Der Klang kostbarer Stimmen

Die diesjährigen Kreuztaler Sommerkonzerte schlossen mit einem Konzert zweier Knabenchöre. Foto: ne

ne Kreuztal. Ein paar Musikfreundinnen und -freunde hätten wohl noch hinein gepasst in die für ihre stimmungsvoll leuchtenden Glasfenster bekannte Kreuzkirche, als die Aktionsgemeinschaft Ev. Chöre in Kreuztal in Kooperation mit der Stadt zu einem Höhepunkt hiesiger Chorkonzerte eingeladen hatte – doch all jene, die am spätsommerlich schönen Samstagabend den Weg zu Kreuztals Mitte genommen hatten, wurden reichlich belohnt. Denn mit dem Kölner Domchor und den Essener Domsingknaben waren zwei der besten Knabenchöre Nordrhein-Westfalens zu Gast.

Anfang und (Zugaben-)Ende machte das bekannte Bruckner’sche „Locus iste“, von beiden Chören gemeinsam gesungen, sehr überzeugend. Dann folgten rund 20 Kostproben aus den breit gefächerten Repertoires der durch CD-Produktionen und internationale Konzertreisen bekannten Chöre, die von einstimmig vorgetragener Gregorianik über barocke Perlen und emotionale Romantik bis in die Neue Musik, die zeitgenössische geistliche Chorliteratur reicht.

Die Kölner, 1863 wiedergegründet, reisten mit 49 Sängern an und präsentierten unter der Leitung Eberhard Metternichs zum Beispiel die doppelchörige Motette „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“ (BWV 226) von Johann Sebastian Bach. Metternich nahm die Mottete schnell, sodass die perlenden Koloraturen frisch zur Geltung kamen – den abschließenden Choral etwas pastoser, breiter zu geben, hätte der trockenen Akustik des Kirchenraumes gut getan. Gleich darauf erfüllte beim „Ave Marie“ des 1963 geborenen Finnen Jaakko Mäntyjärvi eine gelungene Idee alle Ansprüche an den guten Raumklang: Das 1991 komponierte Stück sangen die Kölner aufgeteilt in einen Kleinchor aus wenigen tiefen Stimmen auf der Bühne im Chorraum und einen Großchor an allen übrigen Seiten der Kirche vor die Wände aufgereiht.

Das war Musikgenuss „surround“: besonders intensiv. Und anspruchsvoll, denn die Neue Musik des Finnen, mit leichtem Humor und postmodernen Strukturen, ist – obwohl bei Publikum und Machern sehr beliebt – in Deutschland noch recht unbekannt. In Javier Bustos „Ave maris Stella“ funkelte der Sopran Daniel Seebald als Solist und lieferte allen Fans der Knabenchormusik den besten Beweis für ihre Begeisterung an der besonderen, kostbaren Klangqualität der Knabenstimmen: Hell und klar, kräftig und mit der leicht metallischen Härte im Timbre gewann Daniel Seebald alle Sympathien des Kreuztaler Publikums.

Die Essener Domsingknaben, ein noch junger Chor, 1961 gegründet und seit 1975 unter der Leitung Georg Sumps, standen mit 56 Sängern auf der Bühne, um beispielsweise Palestrina, Scarlatti, Schütz und Mendelssohn zu singen oder Zeitgenossen wie Knut Nystedt, Georg Sorg oder Heino Schubert. Der Chorklang der Essener klingt insgesamt etwas lyrischer, weicher als der der Kölner Kollegen, was besonders natürlich zur Literatur der Romantik passt.So war das „Beati mortui“ von Felix Mendelssohn Bartholdy aufschlussreich, den Klang des Chores kennenzulernen. Das innovative Gespür es Leiters Georg Sump unterstrich dessen Auswahl zeitgenössischer Literatur, wenn zum Beispiel in Gyorgy Deak-Bardos vierstimmigem A-cappella-Stück „Eli, Eli“ die Jungen außer auf Latein noch Aramäisch sangen und auch in chromatisch recht vertrackten Akkorden Durchsicht und gute Intonation behielten.Mit „Jauchzet dem Herrn“ von Mendelssohn und einem dem entsprechenden „Laudate Dominum“ von Henri Carol schlossen die beiden begeisternden Chöre wieder gemeinsam den anspruchsvollen wie unterhaltsamen, den einfach gelungenen Konzertabend ab. Und nahmen dafür den ihnen geltenden, nicht enden wollenden, Applaus mit nach Hause an Rhein und Ruhr.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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