Kreuztaler Mittagstisch ist zurück
Herzlichkeit ersetzt fehlende Gemütlichkeit

Für viele Gäste ist der Kreuztaler Mittagstisch viel mehr als ein Ort, an dem man sich gesund satt essen kann. Dieser Senior kommt oft schon morgens, um vor der Kreuzkirche ein Schwätzchen halten zu können.
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  • Für viele Gäste ist der Kreuztaler Mittagstisch viel mehr als ein Ort, an dem man sich gesund satt essen kann. Dieser Senior kommt oft schon morgens, um vor der Kreuzkirche ein Schwätzchen halten zu können.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
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nja Kreuztal. „Es sieht ein wenig aus wie bei der Abiturprüfung“, sagt Elisabeth Kramer lachend, zeigt auf ungeschmückte Tische, die in Reih und Glied und ausreichend Abstand voneinander darauf warten, besetzt zu werden. Wahrlich, gemütlich sieht dies nicht aus. Doch das spielt erst einmal eine untergeordnete Rolle. Schließlich ging das Team des Kreuztaler Mittagstischs am Dienstag einen großen Schritt Richtung Normalität und lud seine Gäste unter strikten Coronaschutz-Hygieneregeln zum ersten warmen Mahl seit dem Lockdown Ende Oktober ein. Die Freude war groß – beim ehrenamtlichen Team und auch bei den Männern und Frauen, die sich nun wieder dienstags und freitags für 1,50 Euro gesund satt essen können.

Mit rund 40 Besuchern statt der normalerweise rund 80 hatten Elisabeth Kramer und ihr Team kalkuliert. Gegen 11.30 Uhr zieht der Duft von knusprigen Bratkartoffeln, Bratwurst und frischem Gemüse durch den Saal der ev. Kreuzkirche in der Stadtmitte. Dazu gab es Salate und Obstquark.

"Die ersten Gäste kommen schon morgens,
um vor der Tür ein Schwätzchen zu halten."

Elisabeth Kramer
Mittagstisch Kreuztal

Nach dem Einchecken – es wird genau notiert, wer an welchem der 14 Tische Platz nimmt – werden übrig gebliebene Lebensmittel für daheim verteilt, bevor es mit OP-Maske über eine Einbahnstraßenregel an die Essenausgabe und den Einzeltisch geht. „Ehepaare oder Familien dürfen natürlich zusammensitzen“, sagt Kramer, die lieber übervorsichtig ist und ihren Job sehr ernst nimmt.

Draußen vor der Tür bildet sich eine Schlange. „Die ersten Gäste sitzen dort schon seit etwa halb 9 und warten“, so die Leiterin des Mittagstischs. Man trifft sich zum Quatschen – im Saal selbst ist dies ja bis auf Weiteres nicht möglich.

Ambiente für gemütliches Schwätzchen dauert noch

Seit Ende Oktober gab das Team dienstags und freitags Lebensmittel aus; kurz vor Weihnachten durften die Gäste sich ein warmes Mahl mit nach Hause nehmen. „Einige Gäste kommen aber auch nur, wenn wir gekocht haben“, sagt Kramer und entdeckt in der Reihe der auf Einlass Wartenden etliche Männer und Frauen, die sie schon längere Zeit nicht gesehen hat. Überhaupt ist die Wiedersehensfreude groß. Auch die Riege der Ehrenamtlichen ist nun wieder größer geworden. „Jetzt sind fast alle geimpft“, freut sich Kramer. Angesichts der überschaubaren Anzahl von 14 Tischen geschieht der Einlass nur peu à peu. Wer fertig ist, macht Platz für den nächsten Gast. Und wie gesagt: Das Ambiente für ein gemütliches Schwätzchen lässt leider noch auf sich warten.

Für viele Gäste ist der Kreuztaler Mittagstisch viel mehr als ein Ort, an dem man sich gesund satt essen kann.
  • Für viele Gäste ist der Kreuztaler Mittagstisch viel mehr als ein Ort, an dem man sich gesund satt essen kann.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
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Sein Alter verrät er, für ein Foto lässt er Messer und Gabel kurz ruhen – seinen Namen möchte er aber nicht in der Zeitung lesen: Der 70-jährige Siegener, der es sich am Dienstag in der Kreuzkirche munden lässt, ist froh über die leckere Mahlzeit. Kochen sei nicht sein Ding, verrät der Witwer. „Ich war schon vor 8 Uhr hier, um mit anderen draußen ein Schwätzchen halten zu können. Zu Hause ist ja niemand mehr“, sagt er.

Der soziale Aspekt des Miteinanders ist ein nicht zu unterschätzendes Gut, das der Mittagstisch ganz nebenbei beschert. Der Senior ist nicht der einzige, der den Helferinnen und Helfern beim Verlassen der Kirche ein Dankeschön zuruft: „Die leisten hier super Dinge!“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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