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Widerstand gegen die Pläne von Amprion
Denkmäler im Heestal in Gefahr?

Davor hat das Heestal Angst: Die heutigen Masten sollen gemäß Amprion-Planung dreimal so hohen Gittergiganten weichen.
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  • Davor hat das Heestal Angst: Die heutigen Masten sollen gemäß Amprion-Planung dreimal so hohen Gittergiganten weichen.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

js Junkernhees. Das Kopfschütteln über die Planungsunterlagen der Firma Amprion für die Höchstspannungstrasse durch Sauer- und Siegerland nimmt kein Ende im Heestal. Mehrfach schon hat die Bürgerinitiative (BI) Junkernhees auf strittige Punkte hingewiesen, beim Erörterungstermin in Attendorn gab die Bezirksregierung Arnsberg dem Netzbauunternehmen Ende 2018 zahlreiche Hausaufgaben zum Nacharbeiten mit auf dem Weg – darunter auch die zuvor stiefmütterlich vernachlässigte Betrachtung der Baudenkmäler im Heestal. Wie genau würde sich die 380-kV-Trasse samt Umspannwerk auf das Ensemble um Schloss Junkernhees (mit Brauhaus und Mühle) und die denkmalgeschützten Gebäude in Hof Wurmbach (Mittelhees) auswirken? Was würde sie mit der mehrere Jahrhunderte alten Kulturlandschaft machen?

js Junkernhees. Das Kopfschütteln über die Planungsunterlagen der Firma Amprion für die Höchstspannungstrasse durch Sauer- und Siegerland nimmt kein Ende im Heestal. Mehrfach schon hat die Bürgerinitiative (BI) Junkernhees auf strittige Punkte hingewiesen, beim Erörterungstermin in Attendorn gab die Bezirksregierung Arnsberg dem Netzbauunternehmen Ende 2018 zahlreiche Hausaufgaben zum Nacharbeiten mit auf dem Weg – darunter auch die zuvor stiefmütterlich vernachlässigte Betrachtung der Baudenkmäler im Heestal. Wie genau würde sich die 380-kV-Trasse samt Umspannwerk auf das Ensemble um Schloss Junkernhees (mit Brauhaus und Mühle) und die denkmalgeschützten Gebäude in Hof Wurmbach (Mittelhees) auswirken? Was würde sie mit der mehrere Jahrhunderte alten Kulturlandschaft machen?

Ein Heestal, zwei Meinungen

Alles halb so wild: So zumindest lesen sich die zentralen Passagen im von Amprion vorgelegten Gutachten. Falsch und verharmlosend, findet hingegen die Stadt Kreuztal in ihrer vor einigen Tagen abgegebenen Stellungnahme. Stadtplanerin Petra Kramer wirft dem Amprion-Gutachten vor, nur einzelne Aspekte zu betrachten und dabei den Blick für Gesamtzusammenhänge zu verlieren.
Die Stadt Kreuztal verfüge über zwei Naherholungsgebiete, die von Einheimischen und Auswärtigen gern und oft genutzt würden – den Kindelsberg und das Heestal. Letzteres sei wegen seiner Barrierefreiheit generationenübergreifend geeignet und habe somit eine besondere Bedeutung für die Kommune.

Stadt Kreuztal: Bedeutung wird kleingeredet

Prominent ist auch die Rolle des Schlosses Junkernhees, mit seinen fast 500 Jahren samt „Nebengebäuden eines der ältesten und bedeutsamsten bis in die Gegenwart erhalten gebliebenen weltlichen Baudenkmäler im Kreis Siegen-Wittgenstein“. Dieses Zitat stammt aus der Amprion-Betrachtung. Dennoch werde mehrfach versucht, die Bedeutung und Wirkung des Schlosses kleinzureden, bemängelt die Stadt. „Das ist inakzeptabel.“

Visualisierungen reichen Stadt nicht aus

Sollte die umstrittene Umspannanlage in Junkernhees gebaut werden, komme es „zu geringen funktionalen Auswirkungen“, sagt der Gutachter. Die Stadt sieht diese Bewertung als falsch an, insbesondere angesichts des nur 15-prozentigen Anteils von Grünland im Stadtgebiet. Um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie sich die geplanten Höchstspannungsmasten und -leitungen sowie das Umspannwerk optisch auswirken würden, hat Amprion auf Drängen der Bürgerinitiativen Visualisierungen vorgelegt. Diese sind laut Stadt „unvollständig“. Zudem fehle die Angabe der genutzten Brennweite – offenbar sei vielfach mit einem Weitwinkel gearbeitet worden. Dennoch sei eine „erdrückende Wirkung der geplanten Höchstspannungsfreileitung erkennbar“.

"Amprion verharmlost die Veränderungen"

Anders als der Gutachter sehe die Stadt die Auswirkungen von Leitung und Umspannwerk auf das Schloss nicht als geringfügig an. Durch „systematisches Nachjustieren“ einzelner Stellschrauben verharmlose Amprion das wirkliche Maß der drohenden Veränderungen für das Heestal. „Die Untersuchung in der vorliegenden Form kann als Versuch gewertet werden, das Unbegründbare zu begründen bzw. etwas als harmlos und gut machbar anzupreisen, was bei objektiver Betrachtung als zerstörerisch für verschiedene Schutzgüter anzusehen ist.“
Die Stadt schließt sich einer genauen Ausarbeitung von Christian Gerhard an, der für den Verein zur Erhaltung von Schloss Junkernhees in einer eigenen ausführlichen Stellungnahme die Bedeutung der Kulturlandschaft Heestal darlegt. Auch Gerhard prangert an, dass das Amprion-Gutachten den Gesamtkontext der einzelnen kulturhistorischen Hinterlassenschaften ausblendet.

BI Junkernhees vermisst "blaue Linie" 

Die BI Junkernhees, die beide Stellungnahmen vollinhaltlich trägt, bemängelt darüber hinaus, dass Amprion die schon fortgeschrittene Planung der mit den BIs Junkernhees und Meiswinkel erarbeiteten Alternativ-Trasse („blaue Linie“) nicht mitberücksichtige. Auch die inzwischen abgeänderte Mastform (von Donau- auf schmalere, aber höhere Tonnenmasten) spielt im Gutachten keine Rolle.
„Die von der Vorhabenträgerin vorgebrachten Visualisierungen sind sehr fragwürdig.“ Der größte geplante Mast werde beispielsweise geschickt hinter einem Baum versteckt. Daher haben die Junkernheeser eigene Visualisierungen erstellt, die die geplanten Dimensionen der Masten und die Wirkung auf das Tal und seine Baudenkmäler realistischer verdeutlichen sollen. Die BI spricht von einer bewussten Täuschung und fordert die Genehmigungsbehörde auf, die Unterlagen „endlich vernünftig zu prüfen“ und selbst neutrale Gutachter zu bestellen.

BI fürchtet Zerstörung der Kulturlandschaft

Die Amprion-Pläne, so verdeutlichten am Dienstag Sascha Reller, Ansgar Klein sowie Helga und Christian Käberich von der BI Junkernhees, würden das Tal industrialisieren und den Erhalt sowie eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung der prägnanten Baudenkmäler wie den Backes von Hof Wurmbach unmöglich machen. Zur Verdeutlichung der Dimensionen hat die BI am Beispiel des größten – nah am Schloss stehenden – Mast gerechnet: Er soll dreimal so hoch werden wie die bestehenden, die Grundfläche wachse auf das fast 26-Fache, das Volumen auf das 72-Fache.
„500 Jahre lang ist es gelungen, die Kulturlandschaft zu erhalten“, betonte Sascha Reller. „Und jetzt soll sie für eine veraltete, fragwürdige Technik für viele Jahrzehnte zerstört werden?“

Davor hat das Heestal Angst: Die heutigen Masten sollen gemäß Amprion-Planung dreimal so hohen Gittergiganten weichen.
So könnte das Heestal nach Umsetzung der Amprion-Pläne aussehen.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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