Ganztagsschule als Heilmittel?

Brigitte Speth (SPD-MdL) für »kommunale Netzwerke«

js Kreuztal. Unser Schulsystem lässt noch viele Wünsche offen. In diesem Punkt waren sich alle einig, die jetzt auf Einladung der SPD den Weg in die Kreuztaler Stadthalle fanden, um über das Thema Ganztagsschule zu diskutieren.

»Ist die Ganztagsschule das Allheilmittel?«, lautete die Eingangsfrage des Moderators Christian Ganseuer. Erste Antworten gab Brigitte Speth, stellv. Fraktionsvorsitzende der SPD im Düsseldorfer Landtag und Gesamtschullehrerin »mit Ganztagserfahrung«. Sie zog die oftmals gelobten skandinavischen Schulmodelle als vorbildliche Beispiele heran, lobte deren »kommunale Netzwerke«.

»Fast in allen Ländern hat sich eine Ganztagsbeschulung durchgesetzt«, so Brigitte Speth. Auch in Deutschland sei inzwischen klar, dass Ganztagsschulen notwendig seien. »Einerseits ist es das gute Recht der Eltern, ihr Kind gut aufgehoben zu wissen.« Andererseits gebe es einen pädagogischen Aspekt, der nicht zu verachten sei: »Es bleibt mehr Zeit für individuelle Förderung.« Chancengleichheit sei in der jetzigen Schullandschaft noch nicht gewährleistet. Speth: »Es dürfen jedoch nicht die Bücher im Elternhaus über die Zukunft der Kinder entscheiden.« Die Zukunft des Schulwesens sieht Brigitte Speth in der »offenen Ganztagsgrundschule«. Was aber genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? »Die Verhältnisse sind sehr unterschiedlich von Kommune zu Kommune.« Wichtig sei, dass die Ideen zur konkreten Gestaltung aus der Schule heraus kommen müssten. »In einem gewissen Rahmen ist die Gestaltung also ,offen’«. Außerdem handele es sich um eine Angebotsschule. Speth: »Die Entscheidung liegt bei den Eltern.« In das jeweilige Konzept der »offenen Ganztagsgrundschule« sollen neben den Lehrern weitere Berufsgruppen integriert werden. Erzieher und Sozialpädagogen, aber auch Experten aus dem künstlerischen, musischen und sportlichen Bereich.

Einige »Richtwerte« müsse es dabei geben, sagte die stellv. SPD-Fraktionsvorsitzende: »Es gibt eine Betreuung von 8 bis 16 Uhr, Mittagsverpflegung, Versorgung in den Ferienzeiten, Hausaufgabenbetreuung, gezielte Förderungen und Freizeitangebote.« Um diesen Zusatzbedarf abzudecken, müssten in NRW 800 neue Lehrerstellen besetzt werden, die Kosten könnten sich um 60 Prozent erhöhen. Auch die Eltern müssten in die eigene Tasche greifen und bis zu 100 Euro zuschießen. »Bis 2007 möchten wir drei Viertel der Schulen im Bundesland erreichen«, verkündete Speth. »In diesem Jahr werden sich etwa 300 Schulen umstellen.«

Aus der Ganztags-Praxis im Siegerland berichteten Heike Siebel, didaktische Leiterin an der Siegener Bertha-von-Suttner-Gesamtschule, und Erich Hofmann von der Gemeinschaftsgrundschule Kreuztal. »Unsere Lehrer verbringen einen Teil ihres Arbeitstages nicht mit Unterricht«, verdeutlichte Heike Siebel und stellte den vielseitigen AG-Plan ihrer gut ausgestatteten Schule vor.

Der Kreuztaler Schulleiter Erich Hofmann gab Einblicke in seine »verlässliche Ganztagsgrundschule«, die seit nunmehr vier Jahren in dieser Form geführt wird. »Bisher«, so gestand er, »erfüllen wir nur den Bedarf berufstätiger Eltern.« Auf lange Sicht sei jedoch der von Speth propagierte pädagogische Aspekt wünschenswert. Zum Thema »offene Ganztagsgrundschulen« machte Hofmann ein Problem deutlich: »Das Modell rechnet sich erst ab 21 Kindern.« Das Kreuztaler Angebot wird zurzeit lediglich von elf Schülern genutzt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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