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Zum Welt-Parkinson-Tag: Eine Betroffene erzählt
Der Kampf mit der unheilbaren Krankheit

So freundlich in die Kamera zu lächeln, fällt Marianne Stracke-Schenk nicht leicht, denn sie leidet – wie viele andere Betroffene auch – unter einer „eingefrorenen“ Gesichtsmimik.
  • So freundlich in die Kamera zu lächeln, fällt Marianne Stracke-Schenk nicht leicht, denn sie leidet – wie viele andere Betroffene auch – unter einer „eingefrorenen“ Gesichtsmimik.
  • Foto: Alexandra Pfeifer
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

ap Kreuztal. „Der Honeymoon ist vorbei“, sagt Marianne Stracke-Schenk. Seit über 13 Jahren lebt sie nun schon mit der Diagnose. Anfangs habe sie gut damit leben können, versichert sie. „Aber irgendwann wird es einfach anders. Und Corona legt sogar noch einen nach.“ Die vielen Stürze sowie ein Schienbeinbruch hätten ihren Teil dazu beigetragen, dass es ihr heute schlechter geht als noch vor ein paar Jahren. „Parkis fallen gerne“, erklärt sie. Deshalb könne sie ohne ihren Rollator gar nicht mehr das Haus verlassen. Der gebe ihr Sicherheit, sagt sie. Denn auch Schwindel und Gleichgewichtsstörungen seien typische Begleiterscheinungen der Krankheit.
„Manchmal fehlen mir einfach die Worte“Von ihrem Alltag zu erzählen, fällt der 64-jährigen Kreuztalerin nicht leicht.

ap Kreuztal. „Der Honeymoon ist vorbei“, sagt Marianne Stracke-Schenk. Seit über 13 Jahren lebt sie nun schon mit der Diagnose. Anfangs habe sie gut damit leben können, versichert sie. „Aber irgendwann wird es einfach anders. Und Corona legt sogar noch einen nach.“ Die vielen Stürze sowie ein Schienbeinbruch hätten ihren Teil dazu beigetragen, dass es ihr heute schlechter geht als noch vor ein paar Jahren. „Parkis fallen gerne“, erklärt sie. Deshalb könne sie ohne ihren Rollator gar nicht mehr das Haus verlassen. Der gebe ihr Sicherheit, sagt sie. Denn auch Schwindel und Gleichgewichtsstörungen seien typische Begleiterscheinungen der Krankheit.

„Manchmal fehlen mir einfach die Worte“

Von ihrem Alltag zu erzählen, fällt der 64-jährigen Kreuztalerin nicht leicht. Es ist nicht so, dass sie nicht darüber sprechen will. „Manchmal fehlen mir einfach die Worte“, erzählt sie. Kognitive Einschränkungen und Ausspracheprobleme seien Parkinson-spezifische Symptome, von denen auch sie nicht verschont bleibe. Über die Jahre seien die Beschwerden immer unerträglicher geworden. „Das zieht vom Hals bis in die Beine“, umschreibt sie den Ganzkörperschmerz, der sie immer wieder an die unheilbare Krankheit erinnert. An manchen Tagen sei es sogar so schlimm, dass sie es nicht einmal schaffe, sich morgens umzuziehen. „Ich gehe dann mit meinem Nachthemd wieder genauso ins Bett, wie ich morgens aufgestanden bin.“ Und dann komme sie ins Grübeln, liege viel wach und falle manchmal auch in ein depressives Loch.

Krankheit geht nur in eine Richtung

„Die Krankheit macht mir teilweise Angst, denn sie geht nur in eine Richtung“, gesteht Marianne Stracke-Schenk. Wie genau sie verläuft, sei jedoch sehr ungewiss. Teilweise könne man 25 Jahre damit leben. „Aber andere sind nach sechs, sieben Jahren platt“, zeigt sich die 64-Jährige sichtlich besorgt. Eine gute Freundin habe sie an die Krankheit schon verloren. „Ich kann da ganz schlecht mit umgehen“, gesteht sie.

„Sehr unterschiedliche Krankheitsbilder“

Auch bei ihr hinterlasse die Krankheit schließlich schon deutliche Spuren: Sie könne nicht mehr schreiben, habe geschwollene Hände, und ihre Augen würden immer schlechter. Für einfache Hausarbeiten brauche sie deutlich mehr Zeit als andere Menschen. „Die Geschwindigkeit schränkt mich so ein, dass ich teilweise nur die Hälfte und manchmal auch gar nichts schaffe“, erzählt Stracke-Schenk. Deshalb bekomme sie beim Putzen Unterstützung von einer Haushaltshilfe.

Kreuztalerin leitet Selbsthilfegruppe

Dass sie irgendwann in ihrem Alltag einmal so eingeschränkt sein würde, damit hätte sie vor ihrer Diagnose 2007 niemals gerechnet. Kurz zuvor habe sie zwar schon gemerkt, dass irgendetwas mit ihr nicht stimmte, „aber ich konnte das damals nicht einordnen oder lokalisieren“, erinnert sich die Kreuztalerin. „Ich war einfach betriebsblind.“ Denn mit dem Leid und den Ängsten von Parkinson-Patienten habe sie damals wie heute täglich zu tun gehabt.
Die Rentnerin arbeitet auf Minijob-Basis in der Hilchenbacher Celenus-Klinik für Neurologie und leitet mittlerweile eine Parkinson-Selbsthilfegruppe. Sie macht anderen Betroffenen Mut und bietet Raum für Austausch und Geselligkeit. „Wir jammern nicht nur, wir gehen auch mal ein Eis essen“, stellt sie klar. Ungefähr 35 Leute seien Teil der Gruppe, überschlägt Marianne Stracke-Schenk grob im Kopf. Neben dem Sprechen fällt ihr teilweise auch das Denken sehr schwer.

(Lebens-)Mut trotz allem nicht verloren

Ihren (Lebens-)Mut hat sie deshalb aber nicht verloren. Die 64-Jährige ist fest entschlossen, sich ihrem Schicksal nicht einfach zu fügen und das beste aus ihrer Situation zu machen. „Man darf sich nicht hängen lassen“, sagt Marianne Stracke-Schenk entschlossen und so versucht die unheilbar Kranke, alle Freiheiten und Fertigkeiten, die sie jetzt noch hat, in vollen Zügen auszukosten.
In ihrem Falle ist es das sogenannte „Quilling“, eine präzise Papierfalt-Technik, mit der sie die feinmotorischen Fähigkeiten und ihre noch relativ ruhige Hand immer wieder auf die Probe – oder besser gesagt: unter Beweis stellt. „Ich fummel mir da manchmal einen zurecht“, schmunzelt sie. „Aber im Endeffekt ist das ist alles nur eine Sache der Übung und Geduld.“

Autor:

Alexandra Pfeifer

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