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Tag des offenen Denkmals
Familie Stahlschmidt lebt im Baudenkmal

Sorgen für Leben im Denkmal: Familie Stahlschmidt mit Vater Simon, Mutter Chantal und den beiden Jungs Fritz (oben) und Ernst lassen den 1732 erbauten Fröhlichshof alles andere als alt aussehen.
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  • Sorgen für Leben im Denkmal: Familie Stahlschmidt mit Vater Simon, Mutter Chantal und den beiden Jungs Fritz (oben) und Ernst lassen den 1732 erbauten Fröhlichshof alles andere als alt aussehen.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

js Ferndorf. Fein herausgeputzt strahlt die schmucke Fachwerkfassade dem Betrachter entgegen. Wäre der morgige Tag des offenen Denkmals nicht auch von Corona ins „Homeoffice“ geschickt worden, hätte das hübsche Haus in der Ferndorfer Ortsmitte sich als gelungenes Beispiel bestens gepflegter historischer Bausubstanz zum Besuch angeboten. Gekonnte Pinselstriche mit zeitlosem Schwarz und Weiß, hier und da ein bisschen nachgespachtelt und ausgebessert, die farbenfrohe Zierde im dekorativen Querbalken koloriert: Haus Nummer 4 an der Ziegeleistraße zeigt sich in diesem September von seiner allerbesten Seite, als frisch poliertes Schmuckkästchen in neuem Glanz.
Fast 300 Jahre altes FachwerkhausDabei handelt es sich hier um eines der betagtesten Gebäude im Ort.

js Ferndorf. Fein herausgeputzt strahlt die schmucke Fachwerkfassade dem Betrachter entgegen. Wäre der morgige Tag des offenen Denkmals nicht auch von Corona ins „Homeoffice“ geschickt worden, hätte das hübsche Haus in der Ferndorfer Ortsmitte sich als gelungenes Beispiel bestens gepflegter historischer Bausubstanz zum Besuch angeboten. Gekonnte Pinselstriche mit zeitlosem Schwarz und Weiß, hier und da ein bisschen nachgespachtelt und ausgebessert, die farbenfrohe Zierde im dekorativen Querbalken koloriert: Haus Nummer 4 an der Ziegeleistraße zeigt sich in diesem September von seiner allerbesten Seite, als frisch poliertes Schmuckkästchen in neuem Glanz.

Fast 300 Jahre altes Fachwerkhaus

Dabei handelt es sich hier um eines der betagtesten Gebäude im Ort. Das Fachwerkhaus, das um 1731/32 von den Eheleuten Jost Heinrich und Marie Agnes Flender errichtet wurde und somit bald schon sein drittes Jahrhundert voll macht, ist Teil des früheren Fröhlichshofs – einer der vier bereits im 15. Jahrhundert erwähnten Urhöfe, aus denen das heutige Ferndorf erwachsen ist. Kein Wunder, dass bereits seit 25 Jahren eine Denkmalplakette die Hauswand schmückt. Ein Teil der Balken im Haus stammt mutmaßlich aus einem Vorgängergebäude. Hinter der schönen Fassade stecken jede Menge Geschichte und Geschichten. Die etwa, dass hier einmal eine Bäckerei betrieben wurde und eine Gastwirtschaft. Oder aber die, dass der Gewölbekeller einst als Brauhaus diente.

Zunächst zur Miete im Baudenkmal

Verstaubt oder museal ist das Fachwerkhaus keineswegs. Schon das Trampolin im Vorgarten zeigt deutlich: Hinter dieser Fassade herrscht jede Menge Leben. Dass dies so ist, dafür sorgen die Stahlschmidts mit den Eltern Chantal (39) und Simon (37) und ihren beiden Jungs Fritz (11) und Ernst (7). Als die junge Familie 2009 zunächst zur Miete einzog, ahnte sie noch nicht, dass sie sich dauerhaft hier niederlassen würde. „Als uns klar war, dass wir ein Eigenheim haben wollten, sind wir auf die Suche gegangen“, erinnert sich Chantal Stahlschmidt. Als dann das Angebot der Vorbesitzer kam, doch einmal über den Kauf des Hauses nachzudenken, kamen sie und ihr Mann ins Grübeln.

Grünes Licht beim Denkmalamt

„Vergiss es!“, sei Simons erste spontane Reaktion gewesen – nicht weil er etwas am einstigen Bauernhaus auszusetzen gehabt hätte, sondern weil er sich ein bisschen Garten wünschte. Dann aber haben die Stahlschmidts doch etwas länger nachgedacht und sich über die Möglichkeiten informiert, einen Balkon anzubauen. „Das war für uns eine Grundbedingung“, erzählen die beiden, die sich damals grünes Licht beim Denkmalamt holen mussten. Auch einen städtischen Grünstreifen vor dem Haus kauften sie hinzu, um eine Einfahrt und einen kleinen Vorgarten anzulegen. Seit 2011 sind die Stahlschmidts die Herren im alten Fröhlichshof.

Niedrige Decken sorgen für Gemütlichkeit

Fritz und Ernst finden es toll, in solch einem besonderen Haus aufzuwachsen. Wenn es etwas zu renovieren gibt, sind sie mit Feuer und Flamme dabei. „Allzu groß werden sollten sie aber nicht“, lachen die Eltern. Dann könnte es eng werden unter der Decke. Deren Höhe ist schließlich nicht mit denen in modernen Häusern zu vergleichen. Hier und da – vor allem im Untergeschoss und im Gewölbekeller – muss man sich als Erwachsener schon mal bücken, das gehört nun mal dazu. „Dafür ist es aber umso gemütlicher“, freut sich Chantal Stahlschmidt. Knarzende Balken und Dielen, der eine oder andere zugige Winkel – das gehört für die Familie einfach dazu, hier fühlen sie sich heimisch. Das Haus habe Charakter, und der kann hin und wieder schwierig werden – dann nämlich, wenn es um den Aufbau von Möbeln geht oder ein Bild an die Wand gehängt werden soll. An den jahrhundertealten Balken und Wänden sind rechte Winkel eher die Ausnahme.

Schiefe Wände, kleine Fenster

Zehn Jahre lang hat Simon Stahlschmidt es noch mit der Wasserwaage versucht – dann aber hat er es aufgegeben: Bilder müssen nicht wirklich gerade hängen, sie müssen sich an den Wänden orientieren. Wie hervorragend das turbulente Familienleben in einem Baudenkmal funktioniert, stellen die vier Stahlschmidts jeden Tag unter Beweis. Hier und da gibt es Nachteile – etwa, dass das Licht wegen der kleinen Fenster meist tagsüber schon eingeschaltet werden muss und dass Sperriges nicht so ohne Weiteres durchs Treppenhaus transportiert werden kann. Andererseits zeigt sich die alte Bausubstanz extrem praktisch: wie der dicke Eichenbalken in der Küche, an dem sich früher prima eine Schaukel anbringen ließ – oder aber der markante Fischgrätenboden aus gehauenen Steinen im Eingangsflur. Der ist nicht nur eine wahre Rarität, sondern auch ungemein pflegeleicht. Nasse Gummistiefel, Fahrräder, Kinderwagen – wer kann damit schon so unbesorgt ins Haus kommen?

Es gibt immer etwas zu tun 

„Fertig“ wird der Besitzer eines Baudenkmals natürlich nie. Immer wieder gibt es etwas zu werkeln, zu reparieren oder zu verschönern. Noch nicht in die Tat umgesetzt ist bislang die Idee, den zumeist verborgenen alten Wasserbrunnen mit Licht in Szene zu setzen. Erst einmal war das Haus von außen fällig. „Hier gab es kein Corona, wir hatten eine Fachwerkpandemie“, schmunzeln die Stahlschmidts. Denn tatsächlich: Eine Handvoll Fachwerkhäuser rund um den alten Ferndorfer Ortskern wurde in den vergangenen Monaten mit viel Einsatz auf Vordermann gebracht, sie strahlen nun allesamt um die Wette.

Fachwerkhäuser im Ortskern Ferndorf

„Wir haben uns gegenseitig angesteckt“, blicken die Denkmalbewohner zurück. Gegenseitiges Aushelfen – ob mit Ratschlägen oder mit Material – gehört zum guten Ton im alten Ferndorf.
Das Leben im Denkmal möchten die Stahlschmidts nicht mehr missen. „Es ist schön, in einem solchen Haus zu wohnen“, sagen sie. Einzig die Bürokratie, die mit der Plakette an einem geschützten Haus klebt, könne lästig sein. Es dauere zumeist lang, bis das Okay für eine Sanierung komme. „Dabei ist uns doch daran gelegen, das Haus in Schuss zu halten.“ Und es weiterhin mit Leben zu füllen. 

Tag des offenen Denkmals

Eigentlich findet der Tag des Denkmals am Sonntag digital statt. Einige Angebote gibt es aber auch direkt vor Ort.
Siegen

  • Siegerlandmuseum: freier Eintritt zwischen 10 und 17 Uhr.
  • Oberes Schloss: Gitarrist Dominik Jung (13 bis 17 Uhr). Ab 16 Uhr lädt Wirtschafterin Magda zu „Liebesleid & Mordgeschichten“ ein.
  • Festsaal des Wirtshauses Schlossstüberl: Präsentation Gestaltungsvorschläge zur Erweiterung des Siegerlandmuseums (12 bis 17 Uhr).
  • Bunker Burgstraße: Führungen zwischen 11 und 17 Uhr. (Anmeldung unter 02 71 - 4 04 15 13).
  • Martinikirche: Besichtigung zwischen 13.30 und 18 Uhr.
  • Nikolaikirche: Kantatengottesdienst (10 Uhr). Besichtigung bis 16 Uhr.
  • Museum für Gegenwartskunst: Kostenlose Führungen (Anmeldung unter 02 71 - 4 05 77).
  • Stadtführungen: Ab 13 Uhr geht es hinter der Marienkirche mit der Altstadtführung los, ab 14 Uhr gibt es ab dem gleichen Treffpunkt die Stadtmauerführung. „Rund ums Krönchen“ heißt es ab 13 Uhr im Innenhof des Oberes Schlosses. Zudem wird die Führung ab 14 Uhr in englischer und ab 15 Uhr in russischer Sprache durchgeführt. Alle Führungen sind auf 25 Personen begrenzt (Anmeldung unter 02 71 - 4 04 13 17).

Burbach

  • Landhaus Ilse: Besichtigung zwischen 15 und 18 Uhr. (Anmeldung unter 0 27 36 - 45 88).

Hilchenbach

  • Internatsmuseum Stift Keppel: Führungen in Dreiergruppen ab 16 und 17 Uhr. (Anmeldung unter 0 27 33 - 32 81).

Holzhausen

  • Dorfspaziergang: Ab 14 Uhr an der Alten Schule (Anmeldung unter 01 71 - 7 82 59 72).
Sorgen für Leben im Denkmal: Familie Stahlschmidt mit Vater Simon, Mutter Chantal und den beiden Jungs Fritz (oben) und Ernst lassen den 1732 erbauten Fröhlichshof alles andere als alt aussehen.
Ein Fischgrätenboden im Eingang ist selten und ausgesprochen pflegeleicht.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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