In der Stadthalle blühte der Frühling auf

Philharmonie Südwestfalen, GMD Thomas Kalb und Severin von Eckardstein stürmisch gefeiert

G.S. Kreuztal. Das zweite Sinfoniekonzert des Jahres 2003 beim Gebrüder-Busch-Kreis war am Sonntagnachmittag ganz dem Erwachen der Natur gewidmet. Mozarts fröhliches »D-Dur-Divertimento, KV 205«, sein schwungvolles »C-Dur-Konzert für Klavier und Orchester, KV 467« und Schumanns heitere »B-Dur-Sinfonie Nr.1, op.38« ließen das Kommen des Frühlings ahnen. Am Pult der Philharmonie Südwestfalen stellte sich der Heidelberger GMD Thomas Kalb als Gastdirigent vor. Solist in Mozarts Klavierkonzert war der Buschpreisträger 1999, Severin von Eckardstein.

Mozarts »Divertimenti KV 205« aus dem Jahre 1773 eröffnete den munteren Reigen. Fünf kurze Sätze, Kammermusik der feinsten Art, breiteten sich aus. Große Tiefen wurden noch nicht ausgelotet, denn die Kunst verkleidete sich in zarter Anmut. Dieser frühen, der italienischen Kantabilität zugewandten Unterhaltungsmusik ließen Dirigent und Musiker eine höchst erlesene Brillanz zukommen. Über die Zeit, Mozart als Schule der Geläufigkeit empfunden zu haben, ist Severin von Eckardstein längst hinaus. Jetzt hat er Mozarts Ausdruckskraft entdeckt. Die Gestaltung seines Aufbaus und die musikalischen Zusammenhänge sind ihm zunehmend wichtiger geworden. Das belegte seine Interpretation des großen C-Dur-Klavierkonzerts. Sein Ton leuchtete, war kantabel und von bewundernswertem Gleichmaß. Er wagte konzertanten Schwung und hauchte auch den kleinsten Passagen Leben ein. Bei so viel beherrschter Hingabe bemerkte der Zuhörer erst bei den Kadenzen (nach Ferruccio B. Busoni), welche Gefahr, in reinen Manierismus zu verfallen der Pianist in seinem Vortrag klug vermieden hat. Er spielte das Werk farbig und innig, in großer, festlicher Weise. Da verschwanden alle genrehaften Momente. Was er zum Klingen brachte, war die reine Essenz – als stetig vorwärtsdrängende Bewegung, als Aussage persönlicher Empfindung oder als Spiel mit homophonen und polyphonen Elementen. So kam er dem Geist der Komposition sehr nahe und bot ein Exempel von künstlerisch vertretbarem und pianistisch hinreißendem Klavierspiel.

Die Philharmoniker agierten nicht nur in edlem Wettstreit mit dem Solisten, sondern stellten auch ihre hohen Oualitäten ins hellste Licht. Der souveräne Musiker Thomas Kalb unterstrich als Dirigent den reich differenzierten Orchestersatz und räumte, vor allem in den Ecksätzen, den ausdrucksvollen Bläsern das gebührende Mitspracherecht ein. Die Begeisterung in der vollbesetzten Stadthalle war dergestalt, dass der junge Pianist nicht an einer Zugabe vorbeikam. Als Hommage an Sergej Prokofjew spielte er dessen »Suggestion diabolique, op.4/4«; ein kalter Guss auf glühendes Eisen!

Schumanns oft sperrige, sinfonische Ekstatik verschließt seit der Entstehungszeit den einfachen dirigentischen Zugang. So stellte sich auch dem Gastdirigenten die Frage: Wie bringt man diese gewiss nicht handliche Partitur zum Klingen und wie macht man ihr Feuer und ihre Fantasie lebendig? Thomas Kalb befreite den vielfach wulstig-massiven Orchesterklang von seinen Schlacken. Übrig blieb eine Musik aus romantischem Gemüt zwar, warm und herzlich, jedoch ohne schroffe Kanten. Er legte die Sinfonie im lichten B-Dur fast als eine überhöhte Kammermusik an. Schon in der frohgemut und hochgestimmt einsetzenden Andante-Einleitung vermied er jede Blechrohheit und ließ das folgende, der Natur abgelauschte Treiben und Drängen, »mendelssohnisch« glitzern.

Im Larghetto, als Primat des Melos mit einem Hauch Eichendorff, herrschten elegische Stimmungen, die mit düster-chromatischen Posaunenklängen ohne Pause ins Scherzo hinüberschwangen. Jubelnd zog das Finale vorüber. Verblüffend die Kadenz der Flöte vor der Schlussstretta. Das ganze Orchester schien den Atem anzuhalten, bevor das Werk in hellem Glanz und sieghafter Steigerung verklang.

Wir hörten Schumann als Melodiker und begriffen, auch in der Interpretation von Thomas Kalb und der Philharmonie, die volle Energie und Brisanz dieser Fruhlingsmusik. Der stürmische Beifall steigerte sich schnell zu lang anhaltenden Ovationen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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