Fachwerkhaus in Krombach abgebrannt
Ferndorfer bietet Familie Dickel Obdach

Sandra Dickel und ihre Familie nahmen am Sonntag vor der Brandruine ihre bei den Nachbarn untergekommenen Hunde Maja und Luna wieder in Empfang.
  • Sandra Dickel und ihre Familie nahmen am Sonntag vor der Brandruine ihre bei den Nachbarn untergekommenen Hunde Maja und Luna wieder in Empfang.
  • Foto: bjö
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

bjö Krombach. „Für mich ist im Moment schlimm, nicht reinzudürfen und zu gucken, was man noch rausholen kann.“ Hausbesitzerin Sandra Dickel und ihre Familie stehen am Sonntagnachmittag fassungslos vor einer Gitterabsperrung, die ihnen den Zutritt zu dem verwehrt, was 24 Stunden vorher noch ihr Zuhause war. „Die Ungewissheit frisst einen auf“, erklärt Partner Carsten Konka, was ihn beim Anblick der Brandruine Am Alten Heck am meisten quält – er hat keine Erklärung dafür, was einen Tag zuvor gegen 16.15 Uhr den Brand ausgelöst haben könnte, der sechs Personen obdachlos gemacht hat.
„Da stecken viel Arbeit und Erinnerungen an meine Mutter drin“, beschreibt Sandra Dickel, was sie mit dem Fachwerkhaus verbindet, das aus dem 17. Jahrhundert stammt und damit zu den ältesten Bauten in Krombach gehört. Der Dachstuhl ist komplett niedergebrannt; wie viel darunter von Flammen und Löschwasser zerstört wurde, weiß sie noch nicht – Einsturzgefahr und noch anstehende Ermittlungen der Polizei machen ein Betreten vorerst unmöglich.

Fachwerkhaus "Langebachs" nicht mehr bewohnbar

Zwei Katzen und zwei Hunde unverletzt

Ein kleiner Lichtblick am Sonntagnachmittag, als die Familie bei ihren Nachbarn Sonja und Daniel Binsack ihre beiden Hunde Maja und Luna wieder in Empfang nehmen kann – sie konnten sich ebenso noch rechtzeitig aus dem brennenden Haus retten wie die zwei Katzen, die als Freigänger zunächst in einer Notunterkunft ihren Schrecken verarbeiten sollen.
Nachbarn hatten bei Brandausbruch den im Erdgeschoss wohnenden „Ziehsohn“ Eric darauf aufmerksam gemacht, dass aus dem Dach leichter Rauch aufstieg. In diesem Moment fuhr auch Carsten Konka mit dem Auto vor, um Eric für Arbeiten abzuholen. Er rannte noch einmal ins Haus, um alle Tiere zu retten. Außerdem informierte er die Feuerwehr bei deren Eintreffen über im Haus befindliche Gasflaschen. Die Einsatzkräfte aus Eichen und Krombach brachen daraufhin den begonnenen Löschangriff durchs Treppenhaus ab und beschränkten sich auf den Einsatz von außen.

Meterhohe Flammen

Als Kreuztals stellv. Wehrführer Thorsten Schreiber die Löschgruppe Littfeld sowie weitere Kräfte aus Kreuztal nachforderte, die mit „Fognails“ Spezial-Löschwerkzeug mitbringen sollten, um Löschnägel in das Dach zu schlagen, stand noch nicht fest, dass das im Dachgeschoss wütende Feuer Minuten später durch die Dachhaut durchzünden würde. Die Flammen schlugen daraufhin meterhoch in den Himmel. Auch der Einsatz der Drehleitern aus Kreuztal und Geisweid konnte einen Totalverlust des Dachstuhls nicht verhindern.
Wie klug die Entscheidung war, nur noch von außen zu löschen, offenbarte sich, als sich im Dachstuhl eine Explosion ereignete und offenbar eine der erwähnten Gasflaschen zerbarst. Helfer des ehrenamtlichen DRK und des Rettungsdienstes kümmerten sich gemeinsam mit Feuerwehrarzt Wolfram Krämer um vier Hausbewohner, die sie vor Ort medizinisch versorgten, aber nicht mit ins Krankenhaus nehmen mussten.

Butterbrot für Lkw-Fahrer

Als die Polizei während des Brandes die Einsatzstelle weiträumig für den Verkehr abgeriegelt hatte, steckte der Lkw-Fahrer Frank Daub mit seinem Tieflader aus Netphen kurz vor der Einsatzstelle manövrierunfähig fest, weil kein Platz zum Wenden vorhanden war.
Ihn versorgte kurzerhand die Krombacherin Marion Bosch mit einem Abendbrot, das sie ihm in die Fahrerkabine hineinreichte. Wenige Minuten später geleitete Krombachs Feuerwehr-Einheitsführer Marc Einzmann das Gespann höchstpersönlich an der mittlerweile passierbaren Einsatzstelle vorbei: Immerhin stellte sich heraus, dass der Tieflader einen Bagger aufgeladen hatte, der in der kommenden Woche die Fertigstellung des neuen Krombacher Feuerwehrgerätehauses voranbringen soll.

Eines der ältesten Bauwerke in Krombach

Das Fachwerkhaus mit dem Hausnamen „Langebachs“ stammt aus der Zeit vor 1700, gehört damit zu den ältesten Bauwerken in Krombach und dürfte nunmehr abrissreif sein. Archivunterlagen belegen, dass es vor 100 Jahren dem einstigen Krombacher Feuerwehrchef Friedrich Schneider gehörte. Der ausgebrannte Giebel der Brandruine wölbt sich seit dem Feuer gefährlich Richtung Nebenstraße Oberseifen, dessen Durchfahrt bis auf Weiteres abgesperrt ist. Die Ortsdurchfahrt Krombach samt Kreisel blieb während der Löscharbeiten über zwei Stunden für den Verkehr gesperrt. Die Feuerwehr mit insgesamt 60 Kräften war bis zur Dunkelheit damit beschäftigt, über die Drehleitern Glutnester im Dachstuhl zu ersticken. Währenddessen bemühte sich der Netzbetreiber darum, die defekte Stromversorgung der Nachbarhaushalte wieder notdürftig herzustellen. Am Sonntagmorgen rückte die Feuerwehr erneut an, um Glutnester abzulöschen. Über eine mögliche Brandursache konnte am Samstag vor Ort noch niemand eine Aussage treffen. Die Polizei setzte den entstandenen Schaden in einer vorsichtigen Schätzung im sechsstelligen Euro-Bereich an.

Ferndorfer bietet Hilfe an

Als am Samstagabend angesichts des immensen Brandschadens klar war, dass für sechs Menschen eine Rückkehr in ihre eigenen vier Wände nach dem Löscheinsatz undenkbar war, bot der Ferndorfer Patrick Arnold mit seiner Partnerin Sabrina Rüttger der obdachlos gewordenen Familie ein vorübergehendes Quartier in der eigenen Wohnung an: „Ob wir helfen sollten, war für uns überhaupt keine Diskussion – Platz ist in der kleinsten Hütte.“ Außerdem rief er über die sozialen Medien eine Hilfsaktion ins Leben, die am Sonntag bereits auf große Resonanz stieß. „Sagenhaft, so etwas – so viel Dank kann man gar nicht ausdrücken“, kommentiert Carsten Konka die Bereitschaft vieler Siegerländer, mit Kleidung, Gebrauchsgegenständen und Lebensmitteln zu helfen.
Unter bonny1933@mail.de ist Patrick Arnold für weitere Spendenanfragen ebenso erreichbar wie über seine Telefonnummer 01 70 / 4 40 48 02.

Autor:

Björn Hadem aus Siegen

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