Gezielte Hilfe zur Selbsthilfe

Gruppe für Abhängigkeits- und psychische Erkrankungen arbeitet seit Jahren erfolgreich

Fellinghausen. Sucht bedeutet Krankheit, genauer gesagt ein krankhaftes Verlangen. Sei es aufgrund von Medikamenten, Alkohol oder Drogen. Dass allerdings hinter einer Sucht noch viel mehr stecken kann, weiß Alfons Faß. Der Kredenbacher Sucht- und Ergotherapeut betreut seit vier Jahren im Rahmen der Diakonie Kreuztal die Selbsthilfegruppe für Abhängigkeits- und psychische Erkrankungen. Eine Selbsthilfegruppe der etwas anderen Art.

»Wir verstehen uns nicht nur als reine Gesprächsgruppe, vielmehr soll den Hilfe suchenden Menschen durch Gespräche und interaktionierte ergotherapeutische Methoden, zum Beispiel Rollenspielen, Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden. Einen erhobenen Zeigefinger wird man deswegen auch bei uns nie finden«, erklärte Faß. »Diese Form der Gruppenarbeit, Zusammenfassung von Abhängigkeitserkrankten und psychisch erkrankten Menschen hat sich in unserer Praxis als außerordentlich hilfreich erwiesen. Ein Grund dafür ist, dass Abhängigkeitserkrankungen und psychische Probleme häufig in Kombination oder in Wechselwirkung auftreten und nur gemeinsam wirklich bewältigt werden können.« Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Einbeziehung des Partners bzw. des näheren sozialen Umfeldes, das von der Erkrankung betroffen ist. Gerade diese Personen benötigten Hilfe, um dem Betroffenen sinnvoll helfen zu können.

Diese Erfahrung haben auch Martin und Elisa Müller (die Namen wurden von der Redaktion geändert) gemacht. Das Kreuztaler Ehepaar wandte sich vor vier Jahren verzweifelt an Alfons Faß. »Mein Mann hatte die Arbeit verloren, die Probleme wuchsen ins Unendliche, und die Rechnungen häuften sich«, so Elisa Müller. Beide griffen zur Flasche, doch dadurch wurde das Ganze noch schlimmer. »Irgendwann habe ich selbst gemerkt, dass es so nicht mehr weiterging. Ich wollte mein Leben wieder in den Griff bekommen und etwas ändern. Martin hat sich mir angeschlossen, und so sind wir an die Selbsthilfegruppe geraten, die damals gerade gegründet wurde.«

Und dort wurde viel geredet. Doch nicht immer war die Sucht das wichtigste Thema. »Wir haben uns über Gott und die Welt ausgetauscht. Egal ob das allabendliche Fernsehprogramm oder ein aktuelles Ereignis – bei uns kam alles auf den Tisch«, so Martin Müller. »Wichtig war jedoch immer, dass Störungen Vorrang hatten. Wenn also jemand Parallelen zu seiner Sucht ziehen wollte, kam das Thema sofort zur Sprache.« Und das half dem Ehepaar Müller weiter. »Es ist schön, wenn man mit den anderen über alles reden kann«, so die Kreuztalerin. »Viele haben die gleichen Probleme, und das macht einem selber Mut.«

Von der Selbsthilfegruppe in die Langzeittherapie, die Müllers schafften es. Nach vielen Monaten konnten sie ein neues Leben ohne Alkohol beginnen. »Und genau dorthin wollen wir die Menschen durch Motivationsarbeit bringen«, so Faß. »Sie sollen ihr Leben in die Hand nehmen, Perspektiven entwickeln und Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Abstinenz ist dabei das eine Ziel, doch wichtig ist natürlich ebenso, dass die Süchtigen ihre Zukunft meistern und nicht nur die Vergangenheit bewältigen.«

tb

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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