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Geplante Amprion-Trasse durchs Heestal
Gutachten: Politik steht auf der Leitung

Dass die bestehenden Leitungen im Heestal durch leistungsstärkere ersetzt werden solle, ist laut Gutachten gar nicht nötig.
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  • Dass die bestehenden Leitungen im Heestal durch leistungsstärkere ersetzt werden solle, ist laut Gutachten gar nicht nötig.
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js Junkernhees/Herdecke. Die geplante Höchstspannungsleitung, die der Netzbetreiber Amprion von Kruckel bei Dortmund bis Dauersberg in Rheinland-Pfalz spannen will, ist unnötig. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das der renommierte Wirtschaftswissenschaftler und Energieforscher Prof. Dr. Lorenz Jarass im Auftrag der Prozessgemeinschaft „Herdecke unter Strom“ und der Bürgerinitiative (BI) Semberg erstellt. Finanziert wurde es mit Spendengeldern in Höhe von 8500 Euro, zu denen auch die BIs Junkernhees und Meiswinkel beigetragen haben. Am Dienstag stellte der Experte seine Erkenntnisse zunächst dem Rat Herdecke und anschließend in einer öffentlichen Bürgerveranstaltung vor.

Das Ergebnis des Gutachtens kommt für die BI Junkernhees nicht überraschend.

js Junkernhees/Herdecke. Die geplante Höchstspannungsleitung, die der Netzbetreiber Amprion von Kruckel bei Dortmund bis Dauersberg in Rheinland-Pfalz spannen will, ist unnötig. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten, das der renommierte Wirtschaftswissenschaftler und Energieforscher Prof. Dr. Lorenz Jarass im Auftrag der Prozessgemeinschaft „Herdecke unter Strom“ und der Bürgerinitiative (BI) Semberg erstellt. Finanziert wurde es mit Spendengeldern in Höhe von 8500 Euro, zu denen auch die BIs Junkernhees und Meiswinkel beigetragen haben. Am Dienstag stellte der Experte seine Erkenntnisse zunächst dem Rat Herdecke und anschließend in einer öffentlichen Bürgerveranstaltung vor.

Das Ergebnis des Gutachtens kommt für die BI Junkernhees nicht überraschend. „Wir haben es von Anfang an vermutet“, sagt Ansgar Klein aus Mittelhees. „Jetzt haben wir die wissenschaftliche Bestätigung.“ Die umstrittene 380-kV-Leitung, die durch das Sauerland, durchs Heestal und Meiswinkel gelegt werden und den Bau eines großen Umspannwerks gegenüber von Schloss Junkernhees nötig machen soll, dient laut Gutachten nicht der für die Energiewende benötigten Netzstabilität. Sie werde höchstens für den Stromexport in südliche Nachbarländer benötigt.

Die Bürgermeisterin der Stadt Herdecke, Dr. Katja Strauss-Köster, hatte im April ein Moratorium und einen Baustopp der durch ihre Stadt verlaufenden Trasse gefordert, da der von der Bundesregierung beschlossene Kohleausstieg neue Vorzeichen für den Netzausbau mit sich bringe. Diese Vermutung wird im 38-seitigen Gutachten bestätigt. Aus Sicht von Prof. Jarass ist der Amprion-Leitungsbau nicht plausibel zu begründen. Der Netzentwicklungsplan (NEP) erklärte auch nicht, dass bzw. warum diese Leitung nötig sei. Alternativen, die schneller und kostengünstiger zu realisieren seien, würden gar nicht erst betrachtet. Jarass nennt beispielsweise die Produktion von Windgas („power to gas“) als Speichermöglichkeit für Windenergie und Heizstäbe in bestehenden Heizungsanlagen von Wohnhäusern.

95 Mrd. Euro für Netzausbau nicht eingerechnet

Ein großes Defizit sieht der Wissenschaftler darin, dass die Kosten für den Netzausbau – stolze 95 Mrd. Euro! – im NEP gar nicht in die Gesamtkosten für die Energiewende berücksichtigt werden. „Das wird einfach schöngerechnet“, ärgert sich Sascha Reller aus Junkernhees. Die Zeche zahle der Verbraucher. Der Bund sichere den Netzbetreibern eine Dividende von 7 Prozent für den Ausbau eines Netzes zu, das überdimensioniert sei und am Ende für den Export von Strom genutzt werde, der zu Schleuderpreisen verkauft werden müsste.

"Die Politik muss handeln!"

Die geplante Amprion-Leitung sei Teil einer Netzplanung, die den Kohleausstieg völlig unberücksichtigt lasse. Die Planung gehe also davon aus, dass neben den erneuerbaren Energien parallel Kohlestrom eingespeist werde. „Ob das die richtige Strategie ist?“, fragt die BI Junkernhees rhetorisch. Schon jetzt werde fast doppelt so viel Strom produziert wie benötigt werde; dieser Faktor werde sich noch weiter erhöhen, ist im Gutachten nachzulesen. „Die Politik muss handeln“, fordern Sascha Reller sowie Silke und Ansgar Klein. Das Energieleitungsausbaugesetz von 2009 sei überholt, müsse dringend an die Entwicklungen des vergangenen Jahrzehnts angepasst werden. Man könne Amprion nicht einmal einen Vorwurf machen – der Netzbetreiber mache sein Geld auf gesetzlicher Grundlage. Genau diese aber müsse angepackt werden.

Abgesehen von den mit dem Gutachten untermauerten Hoffnungen warten die Bürgerinitiativen aus dem Siegerland weiterhin auf Nachrichten von der Bezirksregierung Arnsberg. Seit dem Erörterungstermin für den Bauabschnitt zwischen Attendorn und Landesgrenze sind nunmehr elf Monate ins Land gegangen. Amprion hat offenbar noch alle 34 Anträge abzuarbeiten, die dem Unternehmen beim dreitägigen Erörterungsmarathons als Hausaufgabe mitgegeben worden waren. Lediglich die Meldung, dass eine von den Bürgern vorgeschlagene Alternative zur Trasse im Heestal mit geprüft werde, war im Frühsommer veröffentlicht worden.

Vom Tisch scheint zumindest die Sorge zu sein, dass eine zusätzliche Leitung von Arpe im Hochsauerland bis Junkernhees geplant werden könnte. Diese sei nicht genehmigt worden, berichteten die BI-Vertreter beim SZ-Gespräch am Freitag. Ausruhen ist auch in der Wartezeit nicht angesagt für die Bürger: Sie haben von der Uni Siegen die Wiese kartieren lassen, auf der das Umspannwerk errichtet werden soll. „Sagen wir mal so: Es ist keine artenarme Wiese“, lässt Ansgar Klein wissen.

Denkmalschutz: Visualisierung fehlt noch immer

Auch das Thema Denkmalschutz müsse noch genauer betrachtet werden, die Bezirksregierung habe sich diesbezüglich bereits mit dem LWL ausgetauscht. Was noch immer nicht geliefert worden sei von Amprion, sei eine geforderte dreidimensionale Visualisierung. Die soll zeigen, wie die Raumwirkung der geplanten Anlage auf das Schloss Junkernhees und Hof Wurmbach ausfallen werde.

Doch zurück zum Gutachten: Am 12. Dezember wird es eine wichtige Rolle spielen, wenn die Prozessgemeinschaft aus Herdecke gegen den Leitungsbau vor das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zieht. Mit dabei ist neben Prof. Jarass Anwalt Philipp Heinz, der auch die hiesigen BIs vertritt. Die Siegerländer möchten mit einer Delegation nach Sachsen reisen und Prozessluft schnuppern – um sich für den Fall der Fälle zu wappnen: „Wir sind nach wie vor klagebereit!“

Dass die bestehenden Leitungen im Heestal durch leistungsstärkere ersetzt werden solle, ist laut Gutachten gar nicht nötig.
Ließen sich in Herdecke von Dr. Prof. Lorenz Jarass (M.) das Gutachten zur Amprion-Leitung erläutern (v. l.): Ansgar Klein, Christian Bode (Meiswinkel), Silke Klein und Sascha Reller.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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