Für Hilfe in Südafrika ausgezeichnet

Ev. Kirchengemeinde Kreuztal:

Präses Sorg übergab Förderpreis „Konziliarer Prozess” – Dank an Friedhelm Knipp

Kreuztal. Den Förderpreis „Konziliarer Prozess” nahm jetzt Landesoberbaurat Friedhelm Knipp für die Ev. Kirchengemeinde Kreuztal vom Präses der Ev. Kirche von Westfalen, Manfred Sorg, in der Johanneskirche in Iserlohn entgegen. Die Auszeichnung wird an Initiativen vergeben, die in den Bereichen internationale Gerechtigkeit, Menschen und Bürgerrecht, innergesellschaftliche soziale Fragen, Friedens- und Versöhnungsarbeit sowie Ökologie vorbildlich tätig sind. Diesmal wurden fünf Projekte ausgezeichnet, zwei davon erhielten den Sonderpreis „Zukunftsfähiges Wirtschaften”. Das Preisgeld beträgt insgesamt 10000 DM. Das Kreuztaler Projekt „Amanzabantu” erhielt davon 2000 DM. Der Betrag soll für neue Projekte eingesetzt werden.

„Amanzabantu” verfolgt das Ziel, die Trinkwasserversorgung in den Dörfern des Kwazulu-Landes in Südafrika zu verbessern. Unter der Leitung des Kreuztaler Bauingenieurs Friedhelm Knipp reisten mehrfach freiwillige Helfer nach Südafrika. In Kooperation mit Dorf-Einwohnern und Nachkommen von deutschen Missionaren, die vor Ort die organisatorischen Vorkehrungen trafen, wurden Wasserleitungen verlegt und Quellen erschlossen.

1984 traf Friedhelm Knipp im Eine-Welt-Laden Siegen auf Cathy Buchholz, eine farbige Missionsfrau aus Südafrika. Sie stammt aus St. Faith’s, dem ehemaligen Homeland der Provinz Natal, und hatte einen deutschen Pfarrer der Herrnhuter Mission geheiratet. Sie bat um Hilfe für die Trinkwasserversorgung ihres Heimatdorfes. „Schickt uns kein Geld, sondern kommt selbst und baut mit uns. Spenden kommen vor Ort nicht an.” „Da ich Wasserbau studiert habe”, so Knipp, „fühlte ich mich angesprochen.”

Er fand bald ein Team, das bereit war, ein solches Wagnis einzugehen. Die Gruppe musste sich intensiv auf die Aktion vorbereiten. Cathy Buchholz machte die Deutschen mit der Mentalität, den Lebensgewohnheiten und den Traditionen der Afrikaner bekannt und erläuterte u.a. die Problematik der Apartheid. Dies war maßgebend für den Erfolg der Projekte und deren Bestand bis heute.

Im Oktober 1985 sollte das erste Projekt starten, alles war vorbereitet, aber die Deutschen bekamen als kirchliche Gruppe keine Einreisegenehmigung. Im Mai 1986 gelang es dann doch nach Fürsprache von Kontaktpersonen vor Ort. „Wasser für St. Faith’s” war das Motto der Aktion, und so wurde die Gruppe „Amanzabantu” – die Wasserleute – genannt. Vor Ort erwiesen sich die Trinkwasserverhältnisse als katastrophal. Cholera und Typhus waren an der Tagesordnung. Es wurden Quellen gesucht, aufgegraben, gefasst und Wasserleitungen gelegt. Geologische Gegebenheiten wurden optimal ausgenutzt, der Einsatz von Technik wurde so gering wie möglich gehalten.

Der Jubel im Dorf war groß

Bereits nach wenigen Tagen genossen die Menschen das erste saubere Trinkwasser. „Einen solchen Jubel unter den Menschen wie an diesem Tag”, so Friedhelm Knipp, „habe ich selten erlebt.” Gebaut wurden noch ein Wasserreservoir und eine Entnahmestelle mit Wasserhahn. Das erste Projekt war fertig. Es funktioniert noch heute. Drei solcher Maßnahmen konnten während der sechs Wochen Aufenthalt realisiert werden.

Mit den Dorfbewohnern wurde vereinbart, dass sie ohne Lohn am Projekt mitarbeiteten und den Deutschen Unterkunft und Verpflegung geben. Im Gegenzug finanzierten die Gäste alle Kosten und arbeiteten ebenfalls ohne Lohn. Die Wasserbauer aus Deutschland wohnten in den Rundhäusern der Familien im Dorf. Die sanitären Ausstattungen waren mehr als schlicht. „Aber die Herzlichkeit der Gastgeber hat allen Verzicht auf den gewohnten Komfort aufgewogen”, erinnert sich Friedhelm Knipp dankbar.

Unvergessen sind für ihn die gemeinsamen Gottesdienste und Gebetsstunden am offenen Feuer in der Lehmhütte. Durch den freundschaftlichen Umgang mit den schwarzen Dorfbewohnern konnten sie so manchen Denkprozess bei den Weißen in der Umgebung auslösen. Der gute Abschluss der Aktion hat alle Beteiligten beglückt. Die Wasserbauer aus Kreuztal wurden verabschiedet mit den Worten: „Kommt wieder, es gibt noch viel zu tun.”

Vier weitere Projekte dieser Art konnten die Kreuztaler in Südafrika bereits verwirklichen. Das bisher letzte wurde erst vor einigen Wochen zu Ende gebracht. Mehr als 140000 DM kosteten die Wasseranlagen. Das Geld sammelten die Ev. Kirchengemeinde Kreuztal, aber auch Mitglieder der Nederlandse Gereformerde Kerk in Dollum (Südafrika), zu denen Knipp Kontakte unterhielt. Mehr als 5000 Menschen erhielten eine dauerhafte Wasserversorgung – ausgelöst durch ein Gespräch im Eine-Welt-Laden in Siegen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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