Grenzen der Belastbarkeit erfahren

Extrem-Abenteurer Arved Fuchs berichtete von seiner Reise durch die Nord-Ost-Passage

sib Kreuztal. Was treibt einen Menschen dazu, wochenlang Gepäck mit sich herumzuschleppen, das mehr wiegt, als der eigene Körper? Warum setzt sich jemand freiwillig Temperaturen von minus 50 Grad und weniger aus, verzichtet auf Privatsphäre, begibt sich in Gefahr? »Neugier«, sagt Arved Fuchs als Begründung. Das und der Drang, in immer neuen Situationen an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit vorzustoßen, treiben ihn in die entlegensten Gegenden, die der Globus zu bieten hat.

Deshalb sucht er seine Abenteuerlust zu stillen in Regionen der Welt, die kälter sind als Eis. »Kälter als Eis« hieß auch der Vortrag mit Dia- und Video-Multivisionsshow, den der bekannte deutsche Extrem-Abenteurer jetzt in der ausverkauften Kreuztaler Stadthalle hielt. Gezeigt wurde seine ganz persönliche Wiederentdeckung der Nord-Ost-Passage. Damit wurde die Veranstaltungsreihe »XPEDITIONEN@KREUZTAL« eröffnet, die vom Kulturamt der Stadt Kreuztal, der Volkshochschule Siegen-Wittgenstein und dem Reisefotografen Klaus-Peter Kappest veranstaltet und von der Siegener Zeitung präsentiert wird.

Die Erlebnisse von Arved Fuchs und seiner Crew, die auf dem Schiff »Dagmar Aaen« entlang der Nordküste Europas und Sibiriens durch das Packeis segelten, schlugen das Publikum mehr als zwei Stunden in ihren Bann. Die Zähigkeit, die der Globetrotter und sein Team dabei an den Tag legten, ist beeindruckend: Bereits dreimal war Fuchs an der Nord-Ost-Passage gescheitert, zweimal machten die extremen Eisverhältnisse sein Vorhaben zunichte, einmal sogar musste die eingefrorene »Dagmar Aaen« neun Monate im sibirischen Winter bleiben.

Doch im vergangenen Jahr stand die Expedition unter einem guten Stern. 128 Tage nur brauchte die Schiffsbesatzung, um die 8000 Seemeilen (ca. 15000 Kilometer) zurückzulegen, beginnend im Hamburger Hafen, beendet in Südalaska. Die Impressionen dieses bitterkalten Sommers spiegelten nicht nur die unglaubliche Schönheit der Landschaft wider, sondern vermittelten auch Eindrücke von haarsträubender Umweltzerstörung und gravierenden sozialen Veränderungen. Zwischen Packeis und politischen Umwälzungen suchte sich die über 70 Jahre alte »Dagmar Aaen« ihren Weg.

Erstaunlicherweise sind es nicht nur die Wetterunbilden oder zerschlissenes Material, die den Abenteurern zu schaffen machen, sondern mitunter auch die Trägheit und Willkür von Behörden. Denn kaum hatten die Abenteurer die Grenze zum einstigen Sowjetreich überschritten, da wurden sie auch schon verhaftet: Im Hafen von Nurmansk saßen sie zwölf Tage statt des geplanten einen fest, da die Faxe, die die Ankunft des Schiffes ankündigten, unauffindbar waren. »Kälter als Eis« meinte übrigens Fuchs’ Begleiter Slava Melin im Bezug auf die Behörden, die die Pläne erneut zu vereiteln drohten.

Diese Verwirrungen hielten die Vertreter der sibirischen Obrigkeit aber nicht davon ab, mit der international besetzten Schiffscrew Dorsche zu angeln oder sich nach Dienstschluss ganz gehörig mit ihr zu »bepicheln«. In manchen Gegenden, die im Rahmen der Nord-Ost-Passagen-Befahrung aufgesucht wurden, ist Alkoholmissbrauch übrigens ein riesengroßes Problem mit allen bekannten Folgen, wie Fuchs zu berichten wusste.

Immer weiter ging die Reise durch die Barentssee, die von versenkten Abfällen verseuchte Kara-See, durch die eisige Laptevsee und schließlich durch die Beringsee: Jede Menge Vorlagen für den bordeigenen Maler Rainer Ullrich, um die Eindrücke im Bild festzuhalten. »Auf diesen Reisen kann es nicht um die Bezwingung der Natur gehen, sondern nur um die Unterordnung unter ihre Gesetze«, betonte Arved Fuchs. »Dabei kann man eine Menge über sich selbst lernen.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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