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Baumstumpf-Künstlerin muss Werke entfernen
Den Waldbesitzern wird’s zu bunt

Schweren Herzens kommt Lina Dolge der Bitte der Eigentümer nach, ihre zahlreichen Waldskulpturen
zu entfernen.
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  • Schweren Herzens kommt Lina Dolge der Bitte der Eigentümer nach, ihre zahlreichen Waldskulpturen
    zu entfernen.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

js Kreuztal.  Den Anfang machte „Dolli“. Der bauchige Baumstumpf unterhalb der Grube Brüche bei Müsen hatte es Lina Dolge vor acht Jahren angetan. Rasch ließ sich die Kreuztalerin von den natürlichen Formen des Fichtenstamms inspirieren. Es folgte ein paar handwerkliche Griffe, ein wenig dekoratives Geschick – schon war ein mondgesichtiger Hingucker am Wegesrand geschaffen und der Grundstein gelegt für ein Hobby, das für Gesprächsstoff sorgte und für die heute 68-Jährige zur Leidenschaft wurde. Im Laufe der Zeit verlieh die Krankenschwester im Ruhestand dem Wald rund um den Kindelsberg immer mehr Gesicht.

Jetzt aber ist Schluss mit lustig.

js Kreuztal.  Den Anfang machte „Dolli“. Der bauchige Baumstumpf unterhalb der Grube Brüche bei Müsen hatte es Lina Dolge vor acht Jahren angetan. Rasch ließ sich die Kreuztalerin von den natürlichen Formen des Fichtenstamms inspirieren. Es folgte ein paar handwerkliche Griffe, ein wenig dekoratives Geschick – schon war ein mondgesichtiger Hingucker am Wegesrand geschaffen und der Grundstein gelegt für ein Hobby, das für Gesprächsstoff sorgte und für die heute 68-Jährige zur Leidenschaft wurde. Im Laufe der Zeit verlieh die Krankenschwester im Ruhestand dem Wald rund um den Kindelsberg immer mehr Gesicht.

Jetzt aber ist Schluss mit lustig. Nachdem die Population der drolligen Waldskulpturen insbesondere im vergangenen Jahr deutlich zugelegt hatte, wurde es den Waldbesitzern dann doch zu bunt. Und das ist durchaus im wörtlichen Sinne zu verstehen: Dass Lina Dolge für ihre phantasievollen Kreaturen nicht gerade auf Materialien aus der Natur, sondern vielmehr auf Recycling von Dosen und Deckeln aus Metall und Kunststoff setzt, kam nicht bei jedem Beobachter gleich gut an. Daher baten die Waldbesitzer Lina Dolge zu einem freundlichen, aber durchaus klärenden Gespräch.

Ein Vorschlag zur Güte

Die Eigentümer hätten sie darum gebeten, ihre Kunstwerke wieder zu entfernen. Insbesondere die grellen und auffälligen Farben passten nicht in den Wald – auch farbenfrohe Planen zur Abdeckung von Holzstapeln seien schließlich nicht gestattet. Mit dem Holzhammer sind die Waldbesitzer dabei nicht angerückt, vielmehr haben sie versucht, Lina Dolge eine Alternative zu bieten. An den Rändern zweier Wegesabschnitte, so der Vorschlag zur Güte, dürfte ihre sie Figuren zur Schau stellen – aber eben aus Natur- und Holzmaterial, ohne leuchtend bunten Anstrich.

Lina Dolge hat über das Angebot nachgedacht – am Ende entschied sie sich aber doch dagegen. „Mit diesen Vorgaben kann ich mich nicht ausleben, das bin dann nicht mehr ich“, berichtet sie. Daher habe sie sich schweren Herzens dazu entschlossen, nach und nach all ihre Tierchen, Monsterchen und Fabelwesen aus dem Wald und damit aus der Welt zu schaffen. Mindestens 42 Kreaturen gilt es zu entfernen. Nach und nach geht die 68-Jährige nun die Wege ihres Spazierreviers ab – jeden Tag ist sie 10 Kilometer und mehr unterwegs in den Wäldern von Kindelsberg und Martinshardt – und hat dabei stets Abfalltüte und Abbruchwerkzeug im Gepäck.

„Das fällt mir wirklich nicht leicht“

„Das fällt mir wirklich nicht leicht“, berichtet Lina Dolge der Siegener Zeitung, als sie gerade dem bärtigen „Foxli“ an der Rodenull an den Kragen geht, dem Nachbarn von Maus „Micky“ und Hase „Barney“. „Natürlich akzeptiere ich die Einwände der Waldbesitzer.“ Dass der Abbau für sie nicht nur körperlich anstrengend ist, sondern vor allem auch emotional, das ist eine sehr persönliche Geschichte. Eine Reihe von Trauerfällen in der Familie hat sie in den Wald getrieben – nachdem im vergangenen Jahr ihr Mann verstarb, mit dem sie ihre Liebe zum Wald teilte, habe sie dann besonders viele Figuren geschaffen, die kreative Ader hatte therapeutische Wirkung. „Es war für mich eine schöne Ablenkung, die mich wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht hat.“ Vermutlich habe sie ein wenig übertrieben, räumt sie ein und zuckt mit den Schultern.

Riesen-Resonanz auf Facebook

Was ihr bleibt, ist die Erinnerung an die humorvoll gestalteten Waldbewohner, die sie allesamt fotografisch festgehalten hat. Und die Hoffnung, dass sich vielleicht irgendwo ein Eigentümer findet, der sich in seinem Forst über Lina Dolges Werke freuen würde. Dass nicht nur sie selbst Spaß hat an ihren Schöpfungen, zeigt die Resonanz auf Facebook. Dort hat Lina Dolge vor einigen Tagen verkündet, dass sie „Dolli“ und Familie abbauen würde. Zahlreiche Nutzer sprachen ihr Bedauern aus. „Das hat mir gut getan.“

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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