Devin möchte zu den Delfinen reisen

Neue Therapieformen sollen helfen:

Folgenschwere Hirnhautentzündung veränderte Leben der Littfelder Familie Ostermann

js Littfeld. Devins blaue Augen sind hellwach. Auf den ersten Blick sieht man dem achtjährigen Blondschopf aus Littfeld nicht an, dass er nicht wie andere Kinder spielen, nicht mit seinen Eltern sprechen und sich nur mit viel Mühe fortbewegen kann. »Devin ist ein ganz besonderes Kind«, weiß seine Mutter Monika Ostermann. Doch das war nicht immer so.

Hohes Fieber bereitete Eltern Sorge

Im Alter von einem Jahr – er hatte gerade seine ersten Worte gesprochen und angefangen zu laufen – bekam Devin plötzlich hohes Fieber. Der Kinderarzt sah sich den Jungen an und gab Entwarnung – nichts weiter als eine »harmlose Bakterieninfektion«, so lautete seine Diagnose. »Kurz darauf wurde es abends immer schlimmer«, erinnert sich die Mutter. Schnellstmöglich brachte sie ihren Sohn in die Kinderklinik. Und dort verkündete man ihr die Hiobsbotschaft: Devin hatte eine Hirnhautentzündung in fortgeschrittenem Stadium. Zehn Wochen musste das Kind im Krankenhaus bleiben, erlitt in dieser Zeit durch seine Infektion zwei schwere Schlaganfälle und ist seither für sein Leben gezeichnet.

Tag und Nacht schlugen sich die Ostermanns um die Ohren, um so viel Zeit wie möglich mit ihrem Kind zu verbringen, um mit ihm zu sprechen, ihm vorzusingen und vorzulesen. »Als wir Devin schließlich mit nach Hause nehmen durften, konnte er nur noch seine Augen bewegen.« Das Sprachzentrum des Kleinkindes war durch Stammganglien-Infarkte unwiderruflich zerstört, Devin litt von nun an an epileptischen Anfällen und war spastisch gelähmt.

Erste Therapien bereits im Krankenhaus

Die Eltern widmeten sich mit aller Kraft ihrem Sohn, der ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. »Bereits im Krankenhaus begannen die ersten Therapien«, erklärte Monika Ostermann. Doch das sei erst der Anfang eines mühseligen Wegs gewesen: »Wir sind vier Mal wöchentlich mit Devin zur Krankengymnastik, zur Ergotherapie, zur Logopädie und zum Reiten gegangen.« Aus Monika Ostermanns Sicht machte das Kind nur schleppend Fortschritte. »Alle sagten mir jedoch, Devin habe sich ,super’ gemacht.«

Mit zwei Jahren ging der Junge in die Kindertagesstätte in Kreuztal. »Er musste unter Kinder«, erinnert sich die Mutter. Und auch heute noch fühlt sich Devin unter Gleichaltrigen besonders wohl. Zurzeit besucht er das zweite Schuljahr der Körperbehinderten-Schule in Olpe. »Unser Wunsch ist es, dass Devin eines Tages selbstständig leben kann«, betonte Monika Ostermann. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg, das wissen die Ostermanns. »Wir versuchen alles, damit sich Devins Zustand weiter verbessert und um ihm ein möglichst lebenswertes Leben zu ermöglichen.«

Regelmäßig werden Orthesen angepasst

Der Achtjährige versteht alles, da ist sich seine Mutter sicher. »Er antwortet mir mit seinen Augen, und er kann auch ein ganz schönes Schlitzohr sein.« Ein großes Problem sei sein Gleichgewichtssinn. Devin sitzt während der Schulzeit im Rollstuhl und bewegt sich zu Hause auf Knien vorwärts. Monika Ostermann: »Um an meiner Hand zu gehen, braucht er Orthesen.« Dabei handelt es sich um speziell angefertigte Unterschenkel-Schienen, die dem Jungen einen besseren Halt geben. Das Problem hierbei: Devin wächst, und in regelmäßigen Abständen müssen neue Orthesen her, die nur im bayrischen Aschau hergestellt werden. Zwei Mal im Jahr begibt sich Familie Ostermann auf die Reise in den Chiemgau, verbringt ihren Urlaub mit dem Anpassen neuer Gehhilfen.

Delfin-Therapie scheint vielversprechend

Wie weit sich Devins Zustand noch verbessern kann, weiß niemand so recht zu beantworten. Jeder Bericht über neue und viel versprechende Therapiemöglichkeiten ist daher Pflichtlektüre im Hause Ostermann. »Seit fünf Jahren warten wir nun schon auf einen Platz bei einer Delfin-Therapie.« Sowohl in Würzburg als auch in Amerika vertröste man die Littfelder stets aufs Neue. »Dabei versprechen wir uns sehr viel davon.«

An das Leben mit Devins Behinderung haben sich die Ostermanns gewöhnt, auch wenn das alles andere als einfach war. »Wir haben uns ein behindertengerechtes Haus gebaut und richten unsere gesamte Zeit auf unseren Sohn aus«, sagte Monika Ostermann. An Urlaub ist seit Devins Krankheit nicht mehr zu denken. »Ich weiß nicht, wann mein Mann und ich das letzte Mal essen gegangen sind.« Doch der Junge habe nun einmal Vorrang. »Er gibt uns auch sehr viel zurück, zum Beispiel ist er nie wütend oder schlecht gelaunt.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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