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Tipps für den Kauf und Bau
Insektenhotels liegen im Trend

Nicht in Holzscheiben, sondern in Stämme oder breite Äste sollten die Löcher für die Insekten gebohrt werden. Ob die Unterkünfte richtig gebaut wurden, zeigt sich auch daran, ob Tiere einziehen. Foto: Sarah Panthel
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  • Nicht in Holzscheiben, sondern in Stämme oder breite Äste sollten die Löcher für die Insekten gebohrt werden. Ob die Unterkünfte richtig gebaut wurden, zeigt sich auch daran, ob Tiere einziehen. Foto: Sarah Panthel
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sp Ferndorf. Es brummt und summt. In manchen Gärten mehr, in manchen weniger. Insgesamt aber geht die Anzahl der Bienen, Schmetterlinge und Co. zurück. Laut Nabu haben Untersuchungen in NRW ergeben, dass die Biomasse der Fluginsekten seit 1989 mancherorts um bis zu 80 Prozent zurückgegangen ist.

Jetzt wollen immer mehr Naturliebhaber gegen das Insektensterben aktiv werden. In Baumärkten und zum Teil auch in Discountern stapeln sich „Hotels“, die den Tieren Unterschlupf und Nistmöglichkeiten bieten sollen. Gleich daneben liegen Tütchen mit Saatgut für bunte Blumenwiesen, die die Insekten dann auch gleich mit Nahrung versorgen sollen.
Am besten hartes und heimisches Holz verwendenWenn man sich zu einem Kauf entscheidet, sollte man allerdings auf einige Punkte achten, rät Dr.

sp Ferndorf. Es brummt und summt. In manchen Gärten mehr, in manchen weniger. Insgesamt aber geht die Anzahl der Bienen, Schmetterlinge und Co. zurück. Laut Nabu haben Untersuchungen in NRW ergeben, dass die Biomasse der Fluginsekten seit 1989 mancherorts um bis zu 80 Prozent zurückgegangen ist.

Jetzt wollen immer mehr Naturliebhaber gegen das Insektensterben aktiv werden. In Baumärkten und zum Teil auch in Discountern stapeln sich „Hotels“, die den Tieren Unterschlupf und Nistmöglichkeiten bieten sollen. Gleich daneben liegen Tütchen mit Saatgut für bunte Blumenwiesen, die die Insekten dann auch gleich mit Nahrung versorgen sollen.

Am besten hartes und heimisches Holz verwenden

Wenn man sich zu einem Kauf entscheidet, sollte man allerdings auf einige Punkte achten, rät Dr. Jasmin Mantilla-Contreras, wissenschaftliche Leiterin der biologischen Station des Kreises Siegen-Wittgenstein. Insektenhotels schauten oft hübsch aus, aber sie seien teuer und gingen bei Wind und Wetter häufig kaputt. „Nach drei, vier Monaten draußen fallen sie auseinander oder fangen an zu schimmeln.“ Das Problem: Oft handelt es sich um Weichholz. Besser sei hartes und heimisches Holz, zum Beispiel Buche oder Eiche, erklärt die Wissenschaftlerin. Und unbehandelt sollte es sein. Einer der häufigsten Fehler ist, Löcher in Baumscheiben zu bohren. Dadurch entstehen Risse, in die Wasser läuft, und das Holz zersetzt sich. Besser sind trockene Baumstämme oder dickere Äste, in die seitlich gebohrt wird. Risse sollten immer vermieden werden.

Werden getrockneten Pflanzen(-Stängeln) verwendet, sollten die Röhrchen glatt abgeschnitten und nicht ausgefranst sein. Auch Stroh und Zapfen finden sich in den Unterkünften wieder, „häufig geht da gar kein Tier rein“, sagt die Wissenschaftlerin. Vorstehende Glasröhrchen zum Beobachten eigneten sich nicht, denn die könnten zu heiß werden. Natürliches Material sei immer besser.

Auch blühende Pflanzen sind für Insekten wichtig 

Ein guter Platz für das Insektenhotel liegt nicht in der vollen Sonne, aber auch nicht im totalen Schatten, wind- und witterungsgeschützt sollte er sein. Aber: „Ein Insektenhotel bringt nichts, wenn es in einem Steingarten aufgehangen wird“, erklärt Mantilla-Contreras. Die Insekten müssten direkt in ihrer Umgebung ein Nahrungsangebot vorfinden. „Am besten ist ein Bauerngarten mit Stauden- und Gemüsebeeten, Obstgehölzen und Hecken.“

Auch Tütchen mit Blumensamen können Sinn machen. „Man sollte bei den Mischungen auf einheimisches und regionales Saatgut achten, sich nichts holen, was einfach nur schön bunt ist“, sagt Mantilla-Contreras. Wer beispielsweise Schmetterlingen Gutes tun will, sollte bedenken, dass sie nicht nur Nektar brauchen, sondern auch Pflanzen, auf denen sie ihre Eier ablegen können und solche, die von ihren Raupen gefressen werden können, beispielsweise Brennnesseln. Wenn man nur Nadelgehölze und englischen Rasen hat, „dann nützt auch ein Insektenhotel nichts“, so die Wissenschaftlerin. Hinterfragt werden sollte auch, ob ein Samentütchen wirklich gebraucht wird oder nicht eigentlich eine ökologisch wertvolle Wiese vorhanden ist, „die vielleicht nicht mit supertollen pinken Blüten durchzogen ist“.

Informieren, "nicht blauäugig irgendwas kaufen"

Die wissenschaftliche Leiterin der Station stellt fest: „Der Wille, etwas zu tun, ist bei vielen Leuten da“, aber wer wirklich etwas gegen das Insektensterben unternehmen wolle, der solle sich vorher informieren und „nicht blauäuig irgendwas kaufen“. Beim Bau einer Unterkunft könne man aber auch einfach ein bisschen ausprobieren, sagt Jasmin Mantilla-Contreras, zum Beispiel bei dem Durchmesser oder der Länge der Röhrchen. Wenn man feststelle, dass keine Insekten den Unterschlupf nutzten, könne man noch mal an dem Hotel arbeiten.

Ziel sei es, dass die Insekten sich länger einnisten: „Wir wollen keine Tagestouristen.“ Zu den Gästen zählen übrigens nicht nur Wildbienen, sondern auch verschiedene Käferarten, Tausendfüßler oder Schlupfwespen. Angst haben müsse man vor den Besuchern im Garten aber nicht, sagt Mantilla-Contreras. Wenn man die Tiere in Ruhe lasse und nur beobachte, stächen sie auch nicht zu.

Tipps insektenfreundliche Pflanzen

Wer Samen für eine Blumenwiese aussähen will, kann darauf achten, das folgende Arten enthalten sind: Heilziest (Betonica officinalis), Wiesenglockenblume (Campanula patula), Wiesenflockenblume, (Ceantaurea jacea), Wiesenpippau (Crepis biennis), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense), Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochaeris radicata), Gewöhnliche Margerite (Leucanthemum vulgaris), Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi), Moschus-Malve (Malva moschata), Große Bibernelle (Pimpinella major), Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris), Teufelsabbiss (Succisa pratensis), Wiesenbocksbart (Tragopogon pratensis) und Mittlerer Klee (Trifolium medium).
Auch viele Stauden können Insekten mit Nahrung versorgen. Der Vorteil: Die Pflanzen sind mehrjährig. Eine große Vielfalt steht zur Verfügung, beispielsweise Feld- und Garten-Rittersporn, Akelei, Nachtkerze, Löwenmäulchen, Lavendel, Natternkopf, Stockrose, Eisenhut und Fingerhut. Damit die Insekten auch im frühen Jahr schon Nahrung finden, können Frühjahrsblüher wie Narzissen und Krokusse gepflanzt werden. Die Blüten der Pflanzen sollten ungefüllt sein.

Nicht in Holzscheiben, sondern in Stämme oder breite Äste sollten die Löcher für die Insekten gebohrt werden. Ob die Unterkünfte richtig gebaut wurden, zeigt sich auch daran, ob Tiere einziehen. Foto: Sarah Panthel
Dr. Jasmin Mantilla-Contreras (mit ihrem Sohn Samuel) erklärt im Gespräch mit der SZ, worauf es beim Bau oder Kauf von Insektenhotels ankommt. Das Exemplar neben ihr weist Mängel (z.B. Löcher in Baumscheiben), aber auch Positives auf (ein Dach zum Schutz vor Sonne und Regen).
Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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