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LWL kritisiert Amprion-Pläne im Heestal
Erdrückende Fremdkörper befürchtet

Dönische, Dänische oder „Säubelzes“ Wiese: Mehrere Namen gibt es für das Areal im Heestal, auf dem Amprion eine Umspannanlage errichten möchte.
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  • Dönische, Dänische oder „Säubelzes“ Wiese: Mehrere Namen gibt es für das Areal im Heestal, auf dem Amprion eine Umspannanlage errichten möchte.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

js Junkernhees. Die Pläne der Firma Amprion, eine 380-kV-Höchstspannungsleitung durch das Heestal zu verlegen und diese noch um ein Umspannwerk ergänzen, stoßenbeim für Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur zuständigen Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Münster auf Kritik. In einer der SZ vorliegenden Stellungnahme zum Leitungsneubau, der seit vielen Monaten ein Planfeststellungsverfahren durchläuft, geht es um die vertiefende Betrachtung des Schutzguts Kultur- und Sachgüter. Sprich: Um die zu erwartenden Auswirkungen des Leitungsbaus auf die kulturhistorische Landschaft und die Baudenkmäler im Heestal.
Erlebbarkeit des Heestals Der LWL sieht in der im Auftrag von Amprion erstellten Umweltverträglichkeitsprüfung deutliche Defizite.

js Junkernhees. Die Pläne der Firma Amprion, eine 380-kV-Höchstspannungsleitung durch das Heestal zu verlegen und diese noch um ein Umspannwerk ergänzen, stoßenbeim für Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur zuständigen Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Münster auf Kritik. In einer der SZ vorliegenden Stellungnahme zum Leitungsneubau, der seit vielen Monaten ein Planfeststellungsverfahren durchläuft, geht es um die vertiefende Betrachtung des Schutzguts Kultur- und Sachgüter. Sprich: Um die zu erwartenden Auswirkungen des Leitungsbaus auf die kulturhistorische Landschaft und die Baudenkmäler im Heestal.

Erlebbarkeit des Heestals 

Der LWL sieht in der im Auftrag von Amprion erstellten Umweltverträglichkeitsprüfung deutliche Defizite. Anders als vom Gutachter dargelegt, würden die Erlebbarkeit der historischen Qualität und die Funktion des Heestals als Erholungsraum erheblich beeinträchtigt, wenn Leitung und Umspannwerk gebaut würden. „Der geplante Standort für die Umspannanlage ist mit einem hohen Risiko verbunden, dass zukünftige Generationen diese historischen Objekt-Raum-Bezüge nicht mehr erleben können.“ Die Anlage sei geeignet, „die noch zusammenhängenden Kulturlandschaftselemente mit einer baulich-technischen Zäsur zu fragmentieren“.

Einschätzung des Gutachters fraglich

Die geplanten Masten seien nicht mit den bestehenden zu vergleichen, findet der LWL. Sie seien „wesentlich dominanter“ und lenkten „den Blick unweigerlich auf sich“, würden als technischer und erdrückender Fremdkörper in der Landschaft wahrgenommen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Gutachter diese Veränderungen nur als geringfügig bewerte. Die Umspannanlage und der für ihre Anbindung erforderliche Mastbau mit Traversen werde sich stark auf die historische Kulturlandschaft auswirken. „Aufgrund der zu erwartenden technischen Überformung des Heestals“ sei die Einschätzung des Gutachters fraglich, „dass das Heimatgefühl und die Identifikationsmöglichkeit nur für die Zeit der Bauarbeiten und den ersten Eindruck nach Fertigstellung des Vorhabens berührt“ würden.

Schloss Junkernhees nicht sehr beeinträchtigt

Wie schätzt der LWL die zu erwartende Beeinträchtigung der Baudenkmäler ein? Neben dem Schloss Junkernhees (beinahe 500 Jahre alt) samt Nebengebäuden stehen auch die alte Mühle, Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie der Backes von Hof Wurmbach unter Denkmalschutz. „Für beide Vorhabensteile, bestehend aus Höchstspannungsfreileitung und Umspannanlage, ist aus den genannten, unterschiedlichen Gründen eine mittlere Beeinträchtigung des Denkmals Schloss Junkernhees festzustellen.“ Die Planung sei in dieser Hinsicht bedingt vertretbar. „Beeinträchtigungen könnten durch geeignete Kompensationsmaßnahmen gemindert werden.“ Während der Amprion-Gutachter die Auswirkungen auf das Schloss nur als „mitttelschwer“ bezeichnet, befürchtet der LWL „eine mittlere bis hohe Auswirkungsintensität“.

Planungen "kaum vertretbar"

Schwerer wiegen nach LWL-Einschätzung die Beeinträchtigungen der historischen Kulturlandschaft. „Im Hinblick auf die starke Überformung einer sehr hoch schutzwürdigen Kulturlandschaft“ entspreche dies einem „kaum vertretbaren“ Vorhaben und damit einer erheblichen Beeinträchtigung. „Dabei ist die Vorbelastung durch die bestehende Freileitung kein Argument für eine zusätzliche Belastung“, so der LWL. „Bisher ist die Beeinträchtigung der historischen Kulturlandschaft durch die bestehende Freileitung nicht so gravierend, dass sie die historische Qualität (wertgebende Merkmale) der Kulturlandschaft wesentlich schmälern würde. Doch durch die geplante Höchstspannungsfreileitung erfährt die historische Kulturlandschaft ein bisher unbekanntes Maß an technischer Überprägung. Dies ist insbesondere auf die wesentlich höheren Masten und Leiterseile, welche die umgebenden Bergkuppen und Baumwipfel weit überragen und somit die Kulturlandschaft dominieren werden, zurückzuführen.“

Heestal bald keine historische Kulturlandschaft mehr?

Noch gravierender sei jedoch die Beeinträchtigung durch die geplante Umspannanlage. Diese würde eine „zusätzliche massive Störung“ bedeuten und sei eine „unverhältnismäßige technische Überprägung der historischen Kulturlandschaft“. Das Heestal könne seine Bedeutung als historische Kulturlandschaft bzw. bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich verlieren.

Altenkleusheim gute Alternative

Der Landschaftsverband sieht es als dringend notwendig an, „nochmals eingehend die Möglichkeit von Alternativstandorten für die Umspannanlage zu prüfen“. Unbedenklich sei aus Sicht des kulturellen Erbes „beispielsweise der Standort im Umfeld der bestehenden Umspannanlage bei Altenkleusheim“. Auch bezüglich der Freileitung sei zu prüfen, „ob durch eine alternative Trassenführung im Bereich des Heestals geringere Auswirkungen auf das kulturelle Erbe zu erwarten sind“.

Dönische, Dänische oder „Säubelzes“ Wiese: Mehrere Namen gibt es für das Areal im Heestal, auf dem Amprion eine Umspannanlage errichten möchte.
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe befürchtet den Verlust einer wertvollen Kulturlandschaft – und plädiert für alternative Standorte, etwa den in Altenkleusheim.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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