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Eisheilige und Trockenheit setzen Apfelbäumen zu
Ernte wird deutlich geringer ausfallen

Die Witterung treibt mitunter seltsame Blüten
auf den Apfelbäumen der Region.
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nja Littfeld. Die Witterung schlägt immer wieder Kapriolen, deren Auswirkungen im Garten von Bruno Steuber derzeit eindrücklich zu bestaunen sind: Während sein Ontario-Apfelbaum mitten in Littfeld den Umständen entsprechend reife Früchte trägt, blüht ein paar Meter nebenan der fruchtlose Boskop gerade auf. Im September! „Der reagiert jetzt auf mein Schimpfen“, sagt der Littfelder Mundartexperte augenzwinkernd. „Das kann schon mal passieren“, weiß Matthias Jung vom Heimatverein Littfeld-Burgholdinghausen. Nicht die Blüte, sondern die Ernte einer der beliebtesten Obstsorten der Deutschen ist Thema eines Gesprächs mit der SZ, für das Jung im Vorfeld weitere Experten aus der Region mit ins Boot geholt hat.

nja Littfeld. Die Witterung schlägt immer wieder Kapriolen, deren Auswirkungen im Garten von Bruno Steuber derzeit eindrücklich zu bestaunen sind: Während sein Ontario-Apfelbaum mitten in Littfeld den Umständen entsprechend reife Früchte trägt, blüht ein paar Meter nebenan der fruchtlose Boskop gerade auf. Im September! „Der reagiert jetzt auf mein Schimpfen“, sagt der Littfelder Mundartexperte augenzwinkernd. „Das kann schon mal passieren“, weiß Matthias Jung vom Heimatverein Littfeld-Burgholdinghausen. Nicht die Blüte, sondern die Ernte einer der beliebtesten Obstsorten der Deutschen ist Thema eines Gesprächs mit der SZ, für das Jung im Vorfeld weitere Experten aus der Region mit ins Boot geholt hat.

Trockenheit beeinflusst Apfelernte

Wie viele Äpfel also landen in diesem Herbst in Frühstücksboxen, auf Backblechen oder in flüssiger Form als Most in der Flasche? Was hat die Ernte beeinflusst? Trockenperioden im Sommer sind ganz offensichtlich Aspekte, die u. a. dazu führten, dass die Gartenfreunde Kreuztal ihre Haupt-Mostsaison vorziehen. Einige frühe Sorten hätten es eilig, vom Baum zu kommen, hieß es: der Wassernachschub fehle.

Viele Blüten im Mai erfroren

Doch der Reihe nach. Je nach Witterung beginnt Ende April/Anfang Mai die Apfelblüte. „Pünktlich zum Start der Eisheiligen am 11. Mai wird schon mal das schöne warme Frühlingswetter von einem Kälteeinbruch unterbrochen. In diesem Jahr war das am 12. und 15. Mai der Fall mit Temperaturen von bis zu minus acht Grad“, ruft Matthias Jung in Erinnerung: „Dann erfrieren die Blüten natürlich.“
Laut Mechthild und Theo Morgenschweis vom Heimatverein Struthütten, sie sind Mitglieder in der Landesgruppe NRW des Pomologenvereins, sind Früh- und Spätblüher davon verschont geblieben. Lange Blühzeiten seien zudem förderlicher, um Frostschäden zu vermeiden. „Auch die Lage der Apfelbäume spielt im Zusammenhang mit dem Frost eine große Rolle: Geschützte, wenig windanfällige Standorte sind hier günstig“, hat Friedhelm Geldsetzer, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Freudenberg, ihm verraten.

Wann ernten? Wann essen? Bei Äpfeln ist die Pflückreife nicht immer mit der Genussreife gleichzusetzen. Pflückreife haben die Früchte, wenn sie sich leicht vom Baum lösen und die sortentypische Ausfärbung erreicht ist; die Kerne im Gehäuse müssen braun sein. Die Sommeräpfel werden je nach Witterung bereits Ende Juli reif; Erntezeit ist im August/Anfang September. Typische Sorten: z. B. Klarapfel, August-Apfel (hellgrün) oder Rheingold. Sie müssen nicht gelagert werden, halten sich aber auch nicht lange, werden schnell mehlig. Herbst-Äpfel werden je nach Witterung im September/Oktober geerntet, sind je nach Sorte sofort genussreif oder sollten noch kurz gelagert werden. Typische Sorten: Alkmene, Holsteiner Cox, James Grieve. Winter- bzw. Lager-Äpfel verdanken ihren Namen der Tatsache, dass sie sich gelagert lange halten. Die Ernte erfolgt in normalen Jahren im Oktober/November – spätestens vor den ersten Frösten. Erst nach mehreren Wochen an einem dunklen, kühlen Ort entfalten viele Sorten ihr volles Aroma. Typische Sorten: Boskop, Ontario, Glockenapfel und Berlepsch.

Trockenheit bereitet Apfelbäumen Stress

Apfelbäume leiden auch unter „Burnout“: Trockenheit im Sommer bereitet ihnen Stress: „Dann werfen sie die Früchte vermehrt ab“, so Jung, der von Beruf Umwelt- und Klimaschutzberater in der Gemeinde Neunkirchen ist. Das war auch 2018 und 2019 schon schlimm – und dieses Jahr ebenso. Eine sogenannte Juli-Auslese ist durchaus normal. Nun aber ging es im August weiter. Für Trockenperioden benötigt der Baum ein großes und tief in die Erde reichendes Wurzelvolumen, um Wasser tanken zu können. Das ist mit stark wachsenden Unterlagen gewährleistet, hat das Ehepaar Morgenschweis erzählt. Die Region im Blick, gehen die Struthüttener von geschätzt 30 bis 40 Prozent Ernteausfall aus, Friedhelm Geldsetzer sogar von 50 bis eventuell sogar 70 Prozent. In den Freudenberger Anlagen werden in normalen Jahren zwischen einer Tonne und anderthalb Tonnen geerntet. Bald weiß man mehr...

Obstbaumschnitt muss sein

Dann gibt es noch jene Bäume, die trotz idealer Rahmenbedingungen keine Früchte tragen. Wie kommt das? „Junge Bäume brauchen erst einmal Zeit, ältere Bäume gehen in den Ruhestand“, umschreibt Matthias Jung nahezu menschliche Aspekte der Äppel-Vita.
Unabdingbar sind regelmäßige Obstbaumschnitte: Einmal im Jahr, meist entweder im März, bevor er ausschlägt, oder im November, kurz bevor er sich in die winterliche Ruhephase begibt. Auch ein Sommerschnitt, so Steuber, werde von manchen Obstfreunden bevorzugt: „Drei Experten, fünf Meinungen“, sagt er lachend. „Licht und Luft sind auf alle Fälle nötig, damit die Früchte schön wachsen und nicht klein und schrumpelig werden.“

Ernte von Obst zu Obst unterschiedlich

Früher sagte man: Man muss einen Hut durch die Krone werfen können. „Dann kann auch der Wind durch die Äste pfeifen, und die Nässe hält sich nicht zu lange im Blattwerk“, weiß Jung. Als „vergreistes Holz“ bezeichne man nicht zurückgeschnittenes, überaltetes Fruchtholz. Die Gartenfreunde Kreuztal beobachteten in diesem Jahr, dass die Obsternte insgesamt recht unterschiedlich ausfiel: „Bei Kirschen und Beeren lagen die Erträge im guten Durchschnitt.“
Bruno Steuber nutzt das Gespräch über die Äppelernte derweil, um seinem Hobby, dem Sejerlänner Platt, zu frönen. Was denn wohl „Sürge“ sei, fragt er, wissend grinsend. Im Alcher Wörterbuch („Öalcher Wörderbooch“) war er fündig geworden: „Sürge – kleiner saurer Wildapfel, stand da: Dä! No wesse mir et!“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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