Solidargemeinschaft Landwirtschaft
In guten wie in schlechten Zeiten

Andrea Junk ist Landwirtin mit Herz und Seele. Bevor 2015 die Solidargemeinschaft in Krombach an den Start ging, war die Bestellung des Felds oberhalb des Freibads schon ihr <jleftright>Steckenpferd. Sie ist froh, nun auf solidarische Unterstützung bauen zu können. 35 Mitglieder zählt die Gemeinschaft.
  • Andrea Junk ist Landwirtin mit Herz und Seele. Bevor 2015 die Solidargemeinschaft in Krombach an den Start ging, war die Bestellung des Felds oberhalb des Freibads schon ihr <jleftright>Steckenpferd. Sie ist froh, nun auf solidarische Unterstützung bauen zu können. 35 Mitglieder zählt die Gemeinschaft.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Anja Bieler-Barth (Redakteurin)

nja Krombach.  „Verantwortung und Genuss teilen“ – so titelte die Siegener Zeitung im September 2015, als sie ein Projekt vorstellte, das im Siegerland nicht alltäglich war und ist. Die Solidargemeinschaft Landwirtschaft, kurz Solawi genannt, war damals ein frischer „Keimling“ – ihr Nährboden allerdings schon Jahre lang insbesondere von einer Frau kultiviert, die auch weiterhin eine tragende Rolle spielte: Andrea Junk. Ein Besuch auf dem Feld oberhalb des Krombacher Freibads – 3700 Quadratmeter werden bewirtschaftet – zeigte nun: Die vier Jahre alte Überschrift hat heute ebenso noch Bestand wie das Engagement der Stendenbacherin.

Was ist aus der Solawi geworden? Die Antwort auf diese Frage lautet offensichtlich: ein beständiges Gewächs, das zwar nicht größer wird, aber starke Wurzeln trägt. Und dies auch in stressigen Zeiten von großer Hitze und extremer Trockenheit, die es auch schon im Vorjahr auszuhalten galt. Zwei Jahre lang war Agrar-Ingenieurin Anita Junk mit im Orga-Team, dann verabschiedete sie sich.

Kein Wasseranschluss vorhanden

Das Credo der Solawi lautet gewissermaßen: in guten wie in schlechten Zeiten, will heißen: Sind die klimatischen Voraussetzungen hervorragend, freuen sich die 35 Mitglieder über reiche Ernte für ihren Solidarbeitrag. Einen Wasseranschluss gibt es dort oben nicht. In mageren Zeiten wie im Hitzesommer 2018 und auch bislang in dieser Saison heißt es, sich in Bescheidenheit zu üben, vor allem aber, das finanzielle Risiko gemeinsam zu tragen. Junk: „Es gehört dazu, solche Momente mitzutragen.“

Insbesondere Letzteres hat von Andrea Junk, die sich nach wie vor von der Aussaat bis zur Ernte mit viel Herzblut sowie zeitlichem und auch emotionalem Engagement um das Gemüse kümmert, eine große Last genommen. Die Mitglieder der Solidargemeinschaft verpflichten sich für jeweils ein Jahr, für sieben Erntemonate ihr Scherflein zu entrichten, dessen Höhe sich danach richtet, wie groß ihr Ernte-Anteil ist. Zwei Größen und Preiskategorien gibt es. Von diesen Einnahmen wird das Saatgut bezahlt, werden bei Bedarf landwirtschaftliche Geräte angeschafft – und wird eine Rechnung der Landwirtin beglichen, die sie einmal im Jahr für ihren Aufwand stellt. Leben kann sie davon allerdings nicht; anderweitige Einnahmequellen sind unabdingbar. Eine Kassiererin verwaltet das Konto.

„In den ersten drei Solawi-Jahren verlief die Saison so: Zu Beginn und am Ende fiel die Ernte nicht so toll aus, in der Mitte aber üppig“, erinnerte sich Andrea Junk. Einmal in der Woche holen sich die Mitglieder im Idealfall von Mai bis November ihre Kisten auf dem Feld ab, die dann bereits fertig gepackt sind – entweder mittwoch- oder freitagnachmittags.

Während der SZ-Visite schaute gerade Elke Ettinger, Solawi-Mitglied der ersten Stunde und zuvor auch schon Stammkundin in Junks „Crombacher Naturgemüsegarten“, vorbei und freute sich über Kartoffeln, Salat („der ist so fest gewachsen, dass man mehrere Tage davon hat“), Zucchini, Gurke, Mangold, Fenchel, Dill und Petersilie. Die Tomatenernte fiel an jenem Tag nicht so üppig aus. „Meine beiden habe ich direkt verputzt“, so Ettinger, die auch bei der Arbeit auf dem Feld hilft: „Kartoffelkäfer sind meine Spezialität“, erzählte sie. Die Details, wie sich die Solawi der Larven entledigt, sind, vorsichtig formuliert, nicht sonderlich appetitlich. Aber: Es ist ein schneller Tod.

Nun mag es Menschen geben, die z. B. mit Fenchel nichts anzufangen wissen. „Grundsätzlich haben wir für solche Fälle auch eine Tauschkiste geplant“, sagte Andrea Junk. Aufgrund der heißen Dürre der vergangenen Tage und Wochen sei dies zurzeit aber nicht möglich. „Es wird auch schon mal untereinander getauscht“, ergänzte Elke Ettinger. Geplant war bzw. ist außerdem, den Überschuss frei zu verkaufen – also an Nicht-Solawi-Mitglieder. Auch dies fällt derzeit witterungsbedingt flach – dies ist Andrea Junks persönlicher Verlust.

Die Ausgabe der Kisten übernimmt mittlerweile auch ein Solawi-Mitglied; derweil kann Andrea Junk sich um die Scholle kümmern. Mit die schönsten Momente ihrer Arbeit sind die Aussaat und Zucht u. a. von diversen Kohlsorten („Dieses Jahr versuche ich es auf Wunsch eines Mitglieds erstmals mit Braunkohl“), Kartoffeln, Bohnen, Salaten, Kräutern, Zwiebeln, Möhren, Zucchini, Gurken, Kürbissen – und Blumen.

Zu sehen, wie aus einem Saatkorn gesunde Nahrung erwächst – das sind die schönen und befriedigenden Momente der Arbeit. Als Anita Junk die Solawi verließ, „habe ich kurz überlegt, ob ich alleine weitermache“, erinnerte sich Andrea Junk. Sehr schnell aber habe sie die Antwort gewusst: „Ich liebe diese Arbeit. Das ist genau meins!“ Nun hofft sie mit den anderen „Solawis“, dass die trockenen Jahre mit der extremen Hitze „nicht zur Serie werden“.

Chemie hat keine Chance

„Die Kartoffeln sind nun zum Beispiel halb so hoch gewachsen wie normal, und der Kartoffelkäfer ist nach wie vor unterwegs. Bis zu dreimal am Tag lesen wir die Larven auf. Die Kartoffeln aber sind absolut lecker!“ Chemie kommt nicht zum Einsatz, „gesprüht“ wird aber dennoch. Den unter anderem Kohl und Radieschen liebenden Erdflöhen ging es in der vergangenen Woche z. B. mit Wermut-Tee an den Kragen. Den hatte Andrea Junk tags zuvor angesetzt. „Die Landwirtschaft – das ist meine Berufung“, betonte die Stendenbacherin: „Wenn Nahrung und Blumen wachsen, geht mir das Herz auf!“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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