Frühlingsflirt mit einer Plastikdame

Littfelder Weißstorch heißt jetzt »Flendersch Kurt«/Balz mit einer Vogelattrappe

dima Littfeld. Veronika der Kurt ist (wieder) da, so könnten Littfelder Naturfreunde in leichter Abwandlung des einstigen Gassenhauers seit Sonntag singen. Der Frühling ist im Siegerland angekommen. Und mit ihm die erste Blütenpracht. In Littfeld spielt die Flora aber selbst für Naturfreunde nur noch eine Nebenrolle, denn spätestens seit dem Wochenende steht fest: Weißstorch Kurt, der seit seiner ungewöhnlichen Landung am 24. Januar in Littfeld überwinterte, möchte im Land der Hauberge und Rieselwiesen eine Familie gründen. Und zwar gemeinsam mit einer täuschend echten Storchendame, die – leider nur aus Kunststoff – bereits seit Jahren zur Dekoration im Garten von Ulrike Flender steht. Kurt, dessen Hormone pünktlich zu Frühlingsbeginn in Wallung geraten sind, findet die Plastikstorchendame offensichtlich unwiderstehlich. Zumal sie – ebenfalls aus Dekorationsgründen – bereits im gemachten Nest sitzt.

Seit einigen Jahren drapiert Ulrike Flender drei Kunststoffstörche rund um ein selbst gebasteltes Nest auf einem Baum. Kurz nachdem Kurt im Januar landet, »pflanzte« sie einen der Vögel, die sonst allesamt im Keller »überwintern«, in den Garten. In der Hoffnung, Kurt könne »anbeißen«. Tat er aber erst einmal nicht, bis die Frühlingssonne seine Liebe zu dem Kunststoffvogel schließlich doch noch weckte. Womit endlich feststeht, was man in Littfeld bisher nur vermuten konnte: Kurt ist ein Storchenmann. Glücklich sind die Tierfreunde, die den Zugvogel seit dem Winter regelmäßig mit Rinderhack und frischen Forellen fütterten, trotz Vogelbalz aber nicht, denn, so Ricarda Grewe, jetzt bestätigt sich eine Befürchtung, die Wolfgang Rades vom Vogelpark Uckersdorf zu Beginn der Aktion äußerte: Die permanente Fütterung hat die artgerechte Rückreise in den Norden Deutschlands überflüssig gemacht. Kurt bleibt erst einmal in Littfeld. Und balzt nach allen Regeln der Storchenkunst.

Nachdem der Vogel eine Woche lang verschollen schien, tauchte er am Sonntag Abend unvermittelt am Deko-Nest an der Aspenstraße auf und machte der schönen Unbekannten stilgerecht den Hof. Mit großem Einsatz und nach bester Storchenart gab Kurt den zärtlichen Liebhaber. Und zwar vor den Augen zahlreicher Littfelder, die das Spektakel dem TV-Tatort vorzogen. Wie Ricarda Grewe gestern Morgen berichtete, verbrachte Kurt anschließend sogar die Nacht an der Seite der Attrappe. Erst am frühen Morgen verabschiedete sich Herr Adebar.

Selbst optimistische Ornithologen konnten den Littfeldern bisher nur wenig Hoffnung auf eine eigene Storchenkolonie machen. Frösche, Mäuse und Regenwürmer würde Familie Storch vielleicht in ausreichender Menge finden, urteilten sie, das Problem sei aber: Zur erfolgreichen Familienplanung fehlte Kurt einfach die passende Dame. Logisch schien es für die Storchenfreunde, dass Kurt Littfeld verließ. Wahrscheinlich, so die Hoffnung der Tierfreunde, war der Vogel in Richtung Norden unterwegs. Vielleicht wartete irgendwo am Rande von Hannover, hier schlüpfte Kurt aus dem Ei, eine treue Gattin. Die große Sorge der Littfelder, dass sich das Federtier aufgrund der permanenten Fütterung zukünftig nicht mehr artgerecht verhalten würde und zeitlebens als einsamer Single über Littfeld kreisen würde, schien sich wortwörtlich in Luft aufgelöst zu haben. Am Sonntag, kurz vor Sonnenuntergang klingelte dann das Telefon bei Ricarda Grewe, eine Nachbarin berichtete bestürzt: »Der Kurt ist wieder da.« Minuten später der zweite Anruf: »Und jetzt sitzt er im Nest.«

Mittlerweile sind sich die Naturfreunde nicht mehr sicher, ob ihr ornithologisches Hilfsprojekt nicht langsam aus dem Ruder läuft. Tierschützerin Ricarda Grewe: »Ich war froh, dass er weg war.« Seit gestern ist die Littfelderin erneut in Sorge, dass Kurt kein normales Storchenleben mehr führen wird. Biologen urteilen jedoch sachlicher. Kurt reagiert instinktiv auf die optischen Reize der Plastikdame. Körperform und die täuschend echte Färbung wirken als angeborene »Auslösemechanismen«, die zum Balzverhalten führen. Entspannter sieht die Storchenhochzeit auch Darina Hoffmann, die den Storch bei der Balz beobachtete. Der SZ teilte sie gestern mit, Kurt habe im Garten von Ulrike Flender mit der »Vormieterin« angebändelt. Die Littfelderin: »Von nun an heißt er Flendersch Kurt.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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