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Hofläden liegen im Trend
Hühner im Sortiment – Schlangen vor der Tür

Ruth und Heinz Gies sind Stammkunden am Eichenhof, wo Thorsten Junge und Andrea Zimmermann ihren Biohofladen betreiben.
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nja Kreuztal/Netphen. Abstandsregeln, Kontaktsperren, Einbahnregeln in Supermärkten, Diskussionen, ob ein Mundschutz notwendig ist oder nicht: Covid-19 trägt seit Wochen ein virulentes Maß an Unsicherheit in die Gesellschaft. Da vermittelt der Begriff „Hofladen“ ganz andere Bilder, weckt Assoziationen von guter Landluft und dazu gesunden Lebensmitteln mit Herkunftsgarantie. Wie wirkt sich das Virus auf die Arbeit dort aus? Die SZ fragte bei einem halben Dutzend Hofläden im Siegerland nach. Jene, die antworteten, zeigen sich sehr zufrieden mit der Geschäftsentwicklung. Ganz offensichtlich beschert die derzeitige Situation mit ihren Risiken und Unwägbarkeiten ihnen neue Kunden. Woran dies genau liege, könne man sicherlich nicht grundsätzlich sagen, berichtet z. B.

nja Kreuztal/Netphen. Abstandsregeln, Kontaktsperren, Einbahnregeln in Supermärkten, Diskussionen, ob ein Mundschutz notwendig ist oder nicht: Covid-19 trägt seit Wochen ein virulentes Maß an Unsicherheit in die Gesellschaft. Da vermittelt der Begriff „Hofladen“ ganz andere Bilder, weckt Assoziationen von guter Landluft und dazu gesunden Lebensmitteln mit Herkunftsgarantie. Wie wirkt sich das Virus auf die Arbeit dort aus? Die SZ fragte bei einem halben Dutzend Hofläden im Siegerland nach. Jene, die antworteten, zeigen sich sehr zufrieden mit der Geschäftsentwicklung. Ganz offensichtlich beschert die derzeitige Situation mit ihren Risiken und Unwägbarkeiten ihnen neue Kunden. Woran dies genau liege, könne man sicherlich nicht grundsätzlich sagen, berichtet z. B. Florian Stücher vom Ferndorfer Irlenhof, vor dessen Tür sich seit einigen Wochen immer wieder Schlangen bilden, wenn die Verkaufstheke geöffnet ist: „Es kommen derzeit wesentlich mehr Kunden als bisher. Wir hören immer wieder, dass die Menschen, die zu uns kommen, bewusster einkaufen wollen und es gut finden, dass sie regionale Produkte erhalten.“

Ein Gefühl von Sicherheit

Thorsten Junge und Andrea Zimmermann vom Eichener Bio-Eichenhof bestätigen ein gestiegenes Interesse und beziffern das Plus auf rund 15 Prozent. Schon zu Beginn des Shutdown hätten Neukunden „reingeschnuppert“. Der Kauf von Bioware, von der man weiß, woher sie kommt, gebe auch ein Gefühl von Sicherheit. Apropos: Kunden berichteten, sie fühlten sich „hier oben“, fern der Menschenmenge, sicherer vor dem Virus. Manche schauten erstmals oder auch häufiger vorbei, weil sie nun mehr Zeit hätten – ein Stichwort: Kurzarbeit. Andere wiederum hätten den eigentlich geplanten Osterurlaub wegen Corona absagen müssen: „Sie sagen ganz bewusst: Dann gönnen wir uns jetzt etwas und wollen zumindest gut essen“, erzählt Thorsten Junge von Gesprächen mit Kunden. Den Ferndorfer Hofladen dürfen maximal zwei Kunden zur gleichen Zeit betreten (einer im Thekenbereich und einer an der Kasse, es gibt eine Einbahnregelung), den Eichenhof bis zu fünf (er ist auch größer). Doch auch in Eichen bilden sich immer wieder Warteschlangen. Gründonnerstag war dies besonders extrem. „Eine Kundin sagte – völlig entspannt: Ich habe eine Stunde gewartet“, erinnert sich Andrea Zimmermann: „Wir haben draußen Stuhlreihen aufgestellt, andere vertrieben sich die Zeit, indem sie sich den Hof angeschaut haben. Niemand war genervt.“

Kunden sind geduldig

Mehr Kunden verzeichnen seit einigen Wochen auch Friedhelm Klein und Heike Lück in ihrem Selbstbedienungs-Hofladen in Herzhausen. Auch hier staut es sich schon mal vor der Tür; hinein in die gute Stube des Hofladens darf immer nur ein Kunde oder maximal ein Pärchen/eine Familie. Selbstbedienung heißt hier: Die Kunden sind allein im Laden, sie legen sogar das Geld für ihren Einkauf in eine Kasse – eine Frage der Ehre und Ehrlichkeit. „Die Kasse bleibt jetzt offen, damit niemand sie anpacken muss“, sagt Heike Lück. Feuchttücher liegen am Eingang bereit. Die Laune bleibe auch beim Warten nicht auf der Strecke – im Gegenteil: „Ich habe schon erlebt, wie Wartende vorgelassen wurden, weil eine Kundin einräumte, wohl länger zu brauchen.“

Nudelproduktion auch am Hof

Der Hof beherbergt bayerisches Fleckvieh und Geflügel, Klein und Lück betreiben Landwirtschaft und Lädchen nebenberuflich. „Nudeln aus unseren Eiern lassen wir in Wittgenstein produzieren“, und sie waren besonders beliebt, als die Supermarktregale vor einigen Wochen leer waren. Das bestätigt auch Florian Stücher: Das Irlenhof-Team produziert Nudeln aus eigener Ovalproduktion vor Ort selbst. Stüchers bieten täglich ein kleines Selbstbedienungsangebot an und öffnen darüber hinaus an mehreren Tagen für einige Stunden den größeren und üppiger bestückten Thekenbereich. „Das Arbeiten ist seit der Pandemie umständlicher geworden“, sagt Stücher mit Blick u. a. auf ständiges Händewaschen, -desinfizieren und Abstandhalten selbst beim Schlachten. Ja, es habe auch Hamsterkäufe gegeben, die gut gefüllte Truhe sei vor einigen Wochen rasch leer gewesen: „Hier darf man weiterhin kaufen so viel man möchte. Wenn aber z. B. ein Pärchen zehn Päckchen Hackfleisch zur Kasse trägt, erklären wir schon, dass wir regelmäßig für Nachschub sorgen werden. Es steht ja kein Krieg vor der Tür.“

"Es wird ursprünglicher"

Er habe, so Florian Stücher, den Eindruck, das Verhalten der Menschen werde wieder „ursprünglicher“. Mehl z. B. sei nicht im Sortiment, Getreide baue die Familie nur an, um es an die Tiere zu verfüttern: „Jetzt wurden wir nach einem 20-Kilosack Getreide gefragt.“ Da wollte jemand sein Mehl selber zu Hause mahlen.  „Uns fragen Kunden nun häufiger, ob beim Gemüse immer noch Selbstbedienung ist“, berichtet Thorsten Junge von einem gesteigerten Hygienebewusstsein. Für ihn ist der Griff zum Desinfektionsmittel auch Routine. Saft, Wasser, Reis, Mehl und Hülsenfrüchte waren zwischendurch immer wieder mal Mangelware: „Alles, was schwer ist“, erklärt Junge. Da habe der Großlieferant schon mal die Liefermengen reduzieren müssen. Toilettenpapier beanspruche hingegen beim Transport zu viel Volumen. Im Frischebereich aber „war immer alles zu haben“. Hamsterkäufe gebe es eher keine: Dazu sei der Laden wohl auch nicht anonym genug, schmunzeln Junge und Zimmermann. Vielmehr gebe es auch Solidarität: „An der Theke wird dann schon mal das letzte Brot geteilt.“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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