Eigene Stärken erkennen und stärken

Integratives Modellprojekt in der Kindelsbergschule: Selbstfindung, Toleranz und Miteinander

nja Ferndorf. Ein Modellprojekt der nicht alltäglichen Art ist in diesem Monat in der Kindelsbergschule Kreuztal angelaufen. Erklärtes Ziel ist die »Integration durch Stärkung eigener Stärken«. 14 Jungen und Mädchen aus drei Klassen der Mittelstufe, Deutsche und Schüler mit Migrationshintergrund, haben sich dazu angemeldet, begeben sich sozusagen auf Entdeckungsreise – und auch auf bislang eher unbekanntes Terrain, denn: Elemente aus Capoeira, Slam-Poetry und Entspannungstechniken werden dabei zu einem pädagogischen Konzept zusammengeführt.

Das klingt kompliziert, macht aber offensichtlich Spaß und soll den Kindern u.a. helfen, ihre eigenen Stärken zu entdecken und weiterzuentwickeln. Auch geht es um Selbstvertrauen und gegenseitigen Respekt, darum, aufeinander einzugehen. Mit Leben gefüllt wird der theoretische Methoden-Mix bis zu den Osterferien einmal in der Woche für zwei Schulstunden insbesondere von Dia Alihanga. Er kommt aus Gabun, studiert an der Siegener Universität Medieninformatik und wird die Ergebnisse des Förderschul-Projekts anschließend auch wissenschaftlich auswerten.

Doch was verbirgt sich hinter den einzelnen Elementen? Capoeira, so hieß es gestern, ist eine afrikanisch-brasilianische Tanzsportart, die Kraft, Beherrschung und Gelenkigkeit des Körpers erfordert. Gefördert werden insbesondere die Konzentrationsfähigkeit und die innere Balance. Bei der »Slam-Poetry« lernen die 13- bis 15-Jährigen, sich in mündlicher, schriftlicher oder auch mimischer Form auszudrücken. Mit dem Erlernen verschiedener Entspannungstechniken schließlich werden Vertrauen, Gemeinschaft und Loslassen gefördert.

»Andersartigkeit« als Gewinn erleben

»Wir verstehen Integration nicht als Gleichschaltung«, erläuterte Lehrer Peter Terweiden. Vielmehr solle auch die »Akzeptanz der jeweiligen Andersartigkeit« gefördert werden, »Andersartigkeit«, das Miteinander verschiedener Nationalitäten, als Gewinn erlebt werden. Die Schüler, so formulierte Dia Alihanga, sollen sich erkennen und akzeptieren, lernen, mit anderen Menschen umzugehen und zu kommunizieren und sich bewusst machen: »Jeder ist nur Teil eines großen Kreises, z.B. der Gesellschaft. Um seinen Platz zu finden, muss man sich selbst finden.«

Förderverein und Ausländerbeirat

Frank Niederhausen vom Förderverein der Schule sprach von einem »Sozialkompetenz-Kurs mit integrativem Charakter«. Obwohl das Projekt erst ein paar Wochen jung ist, bemerkt Sozialarbeiterin Anja Stoll bereits erste Erfolge: »Die Schüler lassen sich darauf ein!« Unterstützt wird die Schule bei diesem Modellprojekt, auch finanziell, vom Förderverein und vom Ausländerbeirat Kreuztal. Darüber freute sich gestern Rektor Walter Schwenke mit seinem Team ganz besonders.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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