Die letzten Worte Jesu

Die Akteure der Passionsmusik im ev. Gemeindezentrum Kredenbach nach dem Konzert: das Musikerehepaar Susanne und Christoph Sobanski (l.), die Vorsitzende des Fördervereins, Serena Adarkwah (M.), und die Pfarrer Volker Bäumer, Uwe Nassauer und Werner Sadowski.  Foto: sib
  • Die Akteure der Passionsmusik im ev. Gemeindezentrum Kredenbach nach dem Konzert: das Musikerehepaar Susanne und Christoph Sobanski (l.), die Vorsitzende des Fördervereins, Serena Adarkwah (M.), und die Pfarrer Volker Bäumer, Uwe Nassauer und Werner Sadowski. Foto: sib
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sib Kredenbach. Am Palmsonntag, zu Beginn der Karwoche, lud der Förderverein Gemeinde mit Zukunft zu einer Passionsmusik ins ev. Gemeindezentrum Kredenbach ein. Thematisch rankten sich Lesungen und Texte um die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuz. Die musikalische Seite des Nachmittags übernahm das Ferndorfer Ehepaar Susanne (Sopran) und Christoph (Piano) Sobanski. Als Rezitatoren der Texte des radikaldemokratischen und antifaschistischen Autors Walter Jens traten die Pfarrer Uwe Nassauer, Werner Sadowski und Volker Bäumer auf.

Für die Einstimmung hatte der Pianist, Dozent für Klavier an der Uni Siegen, das passende, sehr verhalten gestimmte Präludium samt der Fuge cis-Moll von Johann Sebastian Bach aus dem „Wohltemperierten Klavier“ gewählt. Es folgte das erste Wort Jesu am Kreuz: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Diese Hinwendung im grenzenlosen eigenen Leid an die anderen, die Mörder, Spötter und Folterknechte vermag noch heute zu beschämen in ihrer Selbstlosigkeit und ihrem grenzenlosen Gottvertrauen.

Zartfühlend begleitete der Pianist die Sängerin, die als Gesangspädagogin tätig ist, mit ihrer angenehm warmen, voluminösen Sopranstimme bei der Johann-Wolfgang-Franck-Arie „An deinem Kreuzesstamm“. Trost für die mit ihm Leidenden und Ansprache an die Getreuen findet der Gekreuzigte auch in der Folge mit den Worten „Amen, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein“ und „Frau! Siehe, das ist dein Sohn! Siehe, das ist deine Mutter“.

Wie ein einziger Schrei der Qual und Verzweiflung wirkt hingegen „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Ebenso plastisch lässt die darauf folgende Arie „Schau hin!“ von Carl Philipp Emanuel Bach das unfassbare Geschehen auf dem Kreuzigungsberg Golgatha vor dem inneren Auge der Gemeindehausbesucher auf bedrückende Art lebendig werden.

Das Flehen des Gottessohnes nach einem Schluck Wasser und die darauf folgende Erkenntnis, dass das Martyrium beinahe überstanden ist, leiten über zu einem Präludium in cis-Moll von Sergej Rachmaninow, das in seiner Wucht und Tragik als klang gewordener Kulminationspunkt all der unvorstellbaren Qualen erscheint, die Jesus Christus für die Erlösung der Menschheit erdulden musste. Kaum ist es möglich, sich der Schwere und Schicksalhaftigkeit dieses Arrangements zu entziehen, und mit dem letzten Wort, „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“, und dessen Interpretation schenkte der Rezitator dem Publikum gleichsam die Möglichkeit, die emotional unerhört aufwühlende Situation wieder ein Stück weit zu entschärfen und zur eigenen Innerlichkeit zurückzufinden.Eine vorsichtig Zuversicht ausstrahlende Mazurka a-Moll von Frederic Chopin, vorgetragen am Klavier, setzte den würdevollen Schlusspunkt der Passionsmusik. Das Publikum kam der eingangs formulierten Bitte gern nach, auf Applaus zu verzichten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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