und lässt sein ausgeklügeltes System von Belohnung mit Malzbonbons und Verrat an den Lehrer zusammenbrechen.

Den Menschen nicht klein werden lassen

In „Hinter dem Komma” erzählte Noack vom täglichen Schülerkampf um Notendurchschnitt und Versetzungszeugnisse. An die Lehrer im Raum appellierte er, hinter den Nachkommastellen nicht den Menschen ganz klein werden zu lassen. Gebannt verfolgten die Anwesenden seine Lesung und ahnten, was er mit seinem Satz aus „Rolltreppe abwärts” meinte: Dass ein Autor jemand ist, der es versteht, den Staub von den Buchstaben zu klopfen, dass sie wie neu sind. sib

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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