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Reitverein klagt gegen Südumgehung
„Es geht ums Überleben“

Nahe an der Halle des Hubensguts soll die Südumgehung einmal vorbei führen: Der Reit- und Fahrverein Kindelsberg erachtet die Planung aus mehreren Gründen als existenzgefährdend – und hat Klage eingereicht.
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  • Nahe an der Halle des Hubensguts soll die Südumgehung einmal vorbei führen: Der Reit- und Fahrverein Kindelsberg erachtet die Planung aus mehreren Gründen als existenzgefährdend – und hat Klage eingereicht.
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  • hochgeladen von Anja Bieler-Barth (Redakteurin)

nja Buschhütten.  Während im Ferndorftal schon die Vorarbeiten für den Damm der Kreuztaler Südumgehung laufen, die einmal von Buschhütten nach Ferndorf führen und so die Stadtmitte und die Ferndorfer Ortsdurchfahrt vom Verkehr entlasten soll, laufen auf dem Hubensgut am Dörnberg die letzten Vorbereitungen für den juristischen Versuch, das Großbauprojekt in der geplanten Form doch noch zu stoppen. Der 416 Mitglieder zählende Reit- und Fahrverein Kindelsberg hat, wie berichtet, Klage eingereicht. Der Grund: „Wir sehen unsere Existenz gefährdet. Wird die Südumgehung wie geplant vom Landesbetrieb Straßenbau NRW gebaut, geht es für uns ums Überleben“, findet Vereinssprecher Dr. Gert Bültermann im SZ-Gespräch klare Worte.

nja Buschhütten.  Während im Ferndorftal schon die Vorarbeiten für den Damm der Kreuztaler Südumgehung laufen, die einmal von Buschhütten nach Ferndorf führen und so die Stadtmitte und die Ferndorfer Ortsdurchfahrt vom Verkehr entlasten soll, laufen auf dem Hubensgut am Dörnberg die letzten Vorbereitungen für den juristischen Versuch, das Großbauprojekt in der geplanten Form doch noch zu stoppen. Der 416 Mitglieder zählende Reit- und Fahrverein Kindelsberg hat, wie berichtet, Klage eingereicht. Der Grund: „Wir sehen unsere Existenz gefährdet. Wird die Südumgehung wie geplant vom Landesbetrieb Straßenbau NRW gebaut, geht es für uns ums Überleben“, findet Vereinssprecher Dr. Gert Bültermann im SZ-Gespräch klare Worte. Vor 53 Jahren zählte sein Vater zu den Gründungsmitgliedern, und eben so lange ist er selbst mit dabei.

12,2 Hektar hat der Reit- und Fahrverein oberhalb des Buschhüttener Freibads erworben – laut Flächennutzungsplan landwirtschaftliche Fläche. Wo die Gebäude stehen, handelt es sich um ein Sondergebiet für Sport, Erholung und Freizeit. Was wird befürchtet?

Die Bauzeit: Schon die Bauphase für die dreispurige Trasse mit 6 Prozent Steigung bereitet Bauchschmerzen. „Drei Jahre Baulärm mit enormen Eingriffen in das Gelände – wir befürchten, dass wir darüber alle unsere Einsteller verlieren. Und dann können wir nicht überleben“, sagt Christina Kaltenbach. „Einsteller“, damit sind die 35 Pferdebesitzer gemeint, die ihre Tiere am Hubensgut eingemietet haben. Der Verein selbst besitzt zusätzlich 20 eigene Pferde und Ponys.

Der Verkehrslärm: Die Trasse führe bis etwa 20 Meter an die Reithalle heran. Ob dann in der Halle noch der Unterricht (jährlich immerhin rund 1600 Übungsstunden) und auch das therapeutische Reiten stattfinden könne, sei fraglich: „Angesichts der West-Ost-Ausrichtung der Trasse befürchten wir einen üblen Schalltrichter“, sagt Remo Zander, der zudem die den Planungen zugrunde liegenden Verkehrszahlen, die prognostizierten Lärmbelastungen und den erhofften Entlastungsgrad für den Kreuztaler Knoten infrage stellt. Auch diese Zahlen müssten vor Gericht noch einmal angesprochen werden.

Finanzielle Einbußen: Für den Straßenbau müssen natürlich auch ökologische Ausgleichsmaßnahmen geschaffen werden. Fledermaus, Haselhuhn, Haselmaus und Neuntöter seien registriert worden, lenkt Dr. Bültermann den Blick auf ein weiteres Problem, denn: Die Straßenplaner benötigten nicht nur 1,2 Vereins-Hektar für den Baukörper, sondern „schultern uns auch die Ausgleichslasten auf: Hierfür sollen rund 8 Hektar unserer Acker- und Grünlandfläche extensiviert und zum Teil mit Dornenhecken – diese sind nicht pferdekompabitel – für den Neuntöter bepflanzt werden. Wir dürfen dann nicht mehr säen, düngen und erst ab Mitte Juni mähen – wenn denn kein brütender Vogel entdeckt wurde. Kurzum: Es fehlt uns dann an selbstproduziertem Futter für die Tiere, und wir haben keine Möglichkeit mehr, dort unseren Pferdemist aufzutragen. Den müssen wir stattdessen komplett teuer entsorgen“. Heute würden die rund 18,2 Hektar für den Auslauf der Tiere genutzt – und für die Heuproduktion gemäht.

Kein direkter Zugang zu Reitwegen: Als der Verein diese Pläne eingesehen und ihre Bedeutung erkannt habe, sei im Genehmigungsverfahren eine Einwendung geschrieben worden – eine von rund 400, „die als nicht sinnvoll erachtet wurde“. Anschließend habe man sich entschieden, den Klageweg zu beschreiten. Das Areal des Hubensguts biete hervorragende und zeitgemäße Voraussetzungen für die gesunde Kombination aus Vereinsleben und eingemieteten Pensionspferden, die alle – noch – den vom Tierhaltergesetz geforderten Auslauf genießen könnten. Es gebe dann künftig keinen direkten, freien Zugang mehr zum Reitwegenetz. Eine Brücke – etwa oberhalb des Ferndorfer Schützenhauses – sei geplant.

Der Verein habe immer wieder konstruktives Entgegenkommen signalisiert. „Wir haben z. B. vergebens eine Grünbrücke gefordert. Wird die Planung Realität, haben wir 18 Hektar Insellage“, so Dr. Bültermann. Auch das Jagdrevier könne man so wohl nicht mehr verpachten. Mitte Dezember erst „haben wir dem Landesbetrieb angeboten: Verzichtet auf die Extensivierung, zahlt uns eine Entschädigung – und wir halten die Füße still.“ Es habe nicht mal eine Eingangsbestätigung gegeben. Eine Entschädigung werde natürlich gezahlt, wissen die Reitsportler. Wie hoch sie ausfallen soll, allerdings nicht. Bültermann: „Die Schäden werden ja auf 20 Jahre hochgerechnet.“ Der Gutachter des Landesbetriebs habe übrigens sinngemäß attestiert: Die Existenz des Vereins würden von der Südumgehung gar nicht bedroht, „da wir ohnehin nicht überlebensfähig seien. Das habe ich schriftlich“, so Bültermann: „Eine Frechheit!“

Warum der Verein allein die Ausgleichslast stemmen solle? „Das wissen wir nicht“, so der Vereinssprecher. Es stelle sich allerdings die Frage, ob der Landesbetrieb die Strategie fahre, sich nur mit einem Gegner anlegen zu wollen. Die 1,2 Hektar, die der Verein für den Straßenbau hergeben solle, „müssen uns natürlich anderswo wiedergegeben werden: Es gibt aber in der Nähe keine passende Fläche. Von Wald haben wir nichts.“

170 000 Euro investiert: In den vergangenen Jahren habe man rund 170 000 Euro in die energetische Sanierung, in Hallendach und -boden investiert; 2013 habe man den Umweltpreis von Stadt und RWE erhalten, die Sparkasse stufe den Verein als kreditwürdig ein, der seinen Tilgungen stets nachgekommen sei und bald auch erneut umschulden wolle – dies könne wohl auf Basis mittlerweile deutlich günstiger Zinskonditionen gelingen. Zum Verein gehöre auch ein Sechs-Familien-Haus, das voll vermietet sei – noch: Ob dies in Zeiten permanenten Verkehrslärms direkt vor der Haustür noch der Fall sein werde, wisse man natürlich nicht.

• Das Flurbereinigungsverfahren laufe noch. Nun zeichne sich ab, dass rund 3 Hektar des zur Extensivierung vorgesehenen Areals gar nicht als Ausgleichsfläche infrage kämen. Der Grund laut Dr. Bültermann: „Das Areal liegt zu nahe am Straßenkörper. Verkauft wird uns der Verzicht aber als Entgegenkommen der Behörde...“

• Am 28. Mai sehen sich Kläger und Beklagter in Münster vor Gericht.

• Rund 30 000 Euro hat der Reit- und Fahrverein Kindelsberg bislang in Gutachten und einen auf Umweltrecht versierten Fachanwalt investiert – dank vieler privater Spenden sei dies zu stemmen gewesen. Warum die Stadt Kreuztal sich seinerzeit nicht weiter für den Bau eines Tunnels stark gemacht habe, auch nachdem der Straßenbauträger dies aus Kostengründen abgelehnt hatte, verstehen die Pferdefreunde des Hubensguts nach wie vor nicht. „Kreuztal ist doch nicht irgendjemand“, so Dr. Bültermann. „Wenn Kreuztal Rückgrat bewiesen hätte, gäb es jetzt vielleicht eine verträgliche Tunnellösung.“

Nahe an der Halle des Hubensguts soll die Südumgehung einmal vorbei führen: Der Reit- und Fahrverein Kindelsberg erachtet die Planung aus mehreren Gründen als existenzgefährdend – und hat Klage eingereicht.
Der Reit- und Fahrverein Kindelsberg  existiert seit  1967 -  und bangt nun um  seine Zukunft.
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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