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Bürgerinitiative Junkernhees: Amprion-Gutachten mangelhaft
„Grob fahrlässige Fehler“

Mit einem Transparent weist die BI vor Schloss Junkernhees auf die Pläne des Netzbetreibers Amprion hin, vis à vis ein Umspannwerk zu bauen.
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  • Mit einem Transparent weist die BI vor Schloss Junkernhees auf die Pläne des Netzbetreibers Amprion hin, vis à vis ein Umspannwerk zu bauen.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

nja Junkernhees. Die Kritik ist deutlich: Von „grob fahrlässigen Fehlern“, einem nicht nachvollziehbaren Bewertungssystem und dem Versuch, „das Unmögliche möglich zu machen, nämlich den schlechtesten Standort für den Neubau einer gasisolierten Umspannanlage – Säubelzes Wiese in Junkernhees – als den perfektesten darzustellen“, ist die Rede: Sascha Reller und Ansgar Klein von der Bürgerinitiative Junkernhees sind auch nach gut fünf Jahren engagierten Widerstands gegen die Pläne von Amprion, durch das Heestal eine Höchstspannungsleitung und in Junkernhees besagtes Umspannwerk zu bauen, nicht müde oder gar unaufmerksam geworden. Trotz der Papierflut.

nja Junkernhees. Die Kritik ist deutlich: Von „grob fahrlässigen Fehlern“, einem nicht nachvollziehbaren Bewertungssystem und dem Versuch, „das Unmögliche möglich zu machen, nämlich den schlechtesten Standort für den Neubau einer gasisolierten Umspannanlage – Säubelzes Wiese in Junkernhees – als den perfektesten darzustellen“, ist die Rede: Sascha Reller und Ansgar Klein von der Bürgerinitiative Junkernhees sind auch nach gut fünf Jahren engagierten Widerstands gegen die Pläne von Amprion, durch das Heestal eine Höchstspannungsleitung und in Junkernhees besagtes Umspannwerk zu bauen, nicht müde oder gar unaufmerksam geworden. Trotz der Papierflut.
Fristgerecht hat die BI über ihren Rechtsanwalt Philipp Heinz eine niederschmetternde 31-seitige Stellungnahme zu der „vertieften Variantenbetrachtung“ des Amprion-Gutachters zur Bezirksregierung Arnsberg geschickt. Wie berichtet, kommt der Gutachter zu dem Schluss, dass sich die Junkernheeser Wiese jenseits des rege von Spaziergängern und Freizeitsportlern genutzten Wirtschaftswegs vis à vis Schloss Junkernhees am besten für eine Umspannanlage eignet. Das sieht nicht nur die BI vollkommen anders.

Stadtplanerin hat erhebliche Bedenken

Am Montag wird die Stadt Kreuztal nachlegen. Dem Infrastrukturausschuss liegt eine Stellungnahme von Stadtplanerin Petra Kramer vor, die ebenfalls nicht mit harscher Kritik geizt: Zu lesen ist von erheblichen Bedenken gegen die Untersuchungsmethodik, Bewertung, Vollständigkeit, Qualität und Gewichtung des Gutachtens (siehe auch Infokasten weiter unten).
Stocksauer ist die BI, „mit so miserablen Unterlagen“ abgefertigt zu werden. Auch BI-Fachanwalt Heinz, ein profunder „Amprion-Kenner“, bezeichnet die Variantenprüfung als ungeeignet: Sollte eine Entscheidung pro Junkernhees darauf fußen, wäre dies „aus einer Vielzahl von Gründen rechtlich angreifbar“. Bewertungen, so der Fachanwalt, „müssen nachvollziehbar begründet sein. Ansonsten ist keine fundierte Abwägung möglich“. Diesen Anforderungen werde die im Auftrag der späteren Bauherrin Amprion verfasste Variantenprüfung nicht gerecht. „Darüber hinaus werden selbst nach den gutachterlichen Kriterien falsche Schlussfolgerungen gezogen, teils auf falscher/fehlerhafter Tatsachenbasis.“ Nur so lasse sich verstehen, dass der Neubau eines Umspannwerks inmitten eines Naherholungsgebiets, das sich in einem geschützten Kulturlandschaftsbereich mit historischen Denkmalensembles und ausgeprägter Natur sowie unmittelbar angrenzender Wohnbebauung befindet, geeigneter sein solle als die Erweiterung der Umspannanlage Altenkleusheim: Der Gutachter komme „aufgrund von falschen Annahmen, Kriterien und mathematischem Schönrechnen“ zu diesem Schluss.

Kritikpunkte im Überblick

Hier einige der Kritikpunkte:

  • Zwar „wurden die Denkmäler erkannt, nicht aber, dass dort Menschen leben;
  • das vom Gutachter benannte „nächste Wohnhaus zur Umspannanlage Altenkleusheim ist eine verlassene Grillhütte“, sagen Reller und Klein: Erkenntnis nach einem Spaziergang;
  • die Planung „beruht auf einer offensichtlich schon veralteten Mastvariante“; 
  • bei der Erweiterung der Umspannanlage Altenkleusheim würde am wenigsten Fläche verbraucht; der Erfordernis, vermeidbare Eingriffe in die Natur zu unterlassen und nicht vermeidbare Eingriffe zu minimieren, wird nicht Rechnung getragen; die Erweiterung der Umspannanlage Altenkleusheim koste 6,8 Millionen Euro, der Neubau in Junkernhees 9,3 Millionen. 

BI zweifelt Unabhängigkeit des Experten an

Die BI fordert, die Varianten für Umspannanlage und auch den Verlauf der Stromtrasse „endlich durch einen absolut neutralen und unabhängigen Gutachter bewerten zu lassen, wobei die Auftragsvergabe nicht über“ Amprion laufen dürfe und jeder Kontakt „zeitlich und inhaltlich“ ausführlich dokumentiert werden müsse. Die Botschaft: Die BI hält das Gutachten für derart mangelhaft, dass sie die Unabhängigkeit des Experten anzweifelt.
Rund 12.000 Euro hat die Initiative schon in ihren Kampf investiert. Aufgeben ist keine Option. Warum hält das Unternehmen Amprion wohl so vehement am Standort Junkernhees fest? Reller und Klein sind sich sicher: „Die wollen hier einen neuen Netzknotenpunkt – nicht nur für die jetzt diskutierte Trasse.“

Stadt: „Qualität der Untersuchung nicht ausreichend“ Dies sind einige der Kritikpunkte der Stadt Kreuztal am neuen Amprion-Gutachten: Die Qualität der vorliegenden Untersuchung ist nicht ausreichend, Nachbesserungen sind erforderlich. - Es entsteht der Eindruck, als habe man sich mit dem Gutachten lediglich bemüht, „denjenigen Standort günstig erscheinen zu lassen, der eigentumsrechtlich am bequemsten ist“ (Anmerkung der Redaktion: Säubelzes Wiese, auf der das Umspannwerk entstehen soll, befindet sich mittlerweile im Besitz von Amprion). - Vorab schieden Standorte aus, ohne dass absolute „K.o.-Kriterien“ benannt bzw. belegt worden wären. - Es fehlen Aussagen zu Fauna und Flora (außer Wald) und artenschutzrechtlichen Gegebenheiten. Das Schutzgut Mensch und menschliche Gesundheit wird nur unvollständig und oberflächlich behandelt. - Inhaltlich werden die Bedarfe nach Naherholungs- und Freizeitmöglichkeiten gänzlich vernachlässigt. Die Funktion des Heestals als einziger barrierefreier Naherholungs- und Freizeitbereich im „Offenland“ sowie seine daraus resultierende Unersetzbarkeit werden nach Ansicht der Stadt gänzlich ignoriert. - Wald wird über-, Freiflächen werden unterbewertet.
Mit einem Transparent weist die BI vor Schloss Junkernhees auf die Pläne des Netzbetreibers Amprion hin, vis à vis ein Umspannwerk zu bauen.
Ansgar Klein und Sascha Reller: Die BI wird nicht aufgeben
Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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